Christian Probst: Streetworker in Holzkirchen

Das gab's noch nie: Katerstimmung nach illegaler Party

Landkreis - Die illegale Party von 60 Jugendlichen in Miesbach am Wochenende hinterlässt Katerstimmung. Den Jugendlichen fehlen feste Treffpunkte, konkrete Lösungen gestalten sich aber schwierig.

Simone Huber: Sozialpädagogin in Miesbach

„Veranstaltungen in dieser Form und Größe sowie in Eigeninitiative haben wir noch nie gehabt“, sagt Walter Stumbeck, stellvertretender Dienststellenleiter der Miesbacher Polizei, über die Feier. Dabei haben die Beamten reichlich Erfahrungen mit jungen Leuten, die sich draußen treffen und herumhängen. Mangels Alternativen.

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Da kam die Party in der Fußgänger-Unterführung in Straß gerade recht. „Da es in Miesbach nicht so viel gibt, dachte ich mir, das ist eine super Idee, und bin mit Freunden hingegangen“, sagt ein Miesbacher. Von der Feier hatte der 18-Jährige via Facebook erfahren. „Schade, dass es so ausgeartet ist.“ Doch als die Polizei kam, seien alle enttäuscht und wütend gewesen, dass die Party vorbei war. „Wir haben nur den Frust rausgelassen und geschrien.“

Verägert ist auch Erhard Pohl. „Ich finde es schade, dass ich Dinge, die nicht rund laufen, aus der Zeitung erfahre“, sagt der Jugendreferent von Miesbach. „Der Jugendreferent sollte die erste Anlaufstelle sein, wenn es Probleme gibt.“ Zudem sei die Party-Aktion der falsche Weg gewesen, um auf Sorgen und Wünsche hinzuweisen. Pohl ärgert das vor allem, weil die Stadt dafür alljährlich eine Jugendbürgerversammlung veranstaltet, zu der aber immer nur eine Handvoll Jugendlicher komme. „Nur zu fordern, das ist zu wenig“, sagt Pohl. „Man muss miteinander reden“. Das sei der Anspruch an die Jugendlichen, um sie erfolgreich zu fördern.

Dabei ist die Unzufriedenheit nicht neu: „Dass sich die Jugend in Miesbach Gehör verschafft, ist schon länger so, weil es nicht viele Angebote gibt“, sagt Sozialpädagogin Simone Huber vom Miesbacher Freizeit- und Kulturkeller (FuKK). Doch auch der Treff ist für viele keine Alternative. „Der FuKK hat nur bis 1 Uhr auf, die Jugendlichen sind sehr jung, und es gibt Betreuer“, so der Miesbacher (18). Die Bars und die Disko in der Kreisstadt seien jedoch zu teuer. Huber ergänzt: „Viele wissen gar nicht, dass man im FuKK auch Privatpartys anmelden kann.“ Die Mitarbeiter wollen daher an Schulen ihr Angebot vorstellen.

Für selbstverwaltete Jugendräume plädiert hingegen die Eigeninitiative Miesbach. „Die Jugendräume wären die Lösung“, glaubt deren Sprecher, ein 23-jähriger Miesbacher. Seit November engagieren sich etwa 20 Personen für einen anderen Ansatz: „Es soll keinen Betreuer im klassischen Sinn geben.“ Der Verein hat auch schon ein geeignetes Haus in der Tölzer Straße im Blick, wo Bandproben, Theateraufführungen und Treffs ihren festen Platz hätten. Selbstverwaltete Jugendräume sieht Huber kritisch: „Meist läuft es anfangs ganz gut, dann aber gerät es aus dem Ruder.“ Pohl ergänzt: „Ganz ohne Spielregeln geht es nicht.“ Das Vorhaben kann er sich nur mit einem Ansprechpartner vorstellen.

Jugendliche ohne festen Platz sind laut Huber aber „kein Miesbach typisches Phänomen“. In Holzkirchen trifft sich die Jugend meist im Herdergarten. Eine Disko fehlt, das örtliche Jugendzentrum und Vereine sind nur wenig attraktiv. „Herumhängende Jugendliche hat es schon immer gegeben“, sagt der Holzkirchner Streetworker Christian Probst. Der Unterschied zu früher: die neuen Medien. „Durch das mediale Zusammenwachsen wie Facebook entsteht etwas Spontanes, und das kann ganz schnell ausufern. Die Konsequenzen sind den Jugendlichen oft nicht klar“, sagt Probst. Doch man dürfe die Jugendlichen mit ihrer Orientierungslosigkeit und ihrem Frust nicht allein lassen. Sein Lösungsvorschlag: Streetwork oder andere soziale Dienste. Er schränkt aber ein: „Man erreicht nicht alle.“

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