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Auch im Winter ein einladendes Plätzchen: das Gelände des Bootsverleihs am Schlierseer Nordufer. Der Gemeinderat kann sich Freischankflächen mit 94 Sitzplätzen vorstellen und kommt damit der Betreiberin entgegen, die längst mehr Stühle aufstellt als genehmigt. Autos sind dem Gemeinderat derweil nicht willkommen, weshalb sich nun die knifflige Frage nach den auszuweisenden Parkplätzen stellt.

Zank um Kiosk-Erweiterung

Knifflige Stellplatzfrage

Schliersee - Die formale Erweiterung der Freischankflächen beim Bootsverleih am Schlierseer Nordufer hat im Gemeinderat erneut hohe Wellen geschlagen. Immerhin: Der nächste Schritt hin zu einer Lösung ist gemacht. Die Krux ist nun die Stellplatzfrage.

Es ist durchaus ein Dilemma. Einerseits fühlen sich nicht gerade wenige Gemeinderäte hinters Licht geführt. Mühevoll haben sie vor Jahren dem Neubau des Kiosks am Bootsverleih im Schlierseer Kurpark den Weg bereitet, und seit zwei Jahren verstößt die Betreiberin gegen die Genehmigung. Bis zu 150 statt zwölf genehmigter Sitzplätze auf der Freischankfläche, dazu Liegestühle und Zelt. Mancher hatte genau vor dieser Entwicklung gewarnt. Andererseits – und diese Haltung dürften vor allem Ausflügler einnehmen: Direkt am Ufer bei Kaffee oder einer Halben Bier den Sommer genießen: Geht’s noch schöner?

Kaum, finden offenbar viele und rennen dem Kiosk die Bude ein. Betreiberin Michaela Lauber bietet also entsprechende Sitzgelegenheiten an. Ihrer eigenen Darstellung zufolge allerdings nicht mehr, als sie damals von ihrem Stiefvater übernommen hat. In einem fünfseitigen Brief hat sie den Gemeinderäten ihre Sicht der Dinge geschildert, davon geschrieben, dass sie der Kiosk mit insgesamt rund 350 000 Euro doppelt so viel gekostet hat, wie geplant, sie demzufolge auf entsprechende Umsätze angewiesen ist, die sie zwecks Wetterabhängigkeit nur an einer begrenzten Zahl an schönen Tagen erwirtschaften kann. Den Vorwurf einer von langer Hand geplanten Salami-Taktik weist sie entschieden zurück. Sie sehe sich öffentlich ehrverletzenden Unterstellungen ausgesetzt und fürchte, dass es Bestrebungen gebe, ihren Betrieb zu ruinieren. Sie wünsche sich, dass der Gemeinderat ihrer Bitte um die Legalisierung der größeren Gastrofläche nachkomme und damit einen touristischen Anziehungspunkt in Schliersee erhalte.

Robert Mödl (Die Schlierseer) merkte an, die genannte Kostensteigerung und viele anderen Argumente könnten nicht Basis einer Gemeinderatsentscheidung sein. Auch er ärgert sich über die nicht genehmigten Tatsachen, letztlich stimmte er aber, wie der Großteil des Gemeinderats, für eine Erweiterung auf insgesamt 94 Plätze. Den von Planer Johannes Wegmann vorgeschlagenen, festen Pavillon (vier mal sechs Meter) lehnte die Mehrheit ab. Beatrix Seidenfus (PWG) fürchtete, dass dieser sich ähnlich entwickeln werde wie zuletzt das gesamte Areal: „Irgendwann kommt da eine Seitenwand dran, und dann haben wir ein zweites Strandbad.“ Die Frage sei, ob man das wolle.

Gänzlich bei seiner Ablehnung blieb Gerhard Weitl (SPD), der daran erinnerte, dass ursprünglich von einem Ersatzbau für Kartenverkauf und Material die Rede war. „So war der Einstieg, und wo sind wir gelandet?“ Er fühle sich nach wie vor verschaukelt. Auf die bestehende Genehmigung mit zwölf Sitz- und zehn Stellplätzen verwies auch Michael Dürr (PWG). Wegmann hatte zwei Varianten mit elf beziehungsweise nur drei – ein Behindertenparkplatz sowie zwei für Wartungs- und Lieferverkehr – vorgeschlagen. Selbst in der größeren Alternative würden sieben Plätze fehlen – die Stellplatz-Satzung zugrunde gelegt. Auf diese, oder sogar noch mehr, einfach so zu verzichten, könne nicht angehen. Es gehe um 7500 Euro Ablöse pro Parkplatz. Geld, das die Gemeinde zweckgebunden einsetzen muss. „Das wurde vielleicht früher nicht richtig gemacht, aber jetzt schauen wir da genau hin.“ Weitl stieß ins selbe Horn. „Bei Gästehäusern machen wir keine Ausnahmen. Wir könne da nicht nach Gutsherrn-Art verfahren.“

Allerdings: Die große Mehrheit will gar keinen Pkw-Verkehr – also nur drei Parkplätze zwischen Kurpark und dem nach Schlierseer Auffassung „schönsten Spielplatz des Oberlands“. Übrigens ein Anziehungspunkt, der zum Aufschwung des Kiosks beigetragen hat. Deshalb kommt im Zusammenhang mit dem Kiosk wohl auch die Ortsmitte-Planung ins Spiel. So forderte Florian Zeindl (CSU). „Wir sollten uns fragen: Wo können wird Autos zentral unterbringen, um andere Flächen von Autos freizuhalten?“

Wie ein etwaiger Verzicht auf Stellplätze juristisch zu bewerten ist, soll nun eine Prüfung ergeben. Präzendenzfall und Regresspflicht gilt es zu vermeiden.

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