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Jazz

Von Miesbach bis nach New York City

Miesbach - Seine ersten Jazzversuche startete Julian Hesse am Gymnasium Miesbach. Heute spielt er mit der Münchner Jazzrausch Bigband bis zu 70 Konzerte im Jahr. Am Mittwoch kehrt er für ein Gastspiel in die Kreisstadt zurück.

Wirklich tot war sie eigentlich nie, die Münchner Jazzclub-Szene. Eher im Schlummerzustand, meint Julian Hesse. Doch die Zeiten, in denen immer mehr Musiklokale im Glockenbachviertel in stinknormale Cafés umgewandelt wurden, sind vorbei. Die Bigbands erleben gerade ihre Renaissance – und Hesse ist mittendrin. Vor einem knappen halben Jahr ist der ehemalige Miesbacher Gymnasiast als Trompeter zur Jazzrausch Bigband gestoßen. Heute füllen die 35 Musiker Kultclubs wie Cord und Harry Klein. Und das bis zu 70 Mal im Jahr.

Höchste Zeit für eine Rückkehr zu den Wurzeln, dachte sich der 27-Jährige da – und organisierte kurzerhand ein Konzert in den Räumen, in denen er die Liebe zur Trompete und zum Jazz entdeckt hat. An diesem  Mittwoch präsentiert er mit 19 seiner Bandkollegen in der Aula des Miesbacher Gymnasiums die neue Jazzrausch-Weihnachts-CD „Still Still Still“. Unterstützung erhält die Bigband zudem von einem weiteren Ex-Gymnasiasten: Schlagzeuger Matthias Gmelin.

Wie so viele Nachwuchsmusiker hat auch Hesse die Schule des Miesbacher Musiklehrers Hans Georg Hering durchlaufen. Nach Blockflöte und Klavier sattelte er auf Trompete um. Über den Musikunterricht kam er schließlich auch zur Schul-Bigband. „Mit 15 hat es mich dann so richtig gepackt“, erzählt Hesse. Er übte auch in seiner Freizeit und räumte mit der Band Preise bei zahlreichen Wettbewerben ab. „Das war eigentlich die goldene Zeit der Schul-Bigband“, sagt er. Doch Hesse wollte den nächsten Schritt machen – und streckte die Fühler Richtung München aus. Als Jungstudent am Konservatorium widmete er sich ab sofort voll und ganz dem Jazz.

Es folgten die ersten internationalen Konzerte mit dem Landesjugend-Jazzorchester in Russland und Tschechien. Nach zwei Auslandssemestern in Amsterdam hörte er dann die belgische Jazz-Größe Bert Joris zum ersten Mal. „Da war ich sofort Feuer und Flamme“, erzählt der 27-Jährige. Er wusste, dass er unbedingt Unterricht beim Meister nehmen wollte. Also spielte er kurzerhand bei Joris in Bern vor – mit Erfolg. Hier legte er nicht nur seinen Master ab, sondern entdeckte auch seine Leidenschaft für den improvisierten Jazz. „Eine klassische Karriere wäre für mich ohnehin nie infrage gekommen“, sagt Hesse, der sich selbst schmunzelnd als „Jazz-Nerd“ bezeichnet.

Julian Hesse

Nach einem Stipendium in New York City zog es Hesse zurück in die Heimat. Nicht nur mit einer exzellenten Ausbildung, sondern auch mit einem neuen Stil im Gepäck. Vor allem die Schweizer Szene hat Hesse geprägt. „Da wird viel mehr experimentiert“, erklärt der 27-Jährige. Das Publikum wachrütteln, provozieren und auch mal anecken, das ist es, was ihn bis heute reizt.

In der 2014 gegründeten Jazzrausch Bigband hat der Trompeter, der mittlerweile selbst Unterricht gibt, sein musikalisches Zuhause gefunden. Der Name des Ensembles verweist auf seine Ursprünge. So traten die Musiker zuerst nur sporadisch im Münchner Club Rausch & Töchter auf. Doch dank der ständig wechselnden Kompositionen von Leonhard Kuhn und dem Organisationstalent von Posaunist und Bandleader Roman Sladek erspielte sich Jazzrausch den begehrten Status als Resident-Band im Cord und Harry Klein. Hesse verrät das Geheimrezept: „Wir fordern uns und unser Publikum immer wieder mit neuen Kompositionen. Bei uns gibt’s nie den selben Trott.“

So darf sich auch das Miesbacher Publikum auf jede Menge Abwechslung freuen. Zu schräg wird es aber nicht, verspricht Hesse. „Wir spielen keinen verkopften Free-Jazz, sondern gut hörbare Weihnachtslieder mit einer Portion Swing.“ Den Musikern ist klar, dass sie in der Kreisstadt nicht auf eine vollentwickelte Jazz-Szene wie in München treffen werden. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Karten für das Konzert der Jazzrausch Bigband an diesem  Mittwoch in der Aula des Gymnasiums Miesbach kosten zwölf Euro (ermäßigt sechs Euro) und sind an der Abendkasse erhältlich. Beginn ist um 19.30 Uhr.

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