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Der Kommandant und sein Fuhrpark: Tom Niggl mit den Einsatzwagen der Irschenberger Feuerwehr. Ein Großteil – darunter der Fiat im Vordergrund – wird in den kommenden Jahren aus Altersgründen ausgetauscht.

Feuerwehr Irschenberg bleibt wegen Autobahn-Einsätzen auf hohen Kosten sitzen

Teurer Fuhrpark, wenig Zuschüsse

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Irschenberg - 75 Prozent ihrer Einsätze führen die Feuerwehr Irschenberg auf die Autobahn. Deshalb muss sie sich einen teuren Fuhrpark leisten. Der Bund profitiert zwar, hält sich mit Zuschüssen aber zurück.

Wenn’s bei den Irschenberger Feuerwehrlern piepst, ist meist klar, wohin die Reise geht: auf die Autobahn. 75 Prozent der jährlich bis zu 250 Einsätze der Truppe spielen sich auf der A 8 ab. Da braucht’s vor allem eines: ein gut geschultes Personal. Daran mangelt es Kommandant Tom Niggl auch nicht. Auf bis zu 54 aktive Retter kann er im Ernstfall zurückgreifen. „Die fahren schon vier Minuten nach dem Alarm los“, berichtete Bürgermeister Hans Schönauer nun im Gemeinderat. „Fast wie eine Berufsfeuerwehr.“ 

Doch jede Mannschaft ist nur so gut wie ihre Ausrüstung. Und die ist richtig teuer, wie Niggl anhand seines erstmals ausgearbeiteten Fahrzeugskonzepts am Ratstisch aufzeigte. Mehr als eine Million Euro werden alleine bis zum Jahr 2025 für die Erneuerung des Fuhrparks der Feuerwehren Irschenberg, Niklasreuth und Reichersdorf fällig (siehe Kasten). Das Problem: Die Zuschüsse durch den Freistaat sind dürftig, fangen im Schnitt nur ein Fünftel der Investitionen auf. 

Spätestens im Jahr 2022 muss die Feuerwehr Irschenberg zum Beispiel ihren Rüstwagen – ein Spezial-Unimog Baujahr 1987 – austauschen. Kostenpunkt: 550 000 Euro. Zuschuss: 140 000 Euro. Zu wenig, findet Niggl. Denn der hohe Kaufpreis des Fahrzeugs sei vorwiegend auf die teure Sonderausstattung für Autobahneinsätze zurückzuführen. Ob Seilwinde oder Hebekissen: Beim Bergen von schweren Lkw fällt eben alles eine Nummer größer aus. 

Doch das interessiert die Förderstelle nicht. „Die zahlen immer nur Festbeträge“, erklärt Niggl. Egal, ob eine Feuerwehr nur für ein kleines Dorf oder eben für eine Autobahn zuständig ist. „Ungerecht“, sagt der Kommandant. Schließlich seien die Retter per Gesetz dazu verpflichtet, alle Verkehrswege in ihrem Gebiet abzudecken. Egal ob Bahnlinie, Fluss oder Autobahn. Der Bund nimmt die Hilfeleistung der Feuerwehren gerne in Anspruch, hält sich aber bei den Zuschüssen vornehm zurück. „Das wird einfach nicht gewürdigt“, kritisierte auch der Bürgermeister. 

Kein Wunder, denn am Ende bleibt die Gemeinde auf den Kosten sitzen. Die ersten 135 000 Euro für ein neues Mehrzweckfahrzeug hat sie bereits heuer in den Haushalt eingestellt (wir berichteten). Der Fiat ist zwar erst elf Jahre alt, aber zuletzt nur noch mit Ach und Krach durch den TÜV gekommen. Auch, weil ihm der Rost ordentlich zugesetzt hat. Für Niggl eine weitere Folge der Autobahneinsätze. Da wird im Winter großzügig Salz gestreut – Gift für den Lack. „Wir waschen unsere Autos regelmäßig“, betont Niggl. Aber seine ehrenamtlichen Truppmitglieder nach einem nächtlichen Einsatz noch zum Putzen verdonnern, will der Kommandant dann auch nicht. „Die müssen ja am nächsten Tag wieder in die Arbeit.“ 

Als deutlich robuster haben sich das Tragspritzenfahrzeug der Feuerwehr Niklasreuth (Baujahr 1986) und das Löschgruppenfahrzeug der Irschenberger Truppe (1994) erwiesen. Doch auch diese will Niggl bis 2018 ersetzen. Denn selbst wenn ein Wagen noch einsatzfähig ist, ist er meist hoffnungslos veraltet. Die Technik verändert sich schnell, muss mit den immer komplexeren Einsätzen Schritt halten. „Die Tür eines Neuwagens machst Du heute nicht mehr so ohne Weiteres auf“, erklärt Niggl. Ganz zu schweigen von der Bergung eines Gefahrguttransporters. Hier können sich die Irschenberger Retter künftig direkt am Einsatzort im Internet informieren. Ihr neues Mehrzweckfahrzeug wird mit allen modernen Kommunikationsmitteln ausgerüstet sein. 

Der Bund nimmt das gerne in Kauf. Den Geldbeutel wird jedoch die Gemeinde aufmachen. „Wir sind gute Partner“, betonte Schönauer und lobte Niggls Fahrzeugkonzept. Die Feuerwehren würden nur das beantragen, was sie brauchen. „Und das“, so der Bürgermeister, „kriegen sie auch.“

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