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Jede Menge Glückwünsche: Sein dreistelliges Alter bescherte Ernst Reich viele Gratulanten – darunter Bürgermeister Hans Schönauer und die Niklasreuther Musi.

Ernst Reich aus Niklasreuth

Der Hundertjährige, der Urlaub nahm und nicht wiederkam

Irschenberg - Ernst Reich aus Niklasreuth feiert seinen 100. Geburtstag. Überaus klar erinnert er sich an die besonderen Erlebnisse in seinem langen Leben

Bevor Ernst Reich anfängt, aus seinem Leben zu erzählen, holt er noch sein Hörgerät. Andere Unterstützung braucht der 100-jährige Niklasreuther nicht – schon gar nicht beim Erinnern. Jahreszahlen und Situationen aus der Vergangenheit hat er parat, als wäre es gestern gewesen.

Vor ein paar Tagen feierte Reich seinen 100. Geburtstag. Ein regelrechter Feiermarathon stand dem Jubilar bevor. „Der Bürgermeister hat gesagt, ich bin der Dritte“, erzählt Reich. Dass nicht jeder ein so hohes Alter erreicht, ist dem Niklasreuther bewusst. „Die Leute werden älter. Früher hatten sie ja auch gar nicht genügend Essen“, sagt er. Und derweil hatte auch er es alles andere als leicht in seinem Leben.

Angefangen hat seine Geschichte vor 100 Jahren in München. Von seiner Mutter ist nur der Nachname geblieben, der Vorname ist der Familie nicht bekannt. „Sie hat in die Zeitung gesetzt, dass sie ihn herschenken will“, erzählt Reichs Tochter, Katharina Gumberger. Traurige Annoncen wie diese kamen zu Zeiten des Ersten Weltkrieges immer mal wieder vor.

Doch der heute 100-Jährige hatte Glück: Eine Frau aus Lengendorf (Gemeinde Bad Feilnbach) hatte gerade ihr eigenes Kind verloren und dieses Geschenk dankend angenommen. Später gebar sie acht Kinder, drei von Ernst Reichs Adoptivgeschwistern leben heute noch. Nach Niklasreuth führte ihn die Liebe. „Im März 1946 hat er meine Mama geheiratet“, sagt Gumberger. „An dem Tag hatte es richtig viel Schnee“, erinnert sich der 100-Jährige.

Zu einer Hochzeit wäre es aber beinahe nicht gekommen. Als 20-Jähriger musste Reich für neun Jahre in den Krieg. „Das ist eine lange Zeit und am Ende kriegst du nichts dafür, keine Rente“, sagt er kopfschüttelnd. „Aber wir haben uns durchgeschlagen.“ In Serbien wurde Reich schlimm getroffen. „Im Oktober 1944 wurde ich von einem Scharfschützen verwundet“, erzählt er. Ein Treffer nahe des Herzens. In einem Lazarett wurde Reich versorgt und hätte im März 1945 weiterkämpfen sollen. „Ich habe dann geschafft, dass ich noch Urlaub nehmen darf“, erinnert er sich. Aus diesem sei er dann einfach nie wieder zurückgekehrt.

Bis zur Rente vor 35 Jahren war Reich als Lastwagenfahrer selbstständig. Er transportierte Kies und war am Bau des Sylvensteinspeichers beteiligt. An freien Tagen half er der Familien in der Bäckerei und bei der Landwirtschaft. „Arbeiten im Wald war seine Lieblingsbeschäftigung“, erzählt Tochter Katharina. Das hat Reich auch als Rentner noch gerne getan „Wir haben ja Holz gebraucht“, erzählt er.

Zu seinen Nachkommen zählt der 100-Jährige eine zweite Tochter – Annelies. In deren Bäckerei hat Reich auch immer wieder ausgeholfen. Er bedauert, dass es heutzutage kaum noch kleine Bäckerstuben gibt, nur noch große Betriebe. Seine Gene tragen neben seinen Töchtern noch fünf Enkel und sieben Urenkel. „Ich freue mich am meisten, wenn die Kinder alle da sind“, erzählt Reich. Dann muss der 100-Jährige auch schon los. Die nächsten Geburtstagsgäste haben sich bereits angekündigt.

Nina Probst

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