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„Meine Heimat ist mir wichtig, ich mach’ das jetzt.“: der Landratskandidat der Bayernpartei, Martin Beilhack (r.), mit dem Kreisvorsitzenden Loris-Marco Gelesch.

„Weil – so geht es nicht mehr weiter.“

Kommunalwahl 2020: Martin Beilhack offiziell als Landratskandidat nominiert

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Es ist offiziell: Die Bayernpartei hat Martin Beilhack als Landratskandidat für die Kommunalwahl 2020 nominiert. Dieser gibt Einblick in die Themen, die ihn bewegen.

Miesbach – Martin Beilhack wartet an einem Tisch in einem Nebenzimmer des Schützenwirts in Miesbach. Die Versammlung, bei der die Bayernpartei den 63-jährigen Hauptmann der Gebirgsschützen, Landwirt und ehemaligen Kreisrat aus Waakirchen als ihren Kandidaten für die Landratswahl im kommenden Jahr aufstellen will, hätte vor fünf Minuten beginnen sollen. Dennoch sind bislang nur zwei Personen mit Beilhack im Raum: Neben ihm sitzt Florian Weber, Vorsitzender der Bayernpartei aus Bad Aibling, ihm gegenüber ein Parteimitglied. „Wir sind immer akademisch pünktlich“, sagt Weber. Beilhack schmunzelt. „Da hab’ ich von meinem Vater was anderes gelernt: Des Soldaten Pünktlichkeit ist fünf Minuten vor der Zeit.“

Beilhack, geboren 1956, gelernter Maurer und langjähriger Berufsfeuerwehrmann in München, spricht mit ruhiger Stimme, hat die Hände im Schoß gefaltet, dreht die Daumen. Die Schultern hat er nach vorn gezogen, den Rücken gebeugt. Er wirkt, als fühle er sich noch etwas unwohl im Rampenlicht. „Stell’ ich mich kurz vor?“, fragt er Weber. „Du wirst dann von mir aufgefordert“, erklärt der. „Ich sag dir, was du machen musst.“

Unser Vorbericht:  Kommunalwahl 2020: Martin Beilhack will Miesbacher Landrat werden

Der Kandidat Martin Beilhack

Eine halbe Stunde später ist alles anders. Der Raum ist gefüllt. Zehn Mitglieder der Bayernpartei sind gekommen, dazu sieben Interessenten. Einstimmig wählen sie Beilhack in wenigen Minuten zu ihrem Spitzenkandidaten für die Kommunalwahl 2020.

Auch Beilhack ist jetzt ein anderer. Weg ist der gebeugt sitzende Mann. Er steht auf, läuft in die Mitte des Raumes und erklärt. „Mein Wahlspruch wird sein: ,Die Liebe zur Heimat ist eine Sache des Herzens‘.“ Er spricht laut, steht aufrecht. Beim Reden formt er mit den rechten Daumen und Zeigefinger einen Kreis und streckt die drei übrigen Finger weg. Als würde er Nadelstiche setzen, tippt er bei wichtigen Punkten mit der Hand nach vorne. Brennt ihm ein Thema besonders auf der Seele, macht er zwei schnelle Schritte in den Raum, danach wieder zurück.

Unser Kommentar: Zur Nominierung von Martin Beilhack: Bundesthemen sind zu wenig

Die Themen von Martin Beilhack

Auf der Seele brennen Beilhack viele Themen – schon seit Langem. Er will „die Heimat erhalten, dass sie lebenswert ist“, sagt er. „Für uns, die da auf die Welt gekommen sind und die von Gottes Gnaden da leben dürfen.“

Dabei sein Ärgernis Nummer eins: die Erbschaftssteuer. „Die muss weg.“ Ebenfalls wichtig: Steuersenkungen. „Die Wohnungen sind nicht zu teuer, der Staat kassiert vom Brutto zu viel.“ Auch „ein ganz ein wichtiges Thema“: Bayern 1 solle täglich ein, zwei Stunden „eine gescheite Volksmusi“ spielen.

Dass das keine Landkreis-Themen sind, weiß Beilhack. „Das entscheiden die in Berlin oder München“, betont er. Aber: „Wer soll unseren Landkreis vertreten, wenn nicht ein Landrat, der so denkt?“

Etwa 20 Minuten Redezeit widmet der Kandidat daher der Bayern-, Bundes- und Europapolitik. Die „Gaudi mit den Bienen“, Grünen-Wähler aus München, die mit dem Auto in die Berge fahren, und dass Menschen, die mit der D-Mark in Rente gingen, mit der Umstellung auf den Euro die Hälfte genommen worden sei – alles das stört ihn. „Ich weiß, das sind keine Landkreis-Themen“, sagt er wieder. „Aber wenn nur eines meiner Themen von der Politik übernommen wird, ist für mein Heimatland schon viel gewonnen.“

Wann wird gewählt? Wie sieht der Stimmzettel aus? Wir haben bereits alle Informationen zur Komunalwahl 2020 in Bayern zusammengestellt.

Die Landkreis-Themen

Die verbleibenden zehn Minuten seiner halbstündigen Rede widmet Beilhack seinen Plänen für den Landkreis. Die Elektrifizierung der BOB lehnt er ab. Wasserstoffzüge seien die bessere Alternative. Den MVV-Beitritt will er verhindern. „Dann werden die Wohnungen noch teurer.“ Die Düngeverordnung, die Laufstallverordnung, der Wolf und der Bär – „irgendein Radl greift da net“ bei der Politik, findet Beilhack. Auch die Wasserschutzzone: „Wer kann einen Landrat zwingen, das zu unterschreiben?“, will er wissen. „Bis zur UNO ging’ ich da.“

Doch Beilhack will mehr als kritisieren. Er will ein Landrat mit Visionen sein – bei der Energiewende zum Beispiel. Er denkt über Solarzellen auf staatlichen Gebäuden nach und hofft, die Leitzach oder die Mangfall besser mit Wasserkraft nutzen zu können. „Ob das dann möglich ist, weiß ich net. Aber man kann’s probieren.“ Und immer wieder Forderungen wie: „Von unten her muss ein Ruck kommen. Von oben wird es immer schlechter.“ Oder: „Es muss ein Aufschrei durchs Land gehen, aber ich hör’ nichts.“

Beilhack ist sich sicher, dass seine Themen ankommen. „Auf den Artikel über meine Kandidatur hin, das war wie eine Lawine“, berichtet er. „Das Telefon ist fast nimmer staad gewesen. Leute haben mit dem Auto und dem Traktor angehalten und mir Glück gewünscht.“

Die Reichsbürger

Ein weiteres Thema, das Beilhack offen anspricht: „mei Gaudi mit de Reichsbürger“. Wie berichtet, hatte das Landratsamt Beilhack die Besitzkarten für seine Waffen abgenommen, weil es diesen verdächtigt, Mitglied der Bewegung zu sein, die die Existenz der Bundesrepublik ablehnt. Der hatte dagegen geklagt. Das Urteil steht noch aus.

„Ihr wisst alle, dass ich kein Reichsbürger bin“, sagt Beilhack in seiner Rede. „Der einzige Fehler war, dass ich die Staatsbürgerschaftsurkunde beantragt hab’ und hab’ vielleicht ein paar Schmarrnzahlen reingeschrieben.“ Es störe ihn, dass unbescholtene Leute deswegen kriminalisiert würden. „Habt ihr nichts Besseres zu tun?“

Der mögliche Landrat Martin Beilhack

Wie sich Beilhack seine Arbeit als Landrat vorstellt, erklärt er mit einer Geschichte über einem schwedischen Wehrmachtshauptmann, der mit seinem Vater gedient habe. „Der ist immer als Letzter zur Essensausgabe gegangen.“ Der Chef steht hinten an – „das sind so alte deutsche Werte, die habe ich schon von Kind weg vermittelt gekriegt.“ In der heutigen Zeit fehlten diese zwar hinten und vorne. Doch er werde sie „selbstverständlich“ leben, wenn er gewählt wird. „Ich hoffe, dass ihr mich dabei unterstützt“, sagt er in die Runde. Und wieder: Der Druck müsse sich von unten aufbauen. „Weil – so geht es nicht mehr weiter.“

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