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„Hohe Ehrung“ für Miesbach: Der Erhebung zur Stadt vor 100 Jahren ging während des Zweiten Weltkriegs ein zähes Ringen voran.

Königliche Regierung ließ sich überzeugen

100 Jahre Stadterhebung Miesbach - Eine Vision für die Zeit nach dem Krieg

Die Stadterhebung Miesbachs im Jahr 1918 war kein Selbstläufer. Mitten im Ersten Weltkrieg brauchte es visionäre Weitsicht und Engagement. Ein Rückblick in die letzten Tage des bayerischen Königreichs.

Miesbach – Es war ein einfaches Telegramm, das Miesbachs Geschichte aber entscheidend veränderte: „Seine Majestät der König haben am 6. Mai 1918 allergnädigst zu genehmigen geruht, dass der Markt Miesbach fortan die Bezeichnung ‚Stadt‘ führt.“ Dieses Dokument war am 10. Mai 1918 beim Bezirksamtmann de Rudder eingetroffen, wurde jedoch erst am 24. Mai 1918 an den Magistrat von Miesbach weitergeleitet. Recht lapidar fiel auch der Eintrag ins Beschlussbuch des Magistrats vom 14. Mai 1918 aus: „Miesbach wurde nach Glückwunschtelegramm Seiner Exzellenz des Herrn Staatsministers von Brettreich am 10. Mai 1918 zur Stadt erhoben. ... Die Festsitzung fand am 13. Mai 1918 um 11.00 Uhr vormittags statt.“

Mehr Aufschluss bietet ein Blick in den Vorgänger unserer Zeitung. Der Miesbacher Anzeiger berichtete, dass die Stadtväter, ein wenig überrascht, nicht wirklich damit gerechnet hatten. Man war im fünften Jahr des Krieges, die Zeiten waren höchst ernst und schwer, und es kämpften noch, wie der Anzeiger formulierte, „viele unserer Mitbürger für den Bestand und die Zukunft unseres Vaterlandes“.

Franz Fertl beantragte zusammen mit Franz Josef Doll die Stadterhebung.

Trotz der schwierigen Zeit ließ man es sich nicht nehmen, im kleineren Rahmen eine Festsitzung im Rathaus zu zelebrieren. Auch hatte man gebeten, die Häuser am Tag der Festsitzung zu beflaggen. Hochgestellte Persönlichkeiten aus Politik, Kirche und Schule waren neben dem Gemeinde- und Magistratskollegium dazu eingeladen und wurden nun erstmalig als „Ehrenbürger, Vertreter, Bürger und Beamte der Stadt Miesbach herzlichst von Bürgermeister Schröck begrüßt“.

Gemeindeverfassungsmäßig änderte sich durch den neuen Status nichts. Miesbach besaß ja bereits seit 1870 seine Stadtverfassung. Vielmehr hob Schröck die „hohe Ehrung“ hervor und formulierte „das treue Gelöbnis, den Tag zu Tag wachsenden Gemeindeaufgaben – mögen sie nun auf Gesetz oder Freiwilligkeit beruhen – kulturfortschrittlich und opferfreudig zu obliegen zum Wohle der Stadt Miesbach und des Staatsganzen.“ Ein Satz, wie er auch heute noch – 100 Jahre danach – Gültigkeit hat.

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Der Stadterhebung war ein zähes Ringen vorausgegangen, das sich fast drei Jahre hinzog. Zwei Mitglieder des Gemeindekollegiums, Josef Fertl und Alois Doll, beide Mitglieder der SPD, hatten die Stadterhebung forciert. Am 30. Juni 1915 hatten sie den schriftlichen Antrag gestellt: „Das Gemeindekollegium wolle beschließen, es sei an oberster Stelle durch die beiden Kollegien um Erhebung des Marktes Miesbach zur Stadt nachzusuchen.“

Das Magistratskollegium schloss sich dem Antrag an, wollte diesen jedoch bis zum Ende des Krieges zurückstellen. Doll – sein Kollege Fertl war 1916 gestorben – war vom nahen Kriegsende nicht mehr überzeugt und startete am 6. August 1917 erneut einen Antrag an das Gemeindekollegium, den Marktmagistrat davon zu überzeugen, unverzüglich in Verhandlungen zu treten, um Miesbach zur Stadt zu erheben.

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Das Gemeindekollegium stimmte dem Antrag zu, was wiederum den Magistrat dazu brachte, in der Sitzung vom 17. September 1917 darüber abzustimmen, was schließlich mit 5:2 Stimmen befürwortet wurde: „Gleich dem Gemeindekollegium beschloss auch der Magistrat, Schritte zu unternehmen für die Erhebung des Marktes zur Stadt.“

König Ludwig III. genehmigte die letzte Stadterhebung des Königreichs „allergnädigst“.

Mit entsprechenden Bittgesuchen und Beilagen an das Königliche Bezirksamt legte man die Vorzüge und Verhältnisse in Bezug auf Ordnung, Sicherheit und Finanzen dar und wies unter anderem auch darauf hin, dass der Ort mit Verlust des Bergwerks 1911 eine entsprechende Kompensation versprochen worden war.

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Die königliche Regierung ließ sich schließlich überzeugen und Miesbach erhielt, als letzte Gemeinde des Königreiches Bayerns – und vielleicht auch des gesamten Kaiserreiches, die Auszeichnung. Eine offizielle Verleihungsurkunde ist zwar nicht überliefert, der Abdruck der Mitteilung und das Telegramm des Staatsministers von Brettreich bezeugen aber offiziell den Vorgang.

Barbara Wank und Alexander Langheiter


So feiert Miesbach seine Jubiläen

Am Sonntag, 8. Juli, ist der große Tag: Stadt und Freiwillige Feuerwehr feiern ihre Jubiläen mit einem großen gemeinsamen Festzug: Miesbach wurde vor 100 Jahren zur Stadt erhoben, und die Feuerwehr wurde vor 150 Jahren gegründet. Start ist um 6 Uhr mit dem Weckruf der Floriansjünger. Ab 8 Uhr folgt der Empfang der Vereine im Festzelt auf der Volksfestwiese. Aufstellung zum Kirchenzug ist um 9.30 Uhr. Der Festgottesdienst beginnt um 10 Uhr im WaitzingerPark. Der große Festzug durch die Stadt startet um 11.30 Uhr. Die Veranstalter rechnen mit etwa 1500 Teilnehmern. Am Habererplatz wird – wie bereits bei der 75-Jahr-Feier 1993 – die Szene gespielt, wie die Nachricht von Bayerns letztem Kö- nigs Ludwig III. den Miesbachern mitgeteilt wurde. Dabei wirken unter anderem mit Zweiter Bürgermeister Paul Fertl als König Ludwig, Peter Rosner als Bürgermeister Hermann Schröck und Joachim Baumann als Telegrammbote. Im Anschluss folgt die Verteilung der Ehrengaben, bevor das Fest im Bierzelt gemütlich ausklingt. Die Zugstrecke nach der Kirche führt vom Stadtplatz über Lederer- und Frühlingstraße zu Marienplatz und Marktplatz. Über Rathaus- und Bahnhofstraße geht’s zurück zum Festzelt an der Schlierseer Straße. Feuerwehr und Stadt freuen sich, wenn die Häuser entlang der Strecke geschmückt werden. Fahnen für Fenster und Balkone gibt es in verschiedenen Größen – 60 Zentimeter mal 90 Zentimeter, 90 Zentimeter mal 150 Zentimeter und 150 Zentimeter mal 250 Zentimeter – bei Betten Thoba, Bahnhofstraße 6, 0 80 25 / 14 02. ddy 

So gründete sich die Miesbacher Feuerwehr

Mit Feuer hat man in Miesbach über die Jahrhunderte hinweg immer wieder schlimme Erfahrungen gemacht. Wie die Feuerwehr in ihrer Festschrift zusammenfasst, wurde im Jahr 1527 zum ersten Mal über die große Brandkatastrophe berichtet. Innerhalb von zwei Stunden brannte fast der ganze Markt Miesbach ab. Fast die gesamte Bevölkerung wurde dabei obdachlos. Die nächste Feuerkatastrophe ereignete sich am 25. Mai 1725 zur Mittagszeit. Kinder hatten auf dem Dachboden des kurfürstlichen Brauhauses gezündelt. Wieder breitete sich das Feuer rasend schnell aus. Durch den Feuersturm fortgetragene Dachschindeln setzten dabei den Unteren Markt in Brand. Auch die Kirche wurde ein Raub der Flammen. Ein starkes Gewitter löschte zum Glück die letzten Brandherde.

Mit der Gründung des Turnvereins im Jahre 1863 kam Bewegung in den Brandschutz. Die Gemeinde Miesbach stellte dem Verein den Turnplatz zur Verfügung und half bei der Anschaffung der Geräte – im Gegenzug verlangte sie, dass der TV bei der Bildung einer Feuerwehr mithalf. So wurde am 16. Dezember 1868 innerhalb des Vereins eine Turnerfeuerwehr gegründet. Sie bildete den Kern der Wehr und stellte die Steigermannschaft, die im Brandfall auf der Leiter stehen musste. Das war die Urzelle der heutigen Wehr. Im Jahr 1887 gründete sich die Freiwillige Feuerwehr Miesbach neu. Der nächste Neubeginn war nach dem Kriegsende 1945. Im Jahr 1969 wurde der Grundstein für den Neubau des Feuerwehrhauses gelegt. Am 13. September 1971 wurde es eingeweiht.

ddy


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