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Die Gastgeber des Abends: Die Folk-Band Mountain Lake Vista.

Schmarrn-Metal triff Funk trifft Folk

Gelungener Einstand beim KellerKulturFestival - so war die Stimmung

Laut war‘s und leise, heiß und dampfig. Und ein Ärgernis gab‘s obendrauf – alles wie es sich für ein Indoor-Festival gehört. Wir haben mitgeschwitzt.

Miesbach – Im Gewölbe des Kulturzentrums Waitzinger Keller feierte das Fest seine Premiere. Die Holzkirchner und Tölzer Folk-Band Mountain Lake Vista hatte dazu befreundete Bands und Musiker um sich geschart. Rund 200 Besucher kamen – und bereiteten den Protagonisten einen herzlichen Empfang. „Von der Resonanz waren wir überrascht“, sagt der Holzkirchner Vinzenz Semmler von der Band Mountain Lake Vista, der das Festival federführend organisiert hatte.

Brachten Fremdbier nach Miesbach: Die Spaß-Metaller Crust’n’Drillaz. 

Die Gastgeber selbst spielten standesgemäß vor rappelvollem Gewölbesaal. In der Besetzung gab’s ein paar Veränderungen – offenbar ein fruchtbarer Prozess. So machte sich nicht nur Giustina Gabellis Akkordeon bei ihrem ersten Auftritt gut. Sebastian Schaal, neuer Mann an E-Gitarre und Banjo, hat mit „Some Kind of Freedom“ sogar seinen ersten Song beigesteuert. Tobias Gmach, der mit seiner zweiten Band No Man’s Land aus Bad Tölz zuvor schon mit Alternative Rock samt Tusch und Publikumschor abgeräumt hatte, hat mit „Red Road“ sogar ein sozialkritisches Thema zur Ballade gemacht: den Abriss von Wohntürmen in Glasgow. Als der Saft auf der Bühne schon abgedreht war, machten Mountain Lake Vista die Not zur Tugend und kehrten für eine Zugabe einfach zu ihren Wurzeln zurück: unplugged, dafür mit Melodika und Suppenlöffel.

Mit einem überdimensionalen Holzkirchner Oberbräu-Glasl nahmen die Crust’n’Drillaz die Hopf-Heimatstadt ein: Nach ungefähr zehn Jahren kramten die Spaß-Metaller das Sänger-Kostüm aus der „Siegerweißbier“-Ära aus. Mit vollem Körpereinsatz – inklusive Strip bis auf die blauen langen Unterhosen – fackelten die Crust’n’Drillaz ihr heftiges Drum-, Percussion- und Riff-Gewitter ab, samt neuem Hochgeschwindigkeits-Kracher.

Funk mit Seele: Les Beignets machten in der Nachtschicht müde Beine wieder munter.

Neuen Stoff in Hülle und Fülle hatten Child on Fire dabei – so neu, dass die Songs noch keine Titel haben, wie Sänger Max Thamm gestand. Aufhorchen ließen „Song A“, „Song G“ und „Song K“ mit höherem Melodieanteil und etwas poppigeren Harmonien, eingebettet freilich in harte Riffs, die nicht jeder verträgt. Das halbierte Publikum allerdings feierte Child on Fire mit doppelter Lautstärke – und das völlig zu Recht.

Die Spätschicht nach Mitternacht machte selbst müde Beine wieder munter: Les Beignets mit grooviger Rhythmusfraktion und knackigen Bläserpassagen. Das bewährte Muster der Band funktioniert tadellos, auch in Songs jüngeren Datums wie „Mysterious Girl“: Sie schleichen sich lässig und nonchalant an, drehen die Spannung auf und lassen schließlich die Emotionen sich Bahn brechen. Bei „Wild Wild West“ wüssten sie nach eigenem Bekunden zwar selbst nicht, worum’s eigentlich geht. Es ist aber auch gar nicht so wichtig, wovon Peter Kandlinger da singt, Hauptsache er singt, denn das tut er mit voller Inbrunst und einer Stimme, die das Leben in all seiner Kratzbürstigkeit gekostet und gespürt haben mag.

Ein Wermutstropfen war das unfreiwillige Gepäck aus Pfandflasche und Plastikmarke, mit dem sich der eine oder andere Besucher um zwei Euro Pfand ärmer auf den Heimweg machte, weil die Kellerbar zwischenzeitlich kommentarlos abgesperrt hatte. Den Eindruck insgesamt trübt das kaum. Denn ein Festival lebt vor allem von seiner Stimmung – und die kann man sich nicht besser wünschen: entspannt und aufgeschlossen. „So ein aufmerksames Publikum hatten wir wirklich selten“, staunte Gmach. Dann funkt’s auch zwischen Bands und Publikum.

Wird’s ein 2. KellerKulturFestival geben? Ganz ausgemacht ist das noch nicht – aber die Zeichen stehen gar nicht schlecht, meint Semmler. „Es freut mich, dass das so gut angenommen worden ist“, sagt der Holzkirchner. Mit 200 Besuchern hatten die Organisatoren nicht zu rechnen gewagt. Für die Premiere lief’s gut, auch wenn es hier und dort was zu verbessern gäbe. Und: „Wir haben fast durchwegs positive Rückmeldung bekommen zur Vielfalt der Bands.“ Bei einer zweiten Auflage könnte die sogar noch wachsen.

Katrin Hager

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