Nische gefunden: Die Brauerei Hopf in Miesbach braut ausschließlich Weißbiere und kann damit am Markt gut bestehen, sagt Geschäftsführer Tilo Ruttmann – auch wenn die Folgen der Corona-Pandemie zu spüren sind.
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Nische gefunden: Die Brauerei Hopf in Miesbach braut ausschließlich Weißbiere und kann damit am Markt gut bestehen, sagt Geschäftsführer Tilo Ruttmann – auch wenn die Folgen der Corona-Pandemie zu spüren sind.

INTERVIEW - Geschäftsführer Tilo Ruttmann über das Jubiläum und die Zukunft des Unternehmens

100 Jahre Brauerei Hopf in Miesbach: „Dann feiern wir wegen Corona halt zum 101. Geburtstag“

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Miesbach – Das muss man erst mal schaffen: Die Miesbacher Brauerei Hopf, die seit Ende 2005 zu Hacker Pschorr gehört, feiert heuer ihr 100-jähriges Bestehen. Eigentlich ein wunderbarer Anlass für Festivitäten, wäre da nicht Corona.

Wir sprachen mit Hopf-Geschäftsführer Tilo Ruttmann (57) über das Jubiläum, Corona und die Zukunft seines Hauses in einem zunehmend schwieriger werdenden Markt.

Herr Ruttmann, 100 Jahre wird man nicht alle Tage. Und ausgerechnet jetzt fällt dieses Jubiläum in die Zeit der Corona-Pandemie. Wird trotzdem gefeiert?

Ja, feiern wollen wir trotzdem, aber es ist noch komplett offen, ob wir das so umsetzen können, wie wir es uns vorgestellt haben. Eigentlich wollen wir mit vier Festtagen Anfang Juli feiern und zudem einen Tag der offenen Tür anbieten. Angesichts der Pandemie ist das sehr unsicher, aber falls wir unsere Pläne nicht umsetzen können, wollen wir es im nächsten Jahr versuchen – dann zum 101-jährigen Bestehen.

Wie lebt man als kleine bis mittelgroße Brauerei zwischen Brauereikonzernen einerseits und kleinen aufstrebenden Start-ups?

Wir leben mit unserer Position sehr gut. Wir sind immerhin eine der wenigen Brauereien, die ausschließlich auf eine Art, das Weißbier, setzt. Mittlerweile haben wir ein Angebot von zwölf Sorten – fünf sind saisonal, der Rest ist dauerhaft. Dabei kommt uns der gegenwärtige Trend entgegen, der in Richtung handwerkliches Brauen, Regionalität und Nachhaltigkeit geht. All das sind wir. Unsere Entwicklung ist sehr gut.

Wie groß ist denn das Hopf-Land?

Unser Gebiet ist der Kreis von 40 bis 50 Kilometer um Miesbach, also das Oberland sowie bis nach München und Garmisch-Partenkirchen. Es gibt uns aber in ganz Deutschland, wenn auch nur in einigen bestimmten, gut sortierten Getränkeläden und Lokalen. Das reicht bis Hamburg und Berlin. Hinzu kommt das Ausland mit Österreich und Italien.

Wie hält sich Hopf auf dem Biermarkt?

Gut. Wenn man eine hervorragende Qualität hat, hat man eine Chance. Der Trend geht allgemein zu alkoholfreien Weißbieren – bis hin zu 0,0. Darauf haben wir reagiert.

Zumal der Markt immer kleiner wird. Die Biernation Deutschland trinkt seit Jahren immer weniger Bier.

Das stimmt. Der Pro-Kopf-Verbrauch pro Jahr lag einmal bei 160 Litern. Heute sind es noch 95. Die Menge sinkt.

Woran liegt das?

Das hat mehrere Gründe. In der Berufswelt ist Alkohol tabu. Wenn Bier, dann nur alkoholfrei oder 0,0. Das merkt man auch beim Autofahren. Und die Jugend trinkt weniger. Positiv ist aber der Trend hin zu hochwertigen Bieren.

Wie sehr trifft Corona?

Mit der Gastronomie, die jetzt zehn Monate geschlossen ist, fällt uns ein wichtiges Standbein weg. Wir haben zwar sehr gute Zuwächse im Ladengeschäft, aber das kann die Ausfälle der Wirtschaften, die normal ein Drittel des Umsatzes ausmachen, nicht auffangen. Die sind auch eine Werbeplattform für uns. Jeder Monat tut uns weh. Es drückt aufs Ergebnis, aber es ist nicht bedrohlich. Das verdanken wir dem Ladengeschäft und nicht zuletzt unserem tollen 24-köpfigen Team. Das ist eine feine, gute Mannschaft. Das hilft.

Wie sieht es für die nächsten 100 Jahre aus?

Das ist eine lange Zeit. Technologisch haben wir einen guten Stand. Ich würde sagen: Wir sind ganz hervorragend aufgestellt.

ddy

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