Was wird aus dem Gasthof in Wilparting? Der Gemeinde Irschenberg schwebt eine Gastronomie mit Gästezimmern vor. Die Genossenschaft sieht dagegen ideale Voraussetzungen für ihr Inklusionsprojekt.
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Was wird aus dem Gasthof in Wilparting? Der Gemeinde Irschenberg schwebt eine Gastronomie mit Gästezimmern vor. Die Genossenschaft sieht dagegen ideale Voraussetzungen für ihr Inklusionsprojekt.

Zukunft der Traditionswirtschaft weiter offen

Überraschung in Irschenberg: Bewerber plant Wohn-Projekt für Inklusion in Wilparting

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Der Gasthof zum Moar in Wilparting soll abgerissen und dann – neu gebaut im alten Stil – als zeitgemäße Gastronomie mit Gästezimmern betrieben werden. Dazu sucht die Gemeinde Irschenberg bekanntlich eine Brauerei. Bei der Ausschreibung hat auch ein unerwarteter Bewerber seinen Hut in den Ring geworfen – mit einem ganz anderen Ansatz.

Irschenberg – Geht es nach Thomas von Dall Armi, könnte der Moar in Wilparting weiter eine Wirtschaft bleiben, wenn auch nicht in der Hand einer Brauerei, sondern der „Bauimpuls Genossenschaft für Dorf und Stadt“ mit Sitz in Starnberg. Das Anwesen könnte so nicht nur der Gemeinde Irschenberg einen jährlichen Pachtzins im hohen fünfstelligen Bereich bieten, sondern auch im sozial-karitativen Bereich Gutes tun. Denn das Konzept, das Dall Armi als Bauimpuls-Vorstandsvorsitzender im November 2020 bei der Ausschreibung eingereicht hat, setzt auf Inklusion.

„Unsere Idee besteht aus drei Säulen“, erklärt Dall Armi das Konzept hinter der 99-jährigen Erbpacht: Gastronomie mit Nebenerwerbsquellen, das Wohnen und die Landwirtschaft mit vielen Einzelprojekten. In Wilparting „soll ein Lebensort entstehen, der lebendig und beispielhaft die Möglichkeiten und Chancen der Inklusion aufzeigt“.

Wohnen und Arbeiten als weitere Säulen

Und das sieht so aus: Menschen mit Hilfebedarf und geistiger Beeinträchtigung werden in einem Mehrgenerationen-Modell im gemeinsamen Zusammenleben angeleitet. Vielfältige Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten soll es geben. „Dies soll für andere Einrichtungen Vorbildcharakter haben und aufzeigen, was in unserer Gesellschaft möglich ist“, sagt der 65-jährige Architekt und Baubiologe. „Wir wollen dazu beitragen, dass Unternehmen Bedenken und Ängste ablegen, die sie daran hindern, Menschen mit Handicap einen Arbeitsplatz anzubieten, sie anzulernen und zu integrieren.“

Ideen wie Fahrradstation und Hofladen

Die Genossenschaft gibt es seit zwei Jahren. Ziel ihrer Mitglieder ist es, Wohnraum für gehandicapte Menschen zu schaffen. Partner von Bauimpuls ist der gemeinnützige Verein „Leben Wohnen Lernen und Arbeiten für Menschen mit besonderem Hilfebedarf“ aus Bad Aibling. Der übernimmt für die Landwirtschaft und angedachte Projekte wie Hofladen, Werkstätten, Fahrradstation, Kiosk, Gartenbauprojekte sowie Bildungs- und Kulturangebote die eigenverantwortliche Organisation, deren Betrieb und Förderungsangelegenheiten.

Weniger Gästebetten - mehr dauerhaftes Wohnen

Wie die Gemeinde geht auch die Genossenschaft von einem technisch modernen Neubau des Hauptgebäudes aus. Zudem sollen Tenne und Nebengebäude mit Werkstätten, Läden und Wohnräumen neu errichtet werden. Das von der Gemeinde geplante Kontingent von 14 Zimmern für Übernachtungsgäste soll zugunsten des dauerhaften Wohnens reduziert, der Gastronomiebereich soll innen und außen „maximal geöffnet“, der Saal vielfältig genutzt werden. Insgesamt soll die nutzbare Wohnfläche auf rund 2000 Quadratmeter erhöht werden. Die Kosten für Konzeption, Planung, Sanierung und Neubaukosten beziffert Dall Armi mit sechs Millionen Euro. Einfließen sollen Stiftungsmittel, Spenden und projektbezogene Genossenschaftsanteile für die Wohnbereiche. Mittelfristig sei ein weiteres Wohngebäude denkbar.

Bürgermeister Klaus Meixner hält sich mit einer Beurteilung dieses Projekts auf Nachfrage zurück: „Noch ist nichts entschieden. Das Verfahren läuft noch.“ Am Ziel, die Traditionswirtschaft nebst Gästezimmern mithilfe einer Brauerei wiederzubeleben, habe sich nichts geändert. Der Zeitplan sei offen.

ddy

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