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Alle helfen mit: Die frisch gebackene Niklasreuther Wirtsfamilie Bucher mit ab (2.v.l.) Klausi, Elisabeth, Alois jun., Maria, Franzi, Anneliese und Alois sowie mit Koch Erwin Leitner (l.). 

Nach sieben Jahren Leerstand

Vom Landwirt zum Dorfwirt: Eine Reider Familie packt an

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Sieben Jahre mussten die Niklasreuther ohne Dorfwirt auskommen. Seit April können sie nun wieder im Ort einkehren. Die benachbarte Landwirtsfamilie hat den Gasthof übernommen.

Niklasreuth – Drei Jahre war der Ofen bereits aus, als Alois Bucher sich ein Herz fasste. 2014 kaufte er als Nachbar die leer stehende Niklasreuther Dorfwirtschaft. Wobei er es da nicht unbedingt auf Küche und Stube abgesehen hatte. Eher auf die Flächen drumherum. „Die haben gut zu meinem Betrieb gepasst“, sagt der Landwirt. Und doch war es auch ein Stück weit eine Bauchentscheidung. Schon als 15-Jähriger kehrte Bucher nach dem Ministrieren in der Kirche zum Frühschoppen beim Dorfwirt ein.

Das war in den sieben vergangenen Jahren nicht mehr möglich. Nicht, weil Bucher über das Ministrantenalter hinausgewachsen war. Sondern, weil Niklasreuth keinen Wirt mehr hatte. Nach dem Tod des damaligen Betreibers im Jahr 2011 habe sich niemand mehr für den Platz am Herd begeistern können. Vereinsveranstaltungen oder größere Familienfeste habe man ins Gemeinschaftshaus ausgelagert. „Eher stiefmütterlich“, findet Bucher. Wohl auch deshalb entschied er sich deshalb mit seiner Frau Anneliese, den Gasthof wieder aufzusperren – als Familienunternehmen und wohlgemerkt ohne gastronomische Vorgeschichte.

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Vor drei Jahren erfolgte der erste Schritt. Anneliese Bucher, die den Gastronomiebetrieb hochoffiziell von ihrem Mann gepachtet hat, beantragte eine Schankkonzession für ihren Wirt. So konnte sie die Feiern und Veranstaltungen in ihren eigenen Räumlichkeiten abhalten. Das Essen allerdings bestellte sie bei Gasthäusern in den Nachbargemeinden.

Doch das war nur der Anfang. Parallel bereitete sich die Wirtin und eine ihrer Töchter bei IHK-Kursen auf die vollständige Wiedereröffnung der Dorfwirtschaft vor. Als dann auch die für die Vollkonzession erforderlichen Umbauten – vor allem in der Küche – erfolgt waren, war der große Tag gekommen. Im April dieses Jahres war „da Wirth vo Reid“ wieder da. „Der Wirth“, so lautet auch der schlichte Name des Traditionsgasthofs. Geöffnet hat er immer von Donnerstag bis Sonntag.

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Als Koch engagierten die Buchers einen bekannten Namen. Erwin Leitner, der vor allem vielen Schlierseern noch ein Begriff sein dürfte. Dort hatte der Haushamer fünf Jahre lang als Gastronom gewirkt, unter anderem im Weihenstephaner im Bahnhofs-Palais und im Charivari in der Vitalwelt. 2015 entschied er sich dann, sich wieder voll auf seinen Biergarten und sein Restaurant in Berlin zu konzentrieren. Jetzt ist Leitner plötzlich wieder da – allerdings „nur“ als Koch und nicht mehr als Wirt.

Eine bewusste Entscheidung, versichert er. „Ich wollte ohnehin ein bisschen kürzertreten.“ Nach langen Jahren der Selbstständigkeit inklusive Personalverantwortung könne er sich nun rein aufs Kochen konzentrieren. Die Buchers hat Leitner über den Niklasreuther Pfarrer Michael Nagel kennengelernt. Er habe damals für dessen Geburtstagsfeier gekocht.

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Beim Wirth tischt Leitner neben gutbürgerlicher Klassiker wie Krustenschweinebraten und Obazda auch exklusivere Gerichte wie „Postelein mit Buttermilchreis und Balsamicozwiebeln“ oder Blutwurstravioli auf der Speisekarte. „Er zaubert gut“, lobt Alois Bucher. Auch sonst ist die Familie mit ihren ersten Monaten in der Gastronomie zufrieden. Zum großen Geldverdienen reicht es zwar noch nicht, aber das streben die Buchers auch gar nicht an. „Als Dorfwirt braucht man Idealismus“, sagt Alois Bucher.

Zu Stoßzeiten, wenn alle 90 Plätze im Gastraum und 25 im Stüberl besetzt sind, engagieren sie Aushilfen für Küche und Service. Ansonsten helfen aber auch die fünf Kinder der Buchers im Alter von zwölf bis 24 Jahren mit. Und auch für die Nachfolge von Mama Anneliese ist schon gesorgt, wie Alois Bucher schmunzelnd berichtet. Sein jüngster Sohn Franzi (12) habe ihm versichert, er wolle auf jeden Fall Wirt werden. „Und Ziach spielt er auch schon.“

sg

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