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Norbert Kerkel ist Sprecher der FWG.

Interview mit FWG-Sprecher Norbert Kerkel 

Zerwürfnis vor der Kommunalwahl 2020: FWG und FW ringen ums Grundsätzliche

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Zwischen FWG und FW im Landkreis hat sich vor der Kommunalwahl 2020 ein Graben aufgetan.  Wo es hakt und wie es weitergehen kann, erläutert FWG-Sprecher Norbert Kerkel im Interview.

Landkreis Die Verwerfungen zwischen der Freien Wähler Gemeinschaft (FWG) und der Partei Freie Wähler (FW) im Landkreis erweisen sich im Vorfeld der Kommunalwahl 2020 als ausgesprochen problematisch. Die FW muss erst noch einen neuen Vorstand wählen. Ob es eine gemeinsame Liste mit der FWG gibt, ist offen. Aber was unterscheidet FW und FWG eigentlich, und wo liegt das Problem? FWG-Kreissprecher Norbert Kerkel ist derzeit stark gefordert, die Situation zu erklären. Gestern Abend referierte er zu diesem Thema bei der FWG in Kreuth.

Herr Kerkel, wie viele FWGler gibt es im Landkreis?

Kerkel: Wir haben in jeder Gemeinde im Landkreis einen Zusammenschluss der FWG, also insgesamt 17 Stück. Weil wir nicht als Partei organisiert sind, kann man nicht von Ortsgruppen sprechen. Aber es gibt in jedem Ort jemanden, der sich kümmert. Manche Gruppen sind völlig lose, manche haben einen Verein hinter sich. Zur Kommunalwahl 2014 mussten wir für die Landratswahl organisatorisch etwas festere Strukturen schaffen. Ich würde sagen, es gibt im Landkreis um die 400 aktive FWG-Vertreter.

Daneben gibt es die Partei FW, die im Landkreis etwa 20 Mitglieder hat.

Kerkel: Wir FWGler sind natürlich weit mehr. Auch unsere Bürgermeister – mit Ausnahme von Sepp Hartl – und die meisten Gemeinderäte gehören der FW nicht an. Die FW Partei ist aus der FW Gemeinschaft hervorgegangen. Sie hat sich als Partei gegründet, weil ihre Vertreter nicht nur in der Kommunalpolitik, sondern auch überregional aktiv sein wollen.

Bei der Kommunalwahl 2014 gab es eine gemeinsame Liste. Wer hat damals Regie geführt?

Kerkel: Es hat immer die FWG eingeladen. Wir haben deshalb 2013 die Satzung unseres Kreis-Vereins geändert. Bis dahin hieß es: Es können alle Mitglied der FWG sein, die in keiner Partei sind. Seit 2013 gilt: Auch Parteiangehörige der FW Bayern dürfen Mitglied sein. Bei der Aufstellung der Listen war es völlig egal, ob jemand auch bei der FW dabei ist oder nicht.

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Und warum ist das bei der Wahl 2020 anders?

Kerkel: Wir waren der Meinung, dass es genau so laufen kann wie 2014. Aber das hat die FW-Partei unter der Führung von Andreas Obermüller aus Tegernsee anders gesehen. Wenn wir den Listenplatz 3 wollen, der dieses Mal wegen der Landtagspräsenz der Partei FW zusteht, dann muss die FW die gemeinsame Liste einreichen, nicht wir. Reicht unsere FWG die Liste ein, wären wir wohl auf Platz 7. Unsere Idee war, dass wir die Liste aufstellen und die FW sie bestätigt. Alle, die bei der FW sind, sind ja auch bei uns, der FWG.

Als Ergebnis des Konflikts wurde Obermüller abgewählt und durch Hartl ersetzt. Doch diese Wahl war ungültig, weshalb Obermüller erst mal wieder an der Spitze steht. Wie geht’s jetzt weiter?

Kerkel: Mit Herrn Hartl hatten wir das Vorgehen besprochen. Da wären wir auf einem gemeinsamen Nenner gewesen und hätten vertrauensvoll zusammenarbeiten können. Doch jetzt muss ja wieder neu gewählt werden. Mit Herrn Obermüller haben wir die Situation bisher nicht neu besprochen. Die FW-Kreisgruppe muss jetzt schauen, dass sie einen Vorstand zusammenbringt, mit dem wir leben können.

Noch steht diese Wahl aus. Was wird die FWG jetzt tun?

Kerkel: Wir müssen aufpassen, dass uns nicht die Zeit davonläuft. Wenn die FW ihre Vorstandswahl in den Herbst verschiebt, wird es mit der Zusammenarbeit schwierig. Aus meiner Warte gibt es schon die Möglichkeit, dass wir uns als FWG wieder komplett selbst um die Kommunalwahl kümmern, mit welchem Listenplatz auch immer. Dabei ändert sich an unserem Angebot nichts: Jeder kann auf unsere Liste gehen, egal ob FW oder FWG. Eine gemeinsame Liste bleibt das Ziel. Wenn wir zwei Freie-Wähler-Gruppierungen hätten, wäre das Wahnsinn.

Wie ist die Stimmung bei den FWG-Gruppierungen im Landkreis?

Kerkel: Wir hatten inzwischen ein Ortsvorsitzenden-Treffen, bei dem die Sache großes Thema war. Ich werde auch überall auf das Ganze angesprochen. Dass der Konflikt die Stimmung nicht gerade verbessert hat, ist logisch. Wir haben uns jetzt zwei Eckpunkte gesetzt: Ende September ist unsere Jahreshauptversammlung, Ende November Nominierungsversammlung. Aber die Aufstellung der Kandidaten muss vorbereitet werden. Das heißt: Wir müssen im August Klarheit haben. Ansonsten werden wir als FWG definitiv selbst tätig.

Lesen Sie auch: Norbert Kerkel will für Freie Wähler Landrat werden

und Vor Kommunalwahl 2020: FWG diskutiert Umgang mit FW-Partei

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