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Wird bald nicht mehr von ihm geschossen: Hirsch und Martin Weinzierl.

jagdgenossenschaft irschenberg I

Vergabe-Posse: Landkreis-Oberjäger bald ohne eigenes Revier?

Bei der Vergabe ihrer Reviere stößt die Jagdgenossenschaft Irschenberg I auf ungeahnte Probleme. Pikant: Am Ende könnte ausgerechnet Martin Weinzierl sein Revier verlieren.

Irschenberg – Seit mehr als 60 Jahren hat die Familie Weinzierl eines der fünf Reviere der Jagdgenossenschaft Irschenberg I gepachtet, was eigentlich auf ein gutes Verhältnis von Grundbesitzern und Jagdpächtern hindeutet. Doch in diesem Verhältnis gibt es offensichtlich Spannungen. Im Ergebnis droht ausgerechnet der Kreisvorsitzende des Bayerischen Jagdverbands ohne Revier dazustehen. So hat es die Jagdgenossenschaft im März beschlossen, wie unserer Zeitung bestätigt wurde. Doch die Entscheidung steht auf rechtlich tönernen Füßen und muss wiederholt werden.

Eigentlich sollte zum 1. April dieses Jahres klar sein, wer in den Revieren der Jagdgenossenschaft Irschenberg I das Jagdrecht ausübt – und somit zum Beispiel auch verantwortlich ist, dass der Abschuss den Vorgaben entspricht. Im November hatten die Grundeigentümer zunächst beschlossen, die Reviere nicht mehr zu verpachten, sondern in Eigenbewirtschaftung zu nutzen. Die Verantwortung liegt in diesem Fall bei der Jagdgenossenschaft, speziell dessen Vorstand. Die Jagd selbst kann derweil ein angestellter Jäger übernehmen. Solche hatte die Genossenschaft per Zeitungsanzeige gesucht. Offenbar waren die Grundeigentümer bei der November-Versammlung aber von falschen Voraussetzungen ausgegangen. Im Februar jedenfalls kippten sie die Entscheidung „wegen Änderung der Sachlage“. Im Ergebnis sollte wieder verpachtet werden und die Entscheidung im März fallen. Bei dieser Versammlung aber wurde über einen Tagesordnungspunkt abgestimmt, der zuvor nicht angekündigt war – nämlich darüber, ob die Reviere auch an zwei gleichberechtigte Jagdpächter vergeben werden können. Dies schloss die Versammlung aus, womit unter anderem Martin Weinzierl, der sich zusammen mit einem weiteren Jagdschein-Inhaber für das Revier beworben hatte, aus dem Spiel war.

Jetzt wurde die Untere Jagdbehörde am Landratsamt, die automatisch über die Ergebnisse der Versammlungen informiert wird, aktiv. Es folgte die rechtsaufsichtliche Beanstandung des nicht angekündigten Beschlusses. Weitere formale Schritte der Kreisbehörde – außer der ständigen beratenden Begleitung, die schon seit einigen Wochen währt – waren bislang nicht notwendig gewesen, weil der Jagdvorstand in Irschenberg selbst aktiv wurde und eine weitere Versammlung einberief. Diese findet nun am Sonntag, 15. April, statt. Auf der Tagesordnung stehen die Rücknahme der beanstandeten Beschlüsse sowie die Vergabe.

Vier Versammlungen, bis – hoffentlich – die Jagdreviere neu vergeben sind. Mehr als ungewöhnlich. Franz Kirchberger, Jagdvorsteher der Genossenschaft, möchte sich zu der Causa nicht äußern – auch weil die Versammlungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden. Das ist am Sonntag anders. Der Termin ist zunächst einmal als öffentlich deklariert, selbst wenn dies laut Landratsamt für einzelne Punkte noch geändert werden kann – etwa für die Vergabe.

Auch Weinzierl, der dem Vernehmen nach über das Gezerre mächtig angefressen ist, möchte im Vorfeld der Versammlung keine öffentliche Stellungnahme abgeben. Er sagt nur, dass er sehr enttäuscht wäre, sein Revier, in dem er auch wohnt, zu verlieren. Derweil ist der BJV-Kreisvorsitzende nicht der einzige Betroffene. Von den fünf Vergabe-Entscheidungen im März müssen am Sonntag vier wiederholt werden. Bei dieser Auseinandersetzung scheint eine Fortsetzung alles andere als ausgeschlossen.

Daniel Krehl

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