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Feuerschein und Blaulicht haben nicht gereicht, um die Autofahrer auf der A 8 von sich aus dazu zu bewegen, eine Rettungsgasse zu bilden.

Brennender Bus auf der A8

Stehende Autos bremsen Feuerwehr aus

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Irschenberg - Verletzt wurde niemand, doch wie leicht hätte der Bus, der kürzlich auf der A 8 bei Irschenberg Feuer gefangen hatte, zum Grab werden können. Weil die stehenden Autofahrer keine Rettungsgasse bildeten, brauchte die Feuerwehr zehn Minuten zum Einsatzort.

Weil die im Stau stehenden Autofahrer keine Rettungsgasse bildeten, brauchte die Feuerwehr geschlagene zehn Minuten zum Einsatzort.

Es sind Einsätze, bei denen jede Sekunde zählt. Die Hilfskräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst trainieren, analysieren und sind stets am Optimieren, doch gegen die Borniertheit mancher Autofahrer haben sie keine Chance.

Im Fall des brennenden Busses auf der A 8 an der Steigungsstrecke des Irschenbergs brauchte die Feuerwehr zehn Minuten, um die 700 Meter von der Behelfszufahrt bei Schwamham bis zur Unfallstelle zu gelangen, weil keine Rettungsgasse gebildet wurde – bei Rettungseinsätzen eine Ewigkeit.

Dass sich Autofahrer nicht darum bemühen, den Rettungskräften die Zufahrt zu ermöglichen, ist aber kein Einzelfall, wie Irschenbergs Feuerwehrkommandant Tom Niggl im Interview erklärt.

Herr Niggl, wie haben Sie den Einsatz an der A 8 erlebt?

Es war katastrophal. Ich bin seit zehn Jahren Kommandant, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt. Alle drei Spuren waren völlig dicht – wir kamen mit unseren Fahrzeugen nicht durch. Keiner ist richtig auf die Seite gefahren. Erst als unsere Leute ausgestiegen sind und die Fahrer persönlich aufgefordert haben, bewegte sich etwas.

Und das, obwohl die Feuerwehr mit Blaulicht und Martinshorn anrückte?

Ja. Die Autos wurden ein bisschen bewegt, aber lange nicht genug, um zwischen der linken Spur und dem Mittelstreifen eine Gasse zu bilden, die breit genug ist für unsere Fahrzeuge.

Ist das ein Trend?

Definitiv. Wir stellen das immer öfter fest, auch wenn es noch nie so schlimm war wie diesmal. Gerade an Stellen ohne Seitenstreifen ist es schwierig. Dort ist es eng, und einige Fahrer sind zu ungeübt. Der vorhandene Platz wird nicht vollständig genutzt. Man hält einen halben Meter Abstand zu Leitplanke und Vordermann, statt richtig nah heranzufahren.

Wie verhalten sich Autofahrer richtig?

Indem sie, wenn der Verkehr zum Stillstand kommt, daran denken, eine Rettungsgasse zu bilden. Dann wäre das kein Problem. Aber das ist offenbar nicht im Bewusstsein. Wir haben auch das Problem, dass bestehende Rettungsgassen wieder geschlossen werden, wenn der erste Einsatzwagen durchgefahren ist. Dann wird es richtig schwierig: Wenn alle wieder nach vorne fahren und sich einreihen, fehlt später der Platz, um erneut eine Gasse zu bilden. Im Fall des brennenden Busses hatten wir Glück, dass die Kräne und der Tieflader entgegen der Fahrtrichtung, also von Irschenberg her, anrücken konnten. Für die Gasse wären sie zu breit gewesen.

Gut, dass die Insassen bereits im Freien waren.

Ja. Nicht auszudenken, wenn da noch jemand eingeschlossen gewesen wäre. Denn als wir zum Unfallort kamen, stand der Bus in Vollbrand. Da war nur noch Metall.

Was kann man dagegen tun, damit dieses Verhalten nicht irgendwann Tote fordert?

Wir werden das Problem mit unserem Kreisbrandrat Anton Riblinger besprechen. Vielleicht können wir zusammen mit Rosenheim bei der Regierung von Oberbayern vorsprechen. Eine Möglichkeit wäre es vielleicht, einen entsprechenden Hinweis auf Rettungsgassen auf den Schilderbrücken anzuzeigen. Dazu ist wahrscheinlich eine Nachrüstung nötig. Aber das sollte die Sache wert sein.

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