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Mangelware Atemschutzträger: Der Irschenberger Feuerwehr fehlt tagsüber die geforderte Personalstärke, weil zu viele Aktive nicht mehr am Ort arbeiten.

“Ich kann da nicht wegschauen“

Veto gegen Kindergarten - wegen zu wenig Feuerwehrlern

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Der Kreisbrandrat legt sein Veto für einen neuen Kindergarten ein. Der Grund: Zu wenig Feuerwehrler könnten im Ernstfall helfen. Eine Lösung gibt‘s kaum, auch wegen der A8.

Irschenberg - Es ist nicht das erste Feuer, das an einer Stelle ausbricht, wo man es nicht erwartet. Bei seiner Stellungnahme für das feuertechnische Gutachten zum abwehrenden Brandschutz hat Kreisbrandrat Anton Riblinger den Anbau an den bestehenden Caritas-Kindergarten in Irschenberg abgelehnt. Dies berichtete Bürgermeister Hans Schönauer (Freie Wähler Niklasreuth) am Montagabend dem Gemeinderat. In der Folge zögerte das Landratsamt bei der Erteilung der Baugenehmigung.

Der Grund sind nicht etwa bauliche Mängel, die der oberste Feuerwehrmann im Landkreis beanstandet, sondern eine Unterbesetzung bei der Feuerwehr: Tagsüber sind oft nur ein bis zwei Atemschutzträger vor Ort, die es schaffen, innerhalb der vorgeschriebenen Zeit von zehn Minuten am Einsatzort zu sein. Damit sei die Feuerwehr nicht einsatzfähig. Benötigt werden mindestens vier Atemschutzträger für zwei Zweiergruppen: einen Angriffstrupp und einen zur Sicherung.

Es ist ein Problem, das sich seit Jahren abzeichnet, bestätigte Irschenbergs Kommandant Tom Niggl (CSU) seinen Ratskollegen: „Es werden immer weniger Einsatzkräfte, weil viele nicht mehr am Ort arbeiten.“ Und nicht jeder Aktive sei für den Atemschutz geeignet. Für Schönauer eine ungute Situation: „Die Gemeinde stellt für viel Geld das Gerät bereit, doch was nützt das ohne Leute.“ Früher sei das anders gewesen, sinnierte der Bürgermeister. Da wären die Bauern mit ausgerückt. Heute sei die Bereitschaft aber gering.

Bereits 2015 gab es ein Gespräch zwischen Gemeinde, Feuerwehr und Kreisbranddirektion mit der Aufforderung, der Entwicklung entgegenzuwirken. Man hat einige Leute gezielt angesprochen, geändert hat sich jedoch nichts. Dabei gäbe es einige Möglichkeiten, wie Riblinger auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt: Gemeindemitarbeiter vom Bauhof könnten für den Dienst tagsüber verpflichtet werden. Dies könne man als Voraussetzung für Neueinstellungen formulieren. Zudem könne die Gemeinde ortsansässige Firmen fragen, ob deren Mitarbeiter tagsüber die Feuerwehr unterstützen könnten. Geschehen ist dies bislang nicht.

„Wir kennen ja die Einsatzzeiten der Feuerwehr“, sagt Riblinger. Es sei schon seit längerer Zeit auffällig, dass die Vorgaben nicht mehr eingehalten werden. Deshalb habe die Feuerwehr Irschenberg auch die Kollegen aus Au (Kreis Rosenheim) an die Autobahn-Alarmierung drangehängt – zur Unterstützung. Dies wäre auch bei der verbleibenden Alarmierung außerhalb der A8 eine schnelle Lösung – „aber nur vorübergehend“, betont der Kreisbrandrat. „Auf Dauer muss Irschenberg das selbst lösen.“ Die übrigen Feuerwehren kämen mit dem Problem ja auch zurecht. Über seine Ablehnung beim Kindergarten sagt er: „Ich kann da nicht wegschauen und eine positive Stellungnahme abgeben. Da steht ja mein Name drunter.“

Die Gemeinde will nun tätig werden: Betriebe anschreiben und die Bürger über die Gemeindenachrichten zum Feuerwehrdienst aufrufen. Einen Zwang für Bauhofmitarbeiter lehnen Bürgermeister und Kommandant aber als nicht erfolgversprechend ab.

Die Ratsmitglieder hatten indes wenig Verständnis für Riblingers Vorgehen – sie fühlten sich unter Druck gesetzt. „Das gehört nicht zum Kindergarten. So gesehen können wir auch die Schule zusperren“, stellte Zweiter Bürgermeister Klaus Meixner (CSU) fest. Er monierte zudem die mit zehn Minuten zu knappe Einsatzfrist – 15 Minuten wären angemessener. Insgesamt seien die Anforderungen zu aufwendig. Und Niggl ergänzte: „Viele sagen: Wir helfen gerne, aber wir wollen nicht dreimal pro Woche auf der Autobahn stehen.“

Zwischen 200 und 250 Einsätze verzeichne seine Wehr pro Jahr, viele mit schlimmen Unfällen. „Auch das schreckt einige ab.“ Die Jugendfeuerwehr sei aktuell so stark wie nie besetzt, aber es brauche noch Jahre, bis der Nachwuchs zum Einsatz mitdarf. Aktuell habe man 25 Stammkräfte bei 51 Aktiven. Für Schönauer ist das große Problem die A8, die zu Irschenbergs Pflichtaufgaben gehört: „Sie beschert uns Mehraufwand, den uns der Freistaat nicht ersetzt.“

Doch was passiert, wenn die Einsatzstärke nicht besser wird? „Gemeinde und Kommandant stehen in der Pflicht“, sagt Riblinger. Der letzte Ausweg wären Zwangsverpflichtungen. „Aber das wäre der GAU, den wir nicht wollen.“

Immerhin, eine gute Nachricht gibt es: Der Kindergarten darf nach Gesprächen mit dem Landratsamt gebaut werden – weil Miesbachs Feuerwehr bei Bränden mitalarmiert wird.

ddy

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