Pächter, Lokal, TSV Irschenberg
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Glückliche Wirte: Michael Tuschen und seine Frau Birgit kümmern sich seit Mai um das Sportgaststätte des TSV Irschenberg. Die Wohnung im selben Haus erleichtert ihnen die Planung.
Pächter, Lokal, SG Hausham
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Braucht einen neuen Wirt: Das Sportstüberl der SG Hausham ist nach dem Weggang von Martina Lesniakowa vakant.
Pächter, Lokal, Warmfreibad Fischbachau
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Fühlen sich wohl im Bad: Thomas Brendel und seine Tochter Shannara betreiben das Bistro im Warmfreibad Fischbachau.
Pächter, Lokal, Warmfreibad Miesbach
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Pächter gesucht: Das Bistro im Warmfreibad Miesbach steht aktuell leer.

Pächtersuche in Sportstüberl und Schwimmbad

Die Kunst des Saisongeschäfts: Wo es läuft und wo nicht

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Landkreis - Gaststätten an Sportplätzen und in Schwimmbädern sind keine Selbstläufer. Oft halten die Pächter nicht länger als eine Saison durch. So sieht es aktuell im Schlierach-/Leitzachtal aus.

Pächterwechsel sind in der Gastronomie nicht ungewöhnlich. Während gute Wirte meist kein Problem haben, eine neue Küche zu finden, tun sich die Eigentümer der Gasthäuser jedoch oft ungleich schwerer, einen Nachfolger aufzutreiben. Zwei Bereiche sind davon besonders häufig betroffen: Gaststätten an Sportplätzen oder in Schwimmbädern. Das saisonabhängige Geschäft verlangt den Wirten hier einiges ab. Auch aktuell suchen wieder zwei beliebte Einrichtungen im Schlierach-/Leitzachtal einen neuen Pächter: das Sportstüberl der SG Hausham und das Bistro mit Kiosk im Miesbacher Warmfreibad. Wir haben uns auf die Suche nach den Problemen begeben und erklären, wie diese andernorts gelöst wurden.

Die Sportgaststätten

Auf der Suche: Zwei Jahre lang musste sich die SG Hausham keine Sorgen um das Stüberl an der Zentralen Sportanlage machen. Nachdem Karl Anrather der Gaststätte im März 2015 nach nur einem Jahr wieder den Rücken gekehrt hatte, schien mit der neuen Wirtin Martina Lesniakowa eine langfristige Lösung gefunden. Trotzdem ist die Küche im Sportstüberl nun wieder leer. „Ich brauche mehr Zeit für meine beiden Kinder“, begründet Lesniakowa auf Nachfrage ihren Rückzug. Das Geschäft im Vorjahr sei sehr gut gelaufen, heuer sei es wegen dem durchwachsenen Sommer etwas schlechter gewesen. Ein neues Lokal will Lesniakowa vorerst nicht mehr pachten, sagt sie. „Ich suche eine Festanstellung.“

SG-Vorsitzende Natalia Grill bedauert die Entscheidung von Lesniakowa: „Wir waren sehr zufrieden“, sagt sie. Ab 1. April sucht die SG nun einen neuen Wirt für die Gaststätte mit 60 Plätzen, die sie ihrerseits von der Gemeinde gepachtet hat. Grill ist optimistisch, dass sich die Sportler in der neuen Saison wieder mit Essen und Trinken stärken können. „Wir haben schon Gespräche geführt“, sagt sie. Bei Konzept und Küche lasse man den Pächtern freie Hand. Einzige Bedingung: Freitag, Samstag und Sonntag muss geöffnet sein – wegen der Fußballer und Tennisspieler. Ein Patentrezept gegen die häufigen Pächterwechsel im Sportstüberl hat Grill nicht. „Das ist ein allgemeines Problem, damit müssen wir uns abfinden.“

Auch im Rathaus rätselt man über die Gründe. „Für mich ist das nicht verständlich“, sagt Bürgermeister Jens Zangenfeind. Erst vor ein paar Jahren habe man die Gaststätte neu möbliert und mit modernen Küchengeräten ausgestattet. Hinzu käme die Terrasse mit Bergblick und die laut Zangenfeind „fantastische Lage“ an der Langlaufloipe. „Das Problem ist ja in solchen Fällen meist der Winter“, sagt er. Dem zukünftigen Pächter bietet der Bürgermeister eine enge Zusammenarbeit an. Zum Beispiel, um die Angebote besser zu vermarkten. Für Zangenfeind braucht es im Sportstüberl ein neues, einzigartiges Konzept. „Wer ein herausragendes Angebot hat, den finden die Leute, egal wo er ist.“ Bis sich dieses etabliert hat, ist für ihn vor allem eines gefragt: „Durchhaltevermögen“.

Hier läuft’s rund: Beim TSV Irschenberg kennt man die Sorgen mit den Pächtern gut. Etliche Jahre lang gaben sich die Wirte in der Sportgaststätte die Klinke in die Hand. Seit Mai stehen die Zeichen nun auf Stabilität. Mit Michael Tuschen ist die Küche wieder in fester Hand. Tuschen ist nicht nur Zweiter Vorsitzender des TSV, sondern auch gelernter Bäcker und Koch. Hauptberuflich arbeitet er als Heilerziehungspfleger, Dienstag- und Donnerstagabend sowie samstags bei Bundesligaspielen des FC Bayern kümmert er sich um die Gäste im Stüberl.

Unterstützung erhält Tuschen von seinen drei Kindern und seiner Frau. „Alleine geht so was nicht“, sagt er. Ein weiteres wichtiges Standbein sei der Saal mit 80 Sitzplätzen, den er mit seiner Cateringfirma bewirtschaftet. Auch die Pächterwohnung ist für ihn ein „großes Pfund“. Mit diesen Vorteilen im Rücken will er sein Angebot sogar um einen sonntäglichen Schaftkopffrühschoppen erweitern. Und auch wenn er in Rente gehe, kündigt der 57-Jährige an, werde er der Sportgaststätte treu bleiben. „Zu viele Pächterwechsel sind der Tod für so was.“

Die Warmfreibäder

Auf der Suche:Auch das Miesbacher Warmfreibad stand zuletzt unter keinem guten Stern. Als wäre der marode Zustand von Heizung und Becken nicht Belastung genug, muss sich die Stadt nun auch noch um einen neuen Pächter für Kiosk und Bistro bemühen. Wie berichtet, hat Culinaria-Wirt Manfred Frank kürzlich seinen Rückzug aus dem Bad bekannt gegeben. „Der Kiosk war zuletzt nicht richtig mit unseren anderen Aufgaben und Verpflichtungen zu vereinbaren“, sagte Frank auf Nachfrage.

Die Ausschreibung der Stadt hat bereits Wirkung gezeigt, wie Bürgermeisterin Ingrid Pongratz auf Nachfrage bekannt gibt. „Es sind ein paar Bewerbungen eingegangen.“ Gespräche habe man bislang aber noch nicht geführt. Dass es immer wieder mal zu Pächterwechseln im Bad-Bistro kommt, überrascht Pongratz nicht. „So ein Geschäft ist eben saisonabhängig und damit ein schwieriges Pflaster.“

Hier läuft’s rund: Einer der Bewerber für die Gastronomie im Miesbacher Bad ist Thomas Brendel, wie er gegenüber unserer Zeitung verrät. Es wäre bereits sein fünftes Lokal. Neben der Bar „Oskars“ in Miesbach und Holzkirchen betreibt Brendel ein US-amerikanisches Restaurant in Bad Tölz sowie das Bistro im Fischbachauer Warmfreibad. „Ich kenne das Geschäft“, sagt Brendel. Und auch das Miesbacher Bad ist ihm bekannt: Von 2004 bis 2008 war er hier schon einmal Pächter. Seine Erfahrungen in Fischbachau haben ihm vor allem eines gezeigt: Der Schlüssel zum Erfolg im Bad ist eine unkomplizierte Küche. „Die Leute wollen Pommes und keinen Salat mit Garnelen“, sagt er. Bei bis zu 2000 Gästen wie in Fischbachau könne er ohnehin „nicht für jeden einzeln kochen“.

Auch Schlechtwetterphasen werfen Brendel nicht aus der Bahn, wie er sagt. Durch seine anderen Restaurants sei er bei Personal und Ware flexibel. „Ich kann zur Not auch mal 300 Kilo Pommes verteilen.“ Ein System wie in Fischbachau, wo sich die Schwimmer bei schlechtem Wetter Snacks und Getränke aus Automaten ziehen können, hält der Gastronom für ein probates Mittel, um nicht umsonst Personal vorhalten zu müssen. „Das ist Gold wert.“

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