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Start ab: Kaum haben die Helfer ihre Flaggen gesenkt, stürmen die Pferde auf die erste Kurve zu. Die Fahrer auf dem Schlitten achten darauf, dass ihre Rösser nicht zu galoppieren beginnen. Bei den Gespann-Rennen in Parsberg ist nur Traben erlaubt.

Jubiläum in Parsberg

So schön war's: Pferdeschlittenrennen der "Rossdamischen"  

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Parsberg - Es begann mit einer Stammtisch-Idee: Zwölf „Rossdamische“ richteten 1965 das erste Parsberger Pferdeschlittenrennen aus. Am Sonntag hat der Verein sein 50-jähriges Bestehen gefeiert.

Lenz Eckl hat seine Paula im Griff. Mit stoischer Ruhe lenkt der Parsberger die braune Oberländer Kaltblut-Stute in die erste Kurve. Paulas heißer Atem dampft in der Frostluft, ihre Hufe stampfen gleichmäßig in den frischen Schnee. „Zurücknehmen“, wie die Rosserer das Einbremsen des im Rennen verbotenen Galopps nennen, braucht Eckl kaum: Paula bleibt brav im Trab. Die Ruhe des Fahrers überträgt sich auf sein Pferd. Eckl hält souverän die Innenbahn, das spart Paula gut 30 Meter Weg. „Der Lenz kann es halt immer noch“, kommentiert Ansager Florian Maier.

Wen wundert’s: Mehr Erfahrung bringt keiner der 87 gemeldeten Fahrer beim 24. Parsberger Pferdeschlittenrennen mit. Eckl ist ein Gründungsmitglied des Rennvereins der Pferdefreunde Parsberg. Gestern haben die Pferdefreunde nun mit einem Jubiläumsrennen ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert. Auch Miesbachs Bürgermeisterin Ingrid Pongratz schaute in ihrem „schönsten Ortsteil“ vorbei. Und viel hat sich eigentlich nicht verändert seit 1965. Bei Eckl sogar nur das Pferd. Der Holzschlitten, den die sechsjährige Paula zieht, ist mehr als 100 Jahre alt, ihr Fahrer 68. Auch die Bedingungen sind so wie beim ersten Rennen, sagt Eckls Bruder Georg, von 1972 bis 2003 Vorsitzender des Rennvereins. „Allerdings hatten wir damals ein bisschen mehr Schnee“.

Heuer war es eine Zitterpartie – mit gutem Ausgang. Gleich in der Früh rückten fünf Traktoren mit ihren Walzen aus und planierten den Neuschnee auf die 480 Meter lange Bahn. Einziges Problem: Trainieren konnten die Oberländer- und Haflinger-Gespanne sowie die Pony-Reiter und Skijörer nicht. „Aber immer noch besser, wie wenn es in der Früh reinregnet“, sagt Georg Eckl. So habe man das Rennen schon einige Male kurzfristig verschieben müssen, weil sich die Bahn über Nacht in eine Matsch- oder Eispiste verwandelt habe. „Das ist eigentlich immer das Schlimmste“, meint Eckl. Auch, weil einige Teilnehmer bis von Rosenheim, Erding oder Bad Tölz aus anreisen. Bis zu 140 Rosserer waren in starken Jahren am Start.

Dabei hat alles mit einer Stammtisch-Idee angefangen. Zwölf „rossdamische“ Parsberger träumten davon, die legendären Pferdeschlittenrennen, die der Trabrennverein Miesbach ab der zweiten Häfte des 19. Jahrhunderts bis in die 1920er Jahre hinein auf einer Wiese im heutigen Gewerbegebiet Ost veranstaltete, wieder zu beleben. 1965 machten sie ernst. „Jeder hat zwischen zwanzig und hundert Mark Einsatz gezahlt“, erzählt Eckl.

Aus der mutigen Idee wurde ein Pflichttermin, der seitdem alle zwei Jahre Rosserer und Zuschauer nach Parsberg zieht. „Früher sind die Fahrer bis von Hundham her auf dem Schlitten hergefahren“, erzählt Eckl. Heute greifen – bis auf die Parsberger – alle auf Auto und Anhänger zurück. Auch sonst wurde vieles professioneller. Von 1993 bis 2003 schrieb der Rennverein sogar ein C-Bahn-Rennen für Amateurfahrer aus. Wegen der aufwändigen Organisation ließ man das aber wieder bleiben. Und statt hinter einem Startauto formiert sich das Feld seitdem wieder unter den Augen von zwei Starthelfern, die das Rennen mit der Flagge freigeben.

Eine andere Neuerung aus dem Jahr 1972 hat hingegen bis heute ihren festen Platz im Programm: das Skijöring. Die waghalsige Kombination aus Reit- und Brettlsport haben sich die Pferdefreunde 1972 in St. Moritz abgeschaut. Und auch wenn heuer nur zwei Gespanne am Start waren: Das spektakuläre Kopf-an-Kopf-Rennen, das Reiter Johannes Kirchberger auf Summersby und Skifahrer Michael Gartmaier erst auf der Ziellinie für sich entscheiden, quittieren die Zuschauer mit lautstarken Anfeuerungsrufen.

Auch die Schaurennen der Traber mit ihren schnellen Metallschlitten und die Artisten der „Ungarischen Post“, die auf dem Rücken ihrer Pferde stehend über die Bahn reiten, ernten Applaus. Die Ponys, die mit fliegenden Mähnen über die schneebedeckte Wiese rannten, versetzen vor allem die kleinen Zuschauer in Verzückung. Ganz so spektakulär geht es beim Oberländer Schlittenrennen dann doch nicht zu. Favorit Florian Heiß setzt sich mit seiner „Herrin“ schon früh an die Spitze und überquerte mit großem Abstand die Ziellinie.

Lenz Eckl und Paula lassen sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen. Gelassen trabt die Stute ins Ziel – auf einem respektablen dritten Platz. Auch wenn sein erstes Rennen schon 50 Jahre zurückliegt: Der Lenz kann es eben immer noch.

Hier gibt's die Bilder zum 24. Parsberger Pferdeschlittenrennen

Bilder vom Pferdeschlittenrennen in Parsberg

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