Mit regelmäßigen Übungen, wie hier auf dem Tegernsee, rüsten sich die Wasserwachtler für echte Einsätze.
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Mit regelmäßigen Übungen, wie hier auf dem Tegernsee, rüsten sich die Wasserwachtler für echte Einsätze.

Serie zum Jubiläum

100 Jahre DRK: Alexander Schwarz erklärt, warum immer weniger Kinder schwimmen lernen

Sechs Ortsgruppen der Wasserwacht sind im Landkreis Miesbach für das Rote Kreuz aktiv. Kreisvorsitzender Alexander Schwarz erklärt, welche Gefahren es am Wasser gibt.

Landkreis – Sechs Ortsgruppen der Wasserwacht sind im Landkreis Miesbach für das Rote Kreuz aktiv. Kreisvorsitzender Alexander Schwarz (60) erklärt, welche Gefahren es am Wasser gibt und warum immer mehr Kinder Nichtschwimmer sind.

Herr Schwarz, wie sind Sie zur Wasserwacht gekommen?

Über meine Eltern. Ich bin seit 1975 dabei. Mein Bruder ist zum Alpenverein gegangen, aber mit den Bergen habe ich es nicht so gehabt, sondern eher mit Schwimmen und Tauchen. Drum habe ich die Wasserwacht ausprobiert und bin geblieben.

100 Jahre DRK: Alexander Schwarz erklärt, warum immer weniger Kinder schwimmen lernen

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Welche Aufgaben hat die Wasserwacht?

Unsere Hauptaufgabe ist die Wasserrettung, und zwar das ganze Jahr über. Unsere Schnelleinsatzgruppe in Bad Wiessee ist Tag und Nacht bereit. Genau wie die Feuerwehr werden die Einsatzkräfte über Funk alarmiert. Im Sommer sind unsere sechs Stationen an den Seen besetzt. Eine weitere große Aufgabe ist es natürlich, Kindern das Schwimmen beizubringen.

Alexander Schwarz, Kreisvorsitzender

Können immer weniger Kinder schwimmen?

Ich denke schon. Das Seepferdchen ist trotz viel Kritik ein guter Indikator. Wer eine Schwimmausbildung macht und mit diesem Abzeichen abschließt, der kann 25 Meter schwimmen und ins Wasser springen, ohne sich festzuhalten. Wichtig ist aber auch, dass die Kinder nach dem ersten Schwimmkurs weiter üben. Als Problem sehe ich, dass viele Eltern selbst nicht gut schwimmen können.

Was wünschen Sie sich von Eltern?

Dass sie mit den Kindern schwimmen gehen und sich mit ihnen beschäftigen. Oft ist ein Schwimmkurs aber auch besser, weil es Eltern oder Verwandten meist schwer fällt, den eigenen Kindern etwas beizubringen.

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Hat die Pandemie die Situation noch verschlimmert?

Ja, auf jeden Fall. Wir können keine Kurse geben. Aber ein Problem ist auch, dass es wenige Bäder gibt. In Bad Wiessee wird der Badepark durch einen Neubau ersetzt und fällt daher erst mal aus. Sonst gibt es im Landkreis nur noch in Schliersee und Holzkirchen ein Hallenbad. An anderen Orten sind es Freibäder.

Können Sie in den vielen Seen keine Kurse geben?

Wir werden es heuer ausprobieren. Aber eigentlich sind die Seen zu kalt. Im Endeffekt brauchen wir für die Kinder Neoprenanzüge. Zudem ist es schwierig, regelmäßige Kurse zu geben, wenn wir vom Wetter abhängig sind. Dass wir keinerlei Ausbildungen machen können, ist momentan unser Hauptproblem.

An Ihrer Einsatzbereitschaft hat sich nichts geändert. Wann werden Sie gerufen?

Letzens hatten wir einen Fischer, der gekentert ist. Das hatte jemand beobachtet. Ein gewisses Problem sind auch die Kite-Surfer. Wenn die auf ihren Brettern sitzen und Pause machen, wird manchmal vermutet, dass jemand nicht weiterkommt. Es ist gut, dass die Bevölkerung so aufmerksam ist, aber das führt manchmal auch dazu, dass sich die Personen selbst retten, bis wir eintreffen – oder dass gar keine Gefahr bestand.

Wie können sich die Menschen auf dem Wasser schützen?

Die Fischer sollten in ihren Booten Rettungswesten tragen. Und ich habe eine Bitte an die Stand-Up-Paddler: Sie sollten immer auch über einen Kälteschutz nachdenken. Abhängig von den Außentemperaturen, ist es nicht unbedingt ratsam, in Badebekleidung auf dem See unterwegs zu sein. Es ist wichtig, selbst Verantwortung zu übernehmen und sich nicht immer auf andere zu verlassen.

Gibt es ein Ereignis, das Sie in all den Jahren besonders bewegt hat?

Generell habe ich das Glück gehabt, dass ich bei keinen belastenden Einsätzen dabei war. Aber einmal ist ein älterer Herr ertrunken. Ich war in dem Moment fast allein dagestanden, um ihn zu reanimieren. Aber seine Zeit war schon abgelaufen. Da war nichts mehr zu machen. Das ist eine sehr prägnante Erinnerung, die ich habe.

Das Gespräch führte Luisa Billmayer.

Zu dieser Serie

Das Deutsche Rote Kreuz feiert sein 100-jähriges Bestehen. Daher stellen wir die fünf ehrenamtlichen Gemeinschaften im BRK-Kreisverband vor: die Bereitschaften, die Wasserwacht, die Bergwacht, das Jugendrotkreuz und die Wohlfahrt- und Sozialarbeit.

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