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Alpenverein klagt gegen Schneekanonen

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Von: Marcus Mäckler

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Großbaustelle: Die Bagger arbeiten bereits am Sudelfeld. © Thomas Plettenberg

München/Bayrischzell - Historische Entscheidung: Der Deutsche Alpenverein (DAV) zieht vor Gericht – zum ersten Mal in seiner Geschichte. Für den Verein ist es das letzte Mittel, den Ausbau des Skigebiets Sudelfeld doch noch zu verhindern.

Vier Bagger gegen ein Naturparadies. Am Sudelfeld (Kreis Miesbach/Kreis Rosenheim) werden zur Zeit große Mengen Erde für einen Speichersee ausgehoben. 230 mal 140 Meter groß, damit genug Wasser für die neuen Schneekanonen hineinpasst. Bis zu 250 könnten künftig dort betrieben werden. Wenn die Bagger fertig sind, werden Wintersport-Fans jubeln – Naturschützer eher nicht.

Wenn. Denn der Widerstand gegen den Ausbau des beliebten Skigebiets, das mitten im Landschaftsschutzgebiet „Oberstes Leitzachtal“ liegt, wird immer größer. Gestern hat der Deutsche Alpenverein (DAV) sich entschlossen, gegen das Großprojekt zu klagen. Es ist das erste Mal in seiner 145-jährigen Geschichte, dass der DAV vor Gericht zieht.

„Die Entscheidung fiel sehr bewusst, nachdem alle anderen Schritte zur Verhinderung dieses sinnlosen Ausbaus wirkungslos geblieben waren“, erklärte DAV-Vizepräsident Ludwig Wucherpfennig nach der Präsidiums-Sitzung. Bis nächste Woche will der DAV die entsprechende Klage formuliert und beim Verwaltungsgericht München eingereicht haben. Ähnliches hat der Bund Naturschutz (BN) vor. „Es wird ein Eilverfahren werden“, sagt BN-Regionalreferent Kurt Schmid. Ziel sei ein Baustopp – „um zu retten, was noch zu retten ist“.

Ob Alpenverein und BN eine gemeinsame Klage einreichen, ist offen. Durch die Entscheidung des DAV verspricht sich Schmid in jedem Fall „mehr Schlagkraft“ gegen das Projekt. Die Landtags-Grünen und große Teile der SPD haben die Umweltschützer bei der Klage auf ihrer Seite. Der SPD-Umweltexperte Florian von Brunn sagte, man solle „eine klimaschädliche Sache mit Ablaufdatum nicht unterstützen“. Damit zielt er auf Studien ab, die besagten, dass Gebiete wie das Sudelfeld durch den Klimawandel kaum noch länger als 25 Jahre zum Skigebiet taugen.

Die Befürworter des Projekts sehen das naturgemäß anders. Das Landratsamt Miesbach, das Mitte April die Genehmigung zum Bau erteilt hat, hält den Sudelfeldausbau für notwendig, um „den Wintertourismus zu erhalten und attraktiver zu gestalten“. Auch die Betreiber im Skigebiet drängen. Schließlich soll die Beschneiung schon im kommenden Winter funktionieren.

Arbeiten am Sudelfeld schreiten voran: Bilder

Der DAV allerdings glaubt sich im Besitz guter Argumente. Laut Wucherpfennig sei im Genehmigungsverfahren etwa nicht ausreichend geprüft worden, ob die Bäche im Sudelfeld-Gebiet genug Wasser führen, um den Speichersee zu befüllen. Auch in einem anderen Punkt seien die Planungen angreifbar. Es stelle sich die Frage, ob es statt einer Befreiung vom Bauverbot, die das Landratsamt Miesbach ausgesprochen hatte, nicht eher einer Änderung des Landschaftsschutzgebiets bedurft hätte. Damit hätte der Kreistag entscheiden müssen. Hat er nicht. Ein formaler Fehler? Andere Kritiker wie die Grünen-Landtagsabgeordnete Claudia Stamm argumentieren genauso.

Das Gericht wird entscheiden müssen. Und hier sind sich die beiden Seiten einig: möglichst schnell. Bis dahin arbeiten die Bagger weiter am Sudelfeld. „Je eher das Gericht entscheidet, desto besser“, sagt Egid Stadler, Zweiter Bürgermeister der Gemeinde Bayrischzell (Kreis Miesbach), die das Projekt in einer GmbH mit drei Privatleuten planen. „Sonst wird es immer schwieriger, den Ursprungszustand wieder herzustellen.“

Marcus Mäckler

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