Franz Richter ist Inhaber der Firma Dinzler in Irschenberg.
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Franz Richter ist Inhaber der Firma Dinzler in Irschenberg.

Franz Richter sieht Versprechen der Politik als nicht erfüllt

Von wegen schnell und unbürokratisch: Dinzler-Chef empört über ausbleibende Corona-Hilfe

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Von einer echten Umsatzentschädigung kann die Kaffeerösterei Dinzler in Irschenberg auch im dritten Lockdown-Monat nur träumen. Chef Franz Richter ist sauer auf die Politik.

Irschenberg – Von einer echten Umsatzentschädigung kann die Kaffeerösterei Dinzler in Irschenberg auch im dritten Lockdown-Monat nur träumen. 10 000 Euro beträgt die Abschlagszahlung, die das Unternehmen bislang erhalten hat – wohlgemerkt für die Novemberhilfe. „Das reicht nicht mal, um unsere Stromrechnung zu bezahlen“, sagt Personalleiterin Heike Richter auf Nachfrage unserer Zeitung. Geschweige denn, um die Kredite für den erst 2018 eröffneten Neubau „Otto“ zu tilgen.

Auch Dinzler-Inhaber Franz Richter findet in einer schriftlichen Stellungnahme deutliche Worte in Richtung Politik: Gönnerhaft habe diese angekündigt, den vom Lockdown betroffenen Gastronomen und Hoteliers würde schnell und unbürokratisch geholfen, schreibt Richter. Stand jetzt zeige sich jedoch eine „schockierende Diskrepanz zwischen Versprechungen und Realität“.

Richter spricht dabei längst nicht nur für sein eigenes Unternehmen. Aus einem Faktenblatt der IHK für München und Oberbayern hat er entnommen, dass diese und andere Bewilligungsstellen die gestellten Anträge nicht bearbeiten können, weil das dafür benötigte IT-System vom Bund nicht bereitgestellt worden sei. Ferner hätten etliche Unternehmen und Selbstständige aufgrund der „automatisierten Plausibilitätsprüfung und verdachtsunabhängigen Stichprobe“ noch keine Abschlags- oder Direktzahlung erhalten. Die drastische Konsequenz: „Die betroffenen Unternehmer können nur abwarten und ihr Mitnahmegeschäft betreiben und haben hoffentlich genügend Reserven aufgebaut, um ihre Fixkosten und weitere Aufwendungen bedienen zu können“, schreibt Richter. Trotz Kurzarbeit müssten die Gehälter der Mitarbeiter vorfinanziert werden, was viele Firmen bei ausbleibenden Umsätzen überfordere.

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Noch ein weiteres Problem würde von der Politik nicht ausreichend kommuniziert. Die Unterstützungszahlungen seien auf einen Höchstbetrag von 800 000 Euro pro Jahr gedeckelt. Viel zu wenig für große Betriebe, mahnt Richter. Bei ihnen würde die kolportierten 75 Prozent Erstattung schnell auf einen „minimalen Bruchteil“ schrumpfen, der nicht mal ansatzweise den entgangenen Umsatz abbilde.

Fast ein bisschen neidisch wird der Dinzler-Inhaber hingegen bei einem Blick über die Grenze. In Österreich seien die Ausgleichszahlungen bereits zum großen Teil bearbeitet und an die Unternehmen überwiesen, weiß Richter. Obendrein würden die Zahlungen dort nicht gönnerhaft als „Hilfen“, sondern der Ursache nach „Umsatzersatz“ genannt.

Hierzulande vermag Richter noch kein Licht am Ende des Lockdown-Tunnels erkennen. Laut Heike Richter ist Dinzler gleich doppelt von der Krise betroffen. Denn nicht nur das Restaurant-, sondern auch das Röstereigeschäft sei eingebrochen. Kein Wunder: „Unsere Kaffeeabnehmer stammen in erster Linie aus der Gastronomie und Hotellerie.“

IHK wartet auf funktionsfähige Software vom Bund

Die Statistiken der IHK für München und Oberbayern bestätigen die Beobachtung des Dinzler-Chefs. So wurden bayernweit bis dato nur 62,1 Prozent der in Form von Direktanträgen beantragten 24,3 Millionen Euro an Novemberhilfen ausbezahlt, bei den Anträgen über Steuerberater waren es gar nur 26,4 Prozent an Abschlagszahlungen vom beantragten Fördervolumen in Höhe von 784,5 Millionen Euro. Grund für die Verzögerungen ist laut IHK die noch nicht funktionsfähige Software, mit der die Anträge geprüft werden. Nach Auskunft des IT-Dienstleisters des Bundes werde die Bearbeitungsplattform aber an diesem Sonntagabend fertig programmiert sein. Erst dann könnten die IHK und die 15 anderen Bewilligungsstellen der Bundesländer mit der Prüfung beginnen. Die bereits ausgezahlten Abschläge seien direkt vom Bund und damit ohne Prüfung durchgeführt worden, erklärt die IHK. Welchen Weg ein Antrag nimmt, entscheide sich durch die Vorgaben des Bundeswirtschaftsministeriums, die sowohl eine Stichprobe als auch eine automatisierte Vorabprüfung mancher Anträge vorsehen. Noch drastischer sind die Auswirkungen auf die Dezemberhilfen sowie auf die Überbrückungshilfe III. Für erstere soll die Antragsbearbeitung nach Aussagen des IT-Dienstleisters frühestens am 1. Februar möglich sein, für zweitere gar erst im März. Für die IHK ist der Zeitdruck groß: „Unser Ziel ist es, dass jeder Betrieb, dem eine Hilfe zusteht, sein Geld so schnell wie möglich bekommt. Die unschuldig in Not geratenen Unternehmen warten zu Recht auf die ihnen zustehende und versprochene Unterstützung.“

sg

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