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Dem Opfer war bei diesem Unfall am 23. Dezember nicht mehr zu helfen. Hier tritt das KID-Team für angehörige und Helfer in Aktion.

Raum für den Schmerz

KID-Team im Landkreis: Warum es so wichtig ist - und wie Sie helfen können

Ihre Spende für unsere Aktion „Leser helfen Lesern“ geht dieses Jahr an das Kriseninterventionsteam. Das kommt, wenn alle Hilfe zu spät ist, und ist doch lebenswichtig für Angehörige und Helfer.

Miesbach – Es war ein schöner Tag, die Enkelkinder kamen zu Besuch. Am Abend bricht der Ehemann vor den Augen seiner Frau im Garten zusammen. Der Rettungsdienst kann nur noch Herzstillstand feststellen. Die Helfer müssen wieder gehen und lassen einen Menschen zurück, der das Unfassbare begreifen muss. Hier setzt die Arbeit des Kriseninterventionsdienstes im Landkreis an. Die 20 ehrenamtlichen Mitarbeiter kommen, wenn Rettungsdienst, Polizei und Feuerwehr wieder fahren. „Wir sind das Netz, das auffängt, wenn es den Angehörigen den Boden unter den Füßen wegreißt“, sagt KID-Fachdienstleiter Martin Hauder.

Seit 17 Jahren gibt es den Kriseninterventionsdienst, zu rund 70 Einsätzen wird er jährlich gerufen. Die Mitarbeiter kümmern sich um Angehörige und Augenzeugen. Und das oft direkt vor Ort, wenn die Unfallstelle noch aufgeräumt wird, oder die Polizei Daten zur Todesursache aufnimmt. Ein Problem dabei: „Es gibt oft keinen Rückzugsort, an dem in Ruhe geredet werden kann“, sagt Hauder. Die Lösung wäre ein Einsatzfahrzeug, das im Innenraum gegenüberliegende Sitze eingebaut hat, die Raum bieten für Gespräche. Doch dafür fehlt dem Verein das Geld. Die KID-Mitarbeiter fahren derzeit mit ihren Privatautos zu den Einsätzen.

Unterstützung im Notfall: (v.l.) die Fördervereinsvorsitzenden Jens Zangenfeind, Ernst Albert, Elfie von Khreninger und KID-Vorsitzender Martin Hauder.

Auf das Problem des Kriseninterventionsdienstes sind die drei Fördervereine für Notfallmedizin im Landkreis aufmerksam geworden. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die notärztliche Versorgung mit Mitteln zu unterstützen, die von staatlicher Seite nicht finanziert werden. Gemeinsam wollen sie ein rund 40.000 Euro teures Einsatzfahrzeug für den Kriseninterventionsdienst anschaffen. Dabei sind sie auf Spenden angewiesen.

Wo kann ich spenden? Hier gibt‘s alle Infos zu unserer Aktion und unser Spendenkonto.

„Im Gesundheitswesen wird gespart“, sagt Jens Zangenfeind, Bürgermeister von Hausham und Vorsitzender des Fördervereins Notarztgruppe Schlierach-Leitzachtal. Die Rettungsdienste sind mit dem Nötigsten ausgestattet. Für spezielles Equipment, das zum Beispiel an örtliche Begebenheiten angepasst ist, fehle das Geld.

Lesen Sie auch, was passierte, als es noch kein KID-Team gab: Wenn Helfer selber Hilfe brauchen - wie ein Feuerwehrmann an PTBS erkrankt und keiner hilft.

So kam es, dass vor fast 30 Jahren der Gmunder Arzt Hans Pawlak den ersten Förderverein für Notfallmedizin ins Leben rief. „1988 war ein harter Winter“, erzählt Ernst Albert, Vorsitzender des Fördervereins Notarztgruppe Tegernseer Tal. Die Notärzte kämpften sich mit Fahrzeugen ohne Allrad durch Schnee und Eis. „Dabei zählt jede Sekunde“, so Albert. Pawlak sorgte für eine Lösung: Mit 14 Fördermitgliedern gründete er den Verein. Sie sammelten Geld für ein Notfallfahrzeug mit Allrad.

Drei Fördervereine, über den ganzen Landkreis verteilt, gibt es heute. 1994 gründete Arnfried Färber, damaliger Bürgermeister Haushams, mit dem Arzt Rolf Dombrowsky und zwei weiteren Helfern den Förderverein Notarztgruppe Schlierach-Leitzachtal. Im nördlichen Landkreis war es 2001 so weit: Mit 17 Mitgliedern wurde der Förderverein Notfallmedizin Holzkirchen und Umgebung ins Leben gerufen. Alle Aktiven in den Vereinen arbeiten kostenfrei. „Jeder Cent soll bei denen ankommen, die in Not geraten“, sagt Elfie von Khreninger, Vorsitzende des Holzkirchner Fördervereins.

Es ist viel angeschafft worden, was Leben rettet: mobile Elektrokardiogramme (EKG) für Rettungswagen beispielsweise. Sie übermitteln Daten ans Krankenhaus, sodass die Ärzte bei Eintreffen des Patienten schon um dessen Zustand wissen. Die Förderungen reichen von Sauerstoff-Flaschen für die Bergrettung über Zuschüsse für Rettungsboote der Wasserwacht bis hin zu Kindernotversorgungs-Rucksäcken.

Mit der Spendenaktion „Leser helfen Lesern“ sollen dieses Jahr die Fördervereine unterstützt werden. „Wir wollen mit dem Erlös ein Einsatzfahrzeug für den KID finanzieren“, sagt von Khreninger. Denn wenn sich der Abgrund auftut, ist ein ruhiger Ort zum Reden die Grundvoraussetzung, um den Schmerz erträglicher zu machen.

Aglaja Adam

Leser helfen Lesern - unsere große Spendenaktion: Alle Geschichten, alle Events, alle Begünstigten und alle Infos zu unserer Aktion finden Sie auf unserer Themenseite.

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