Der Wall kommt: Die Anwohner von Wöllkam (Gemeinde Irschenberg) an der A 8 bekommen den lang ersehnten Lärmschutz. Heuer soll die Ausschreibung über die Bühne gehen. foto: thomas plettenberg

Lärmschutz

A8: Anwohner zahlen Preis für Ruhe

Irschenberg - Der Lärmschutzwall an der Autobahn für den Irschenberger Ortsteil Wöllkam kommt. Doch die Anlieger müssen dafür einen Preis zahlen. Und andere Bereiche gehen wohl weiterhin leer aus.

Für Hans Gruber ist es ein notwendiger Kompromiss. „Gerne mache ich das nicht“, sagt der 42-Jährige. „Aber es ist der Preis, den man dafür zahlt.“ Der Preis für Ruhe. Denn seit Jahren kann er sich kaum auf seiner Terrasse unterhalten, lässt er im Sommer nachts ein Fenster offen, schläft er schlecht - so schlimm ist der Verkehrslärm, der von der A8 auf sein Anwesen in Wöllkam donnert. Gruber gehört zu den Anwohnern, die nun Grund hergegeben haben, damit endlich ein Lärmschutz entstehen kann. Mit anderen betroffenen Anrainern habe man sich finanziell geeinigt, sagt er.

Ein Wermutstropfen, aber: Der Lärmschutz für den Irschenberger Ortsteil Wöllkam kommt nach jahrelangem Ringen tatsächlich - so verspricht es die Autobahndirektion Südbayern. Bürgermeister Hans Schönauer, dem das Reizthema schon lange im Nacken sitzt, atmet auf: „Wir sind sehr froh“, sagt er.

Josef Seebacher, Pressesprecher der Autobahndirektion, erklärt: „Es ist das Ziel, das Projekt in diesem Jahr auszuschreiben und zügig fertigzustellen.“ Eine exakte Aussage zu Baubeginn und Bauzeit sei aber erst nach Abschluss der derzeit laufenden Ausführungsplanung möglich, die ein Planungsbüro erstelle.

Laut Seebacher hat die Regierung von Oberbayern im Dezember bestätigt, dass für den Neubau eines Lärmschutzes für Wöllkam kein straßenrechtliches Planfeststellungs- oder Plangenehmigungsverfahren erforderlich ist. So könne das Projekt schneller realisiert werden. „Die Bauerlaubnisse der betroffenen Grundstückseigentümer liegen der Autobahndirektion Südbayern vor.“

Da in dem Bereich - trotz überschrittener Grenzwerte - noch kein Rechtsanspruch bestehe, habe die Oberste Baubehörde im Bayerischen Innenministerium die Bedingung gestellt, dass Flächen für den Lärmschutz bereit gestellt werden müssen. Um so die Wirtschaftlichkeit angesichts der hohen Kosten für die Maßnahme zu erhöhen (wir berichteten). Daher haben Anwohner wie Gruber auch Grundstücke „unwiderruflich zur Verfügung gestellt“, so Seebacher. „In den vorgelegten Bauerlaubnisvereinbarungen verzichten die Grundstücksabtreter auf eine Entschädigung für die Grundabtretung“, berichtet er. Der Bund spart sich auf diese Weise die Ausgaben für Grunderwerb. Die Baukosten, die der Bund trägt, betragen circa 1,3 Millionen Euro.

Der Lärmschutz soll sich aus einem rund 440 Meter langen Wall-Wand-Abschnitt mit einer Gesamthöhe bis maximal 7,5 Metern sowie einem circa 275 Meter langen Wallabschnitt zusammensetzen. Letzterer wird voraussichtlich 4,5 Meter hinausragen. Insgesamt wird eine Fläche von circa 1,4 Hektar überbaut.

Inwieweit der eventuelle Ausbau der A8 zwischen dem Autobahnkreuz München Süd und dem Inntaldreieck das Bollwerk gegen den Lärm beeinträchtigt, sei momentan nicht abzuschätzen, sagt Seebacher. Aber: „Es ist es nicht auszuschließen, dass für die Verkehrsführung während der Bauzeit teilweise in den Lärmschutzwall eingegriffen werden muss.“ Im Dunkeln stehen bleiben wohl weiterhin die Anrainer anderer betroffener Ortsteile an der A8. „Nach dem Grundsatz der Wirtschaftlichkeit sind hier nur passive Lärmschutzmaßnahmen denkbar.“ Etwa Lärmschutzfenster.

Die Anwohner in Wöllkam harren derweil aus. „Ich glaube es erst, wenn es soweit ist“, sagt Gruber. „Und dann hoffe ich, dass der Lärmschutz auch seine Wirkung zeigt.“

Marlene Kadach

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