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Gemeinsam für die Wirtschaft: (v.l.) Wolfgang Rzehak, Gerhard Brandl, Alexander Schmid, Klaus-Dieter Graf von Moltke.

Spezielle Stelle geschaffen

Landratsamts-Mitarbeiter kümmert sich um Unternehmer

Miesbach - Die Baugenehmigung ist erteilt, nur verschickt wird sie nicht. Weil: Die Sekretärin ist krank. Damit solche einfachen Fälle nicht für Ärger bei Unternehmern sorgen - der am Ende vielleicht auch noch eskaliert -, gibt es am Landratsamt Miesbach jetzt einen Ombudsmann. 

Verwaltungen und Gewerbetreibende sprechen nicht dieselbe Sprache. Die Folge: Ärger bei Gewerbetreibenden. Um dies zu verhindern,  hat das Landratsamt einen Ombudsmann bestellt: Gerhard Brandl, 62 Jahre alt, seit 25 Jahren Mitarbeiter der Behörde, erfahrener Verwaltungsfuchs. Er soll Wogen glätten, Missverständnisse ausräumen und die Verwaltung anschieben, wo es vielleicht einmal Not tut. Jetzt hat das Landratsamt das Konzept vorgestellt.

So soll es laufen: Gewerbetreibende, die zum Beispiel bei einem Bauantrag oder auch bei Fragen zur Beschäftigung von Ausländern auf Probleme stoßen, sollen sich künftig an die Standortmarketing-Gesellschaft wenden. Sollte nicht schon dort ein etwaiges Missverständnis ausgeräumt werden können, kontaktiert diese Brandl, und gemeinsam wird versucht, das Problem zu lösen. 

Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) macht aber gleich klar: "Es geht nicht darum, für Unternehmer eine Überholspur zu bauen." Ebensowenig sollten rechtliche Vorschriften umschifft werden. Vielmehr soll der Ombudsmann als Übersetzer dienen, wenn es an der Kommunikation hakt.

Ins gleiche Horn stößt Klaus-Dieter Graf von Moltke, Vorsitzender des Unternehmerverbands Miesbach, der das Konzept ausdrücklich begrüßt: "Wir sehen das als deutliches Zeichen, dass Interesse an transparenter Kommunikation besteht."  

Als Ombudsmann haben die SMG und Brandl schon die eine oder andere Kuh vom Eis geholt. Als Beispiel nennt Brandl einen Fall, bei dem ein Unternehmer ein Zelt als Lager aufgebaut hat und das Landratsamt prompt einen Abbau verlangte, was die Firma vor erhebliche Probleme gestellt hätte. Anstatt wutschäumende Telefonate zwischen Firmen-Chef und Sachbearbeiter am Landratsamt zuzulassen, wurde über den Ombudsmann eine Lösung gefunden. Das Zelt darf stehen bleiben, bis das im Bau befindliche Lager fertig ist. Brandl: "Oft gibt es Lösungen. Man muss sie halt auch wollen." Es gelte, die Möglichkeiten, die Ausnahmegenehmigungen oder Einzelfallentscheidungen bieten, nutzen.

Obgleich die Zwischenstellen SMG und Ombudsmann nicht den Eindruck erwecken, dass hier eine Mentalität des "direkten Drahts" vorherrscht, spricht Rzehak von einem "kurzen Weg". Nicht zuletzt soll die Verwaltung nicht durch ständige Telefonate von Bauwerbern oder potenziellen Arbeitgebern vom Tagesgeschäft abgehalten werden.  

Ein Ombudsmann als vermittelnde Kommunikationsebene, die unbürokratische Hilfe leistet. SMG-Geschäftsführer Alexander Schmid findet's zukunftsträchtig. "So etwas spricht sich rum", ist er sicher und fügt etwas zugespitzt an: "Wirtschaftsförderung kann nur so gut sein wie die Bauabteilung im Landratsamt." Die SMG als Anlaufstelle mit dem kurzen Draht ins Landratsamt könne auch für ansiedlungswillige Unternehmen von außerhalb des Landkreises ein interessanter Ansprechpartner sein. 

Allerdings, auch das betont Rzehak: "Es geht hier nicht um 100 Fälle am Tag, sondern vielleicht um einen in drei Wochen."

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