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Nicht viel größer als eine Laptoptasche ist das EKG-Gerät im Kofferraum des Notarzteinsatzfahrzeugs. Eingebaut ist darin auch ein Defibrillator, mit dem Florian Meier bei einem Kreislaufstillstand Leben retten kann. 

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„Jede Sekunde zählt“ - Ein Notarzt packt aus

Sie kommen, wenn es schlimm um einen steht - und retten täglich Leben: Anlässlich unserer Spendenaktion erklärt Notarzt Florian Meier, wie seine Arbeit als Retter wirklich ist.

Landkreis  Die Praxis in der Rotwandstraße in Miesbach ist geöffnet, im Wartezimmer sitzt ein Patient. Der Allgemeinmediziner Florian Meier hat normale Sprechstunde. Aber er ist auf Abruf. Er trägt den Piepser mit sich und wenn dieser angeht, lässt er alles liegen und stehen. Dann ist er als einer der Notärzte im Landkreis unterwegs.

Die Notfallmedizin liegt dem 42-Jährigen schon lange am Herzen. Seit 24 Jahren ist er im Rettungsdienst tätig, seit 15 Jahren als Notarzt, seit 2012 ist er leitender Notarzt. Vier 24-Stunden-Dienste macht er im Monat. Als leitender Notarzt ist er an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr einsatzbereit. An diesem Vormittag bleibt alles ruhig.

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„Das ist sehr unterschiedlich“, sagt Meier. Manchmal werde er zu zehn Einsätzen gerufen, manchmal zu keinem. „Durchschnittlich sind es 2,2 Einsätze in 24 Stunden.“ Das Spektrum der Alarmierungen ist vielfältig: von Knochenbrüchen bis zu Autounfällen, ein Zuckerschock, oder Verdacht auf Herzinfarkt oder Schlaganfall. „Das häufigste Meldebild sind Brustschmerzen und Atemnot“, sagt Meier. „Nicht immer ist es gleich ein Herzinfarkt, aber Brustschmerzen gehören abgeklärt.“

Auf dem Parkplatz vor der Praxis steht das neue Notarzteinsatzfahrzeug, das NEF. Es ist seit sechs Wochen im Einsatz, ein BMW 220 mit Allradantrieb. Der diensthabende Notarzt fährt damit zum Einsatz, die Sanitäter kommen mit dem Rettungswagen, der am Krankenhaus Agatharied steht. Im Bundesdurchschnitt dauert es sieben Minuten, bis der Rettungsdienst da ist. Auch Meier trägt schon seine Notarztkleidung. Im Notfall muss es schnell gehen.

Im Kofferraum des NEF sind die medizinischen Geräte untergebracht, darunter ein EKG-Gerät, ein Beatmungsgerät, eine Knochenbohrmaschine und ein Videolaryngoskop, das beim Intubieren benötigt wird. Außerdem hat der Notarzt wichtige Medikamente dabei, die beispielsweise notwendig sind, um Atmung und Kreislauf aufrechtzuerhalten.

„Die Grundausstattung ist gut“, sagt Meier. Dennoch gibt es Dinge, die im Landkreis noch besser sind als der Standard. Meier nimmt das EKG-Gerät aus dem Kofferraum. Es ist handlich, nicht viel größer als eine Laptoptasche. „Zur Grundausstattung gehört ein wesentlich klobigeres“, sagt er. Nicht nur äußerlich kann das mobile Gerät mehr. Es hat einen Defibrillator eingebaut, der im Falle eines Kreislaufstillstandes lebensrettende Elektrostöße abgibt. Außerdem ist eine invasive Blutdruckmessung möglich, dabei findet die Messung über einen in der Arterie liegenden Katheter statt. Dies ist bei Intensivpatienten sinnvoll, die zur weiteren Therapie in eine andere Klinik verlegt werden müssen. Die Daten des EKG-Geräts können direkt ans Krankenhaus übermittelt werden.

Auch hier greift der Landkreis auf modernste Technik zurück. Für die sogenannte „Turborettung 2.0“ (wir berichteten) wurden für alle Rettungswagen spezielle Tablets angeschafft, die NIDApads. Notarzt und Rettungsdienstmitarbeiter können wichtige Daten eingeben, von der Versicherungskarte, über Vorerkrankungen, Medikamente, Symptombeginn und Verdachtsdiagnose bis hin zu allen Maßnahmen, die im Rettungswagen getroffen wurden. Übergabegespräche fallen kürzer aus, die weitere Behandlung kann vorbereitet werden.

„Gerade bei Herzinfarkt und Schlaganfall zählt jede Sekunde“, sagt Meier. „Time is brain“ lautet ein bekannter Ärzte-Spruch. Meint: Bei einem Schlaganfall sterben pro Minute fast zwei Millionen Nervenzellen ab. „Das führt zu irreversiblen Schäden am Gehirn.“ Bei der Therapie wird ein Medikament gespritzt, es löst das Blutgerinnsel im Hirn auf. Es gehört ebenfalls zur Ausstattung des NEF. Allerdings birgt das eine Gefahr: „Bei einer Gehirnblutung ist die Lyse-Therapie kontraproduktiv“, sagt Meier. Besser ist es, den Schlaganfall-Patienten schnell ins Krankenhaus zu bringen.

Dank der bereits eingetroffenen Daten aus dem Rettungswagen kann dort das CT vorbereitet werden. Dies spart wertvolle Zeit. Nachdem ein Bild vom Schädelinnenraum angefertigt wurde, kann die Lyse-Therapie beginnen. Das Klinikum Agatharied ist eine „Stroke Unit“, für Schlaganfälle bestens ausgestattet. Oft verstreichen kostbare Minuten aber schon vor dem Rettungseinsatz, weiß Meier: „Viele warten zu lange, bevor sie den Notruf wählen.“ Bei Sprachstörungen, Lähmungserscheinungen, hängendem Mundwinkel, aber auch plötzlich auftretenden, ungewohnt massiven Kopfschmerzen, starkem Schwindel oder Sehstörungen sollten unter 112 sofort Rettungsdienst und Notarzt verständigt werden.

Aglaja Adam

Info

Die EKG-Geräte für den Rettungswagen und das NEF Hausham wurden vom Förderverein Schlierach-Leitzachtal gesponsert, die für das NEF und die Rettungswagen im Tegernseer Tal vom Förderverein Tegernsee. Der Förderverein Holzkirchen möchte noch zwei Geräte für die örtlichen Fahrzeuge beschaffen, damit die Versorgung im Kreis flächendeckend auf allerhöchstem Niveau gewährleistet ist.

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