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Erfahrener Helfer: Manfred Edenhofer rückt seit 14 Jahren für den Hausnotruf aus. Ein Notruf brachte ihn in das Zimmer, aus dem er als Jugendlicher ausgezogen war.

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Alarm aus dem früheren Kinderzimmer: Der Hausnotruf im Einsatz

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Diesen Einsatz wird Manfred Edenhofer nie vergessen. Der Leiter des Fahrdienstes des BRK Miesbach musste zum Einsatz in sein früheres Kinderzimmer ausrücken.

Miesbach – Diesen Einsatz wird Manfred Edenhofer nie vergessen. Der Leiter des Fahrdienstes des BRK Miesbach ist der Mann, der ausrückt, wenn über den Hausnotruf die Meldung kommt, dass ein Mensch in einer misslichen Lage Hilfe braucht. In diesem Fall war ihm die Adresse sofort bekannt. Dort hatte er als Bub gewohnt.

Vor Ort musste der Gmunder in den Raum, der sein erstes Kinderzimmer war. Eine Seniorin war gestürzt. Oberschenkelhalsbruch. „In dem Zimmer, aus dem ich als Achtjähriger ausgezogen bin“, erinnert sich der 48-Jährige. Er denkt noch heute daran, wie er sich lange mit der Frau unterhalten hat. Bis der Notarzt eintraf, kümmerte er sich um sie – und erzählte ihr Geschichten über seine Jugend in diesem Zimmer.

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Kleine Hilfen machen den Unterschied

Auch ohne Anknüpfungspunkt ist das Gespräch eine der wichtigsten Aufgaben Edenhofers. Die Zentrale schickt ihn zum Einsatz, wenn ein Senior ein Problem hat, bei dem nicht unmittelbar Lebensgefahr besteht. Dann brauchen die Menschen jemanden, der für sie da ist, die Lage einschätzt und die weiteren Schritte plant.

„Meistens sind es kleine Hilfestellungen“, spricht Edenhofer aus 14-jähriger Erfahrung. Ein alter Mensch, der gestürzt oder vom Stuhl gerutscht ist. Oder ein Senior, dessen Rollator beim Toilettengang unerreichbar weit weggerollt ist. Ein großes Problem, wenn niemand da ist, der hilft. Dann können auch diese Situationen lebensbedrohlich enden.

Senioren wohnen länger zu Hause

Der Hausnotruf hilft Menschen, bis ins hohe Alter in ihrer gewohnten Umgebung zu leben, weil sie im Notfall schnell Hilfe anfordern können. Der mobile Sender des Notrufs hängt an einem Armband oder Medaillon. Drückt ihn der Senior, baut er einen Sprechkontakt mit der Notrufzentrale in München auf. Die kann erkennen, wer ausgelöst hat und im Gespräch klären, was passiert ist. Sie schickt direkt den Notarzt oder benachrichtigt die Kollegen vor Ort, was zu tun ist.

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Drei- bis viermal pro Woche im Einsatz

Kommt es zum Einsatz, machen sich Edenhofer und ein Kollege grundsätzlich zu zweit auf den Weg. Das könne drei- oder viermal in einer Woche sein, sagt der Gmunder. Aber es gebe auch Wochen, in denen sie nicht ausrücken müssen. „Ich bin meistens der Pilot“, sagt Edenhofer lachend.

Mit einem Wagen ohne Martinshorn fährt Edenhofer los. Zumeist mit einem Zwischenstopp bei der nächstgelegen Rettungswache – Agatharied, Moosrain, Rottach-Egern oder Holzkirchen – wo Hausnotruf-Kunden häufig ihren mit einer Zahlenkombination anonymisierten Schlüssel hinterlegt haben. Was einen tatsächlich erwarte, könne man nie wissen, und so müsse man grundsätzlich auf alles eingestellt sein, sagt der Helfer. Ruhe und Routine seien bei den Einsätzen unerlässlich.

Vor Ort sprechen die Helfer zunächst mit dem Hilfesuchenden und unterziehen ihn einer kurzen Untersuchung. Besteht keine dringende Gefahr, können sie das Problem meist schnell beheben. Bei Bedarf alarmieren sie einen Arzt und bleiben bis zu dessen Eintreffen vor Ort. Ermutigen, trösten, betreuen – die Menschen sollen wissen, dass sie in guten Händen sind. Dass sich jemand kümmert. Wie die Dame in Edenhofers früherem Kinderzimmer.

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