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Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Rzehak betonte in seinem Grußwort die Bedeutung der Kreisklinik.

20 Jahre Krankenhaus Agatharied

Der Landkreis als Vorreiter - sogar für Dänemark

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Das Krankenhaus Agatharied muss und wird sich weiterentwickeln. Das wurde bei den Festreden anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Kreisklinik deutlich.

Miesbach – Der Tag für den offiziellen Festakt war bewusst gewählt. Zwar nahm das Krankenhaus Agatharied erst im Oktober 1998 seinen Betrieb auf, doch ohne Altlandrat Norbert Kerkel wäre das Projekt wohl nicht mit der erforderlichen Vehemenz vorangetrieben worden. Kerkels Todestag jährte sich an diesem Dienstag zum zehnten Mal, und so saßen zur Feierstunde nicht nur die Spitzen von Krankenhaus und Kommunalpolitik mit Vertretern des Gesundheitswesens im Festsaal des Bayerischen Hofs in Miesbach, sondern als Ehrengäste in der ersten Reihe auch Kerkels Frau Käthi und ihre Familie.

Der aktuelle Landrat und Aufsichtsratsvorsitzende der Klinik, Wolfgang Rzehak, würdigte Kerkels damaligen Einsatz und bekannte sich zum Krankenhaus: „Wir werden es in kommunaler Hand behalten.“ Die Gesundheitspolitik mache es den Trägern freilich nicht einfach. „Das derzeitige System ist eine Mischung aus Planwirtschaft und Turbokapitalismus – allerdings von beiden Seiten das Schlechte“, sagte Rzehak. Unabhängig davon werde man das Haus fit für die Zukunft machen.

Geschäftsführer Michael Kelbel gratuliert Käthi Kerkel. Sie hatte am Tag des Festakts Geburtstag.

Zukunftsfähig – dieser Begriff zog sich wie ein roter Faden durch alle Redebeiträge. Ministerialdirigent Herwig Heide, Leiter der Abteilung Krankenhausversorgung im Bayerischen Gesundheitsministerium, bescheinigte dem Landkreis, schon früh die richtigen Weichen gestellt und vor 20 Jahren Mut und Weitblick bewiesen zu haben. Der Schritt, mehrere kleinere Häuser zu schließen und dafür eine zentrale Klinik zu eröffnen, stehe in anderen Landkreisen in Bayern erst noch an.

„In Zukunft wird es noch mehr Kooperationen über Gebietsgrenzen hinweg geben müssen“, sagte Heide. Die richtigen Entscheidungen zu treffen und damit das Überleben zu sichern, liege in der Verantwortung der Kliniken und der Träger selbst. „Der Freistaat kann keine Häuser vom Netz nehmen“, stellte er klar. Letztlich entscheide auch der Patient über den Erfolg eines Krankenhauses. Heide: „Die Bevölkerung stimmt mit den Füßen ab.“

Der Ministerialdirigent prophezeite, dass sich die Versorgungsstrukturen in den Krankenhäusern ändern. Das starre Nebeneinander von ambulanter und stationärer Versorgung werde aufgebrochen werden müssen, weil die ambulante Versorgung sonst insgesamt in Gefahr gerät. Schon jetzt fördere der Freistaat neue Wege. Als Beispiel nannte er die Telemedizin.

Einen Blick nach Dänemark warf Andreas Beivers. Das skandinavische Land habe quasi den Landkreis Miesbach kopiert, viel Geld in die Hand genommen und neue Super-Hospitals gebaut, berichtete der Ökonomieprofessor an der Hochschule Fresenius in München. Das Modell sei freilich nicht 1:1 auf Deutschland übertragbar – sonst gäbe es hierzulande nur noch 318 Krankenhäuser mit Notaufnahme. Das Beispiel aber zeige, dass es in Zukunft ohne Kooperationen nicht funktionieren wird. Denn auch Kliniken stünden mehr denn je im Wettbewerb. Beivers forderte zugleich, in der ständigen Qualitätsdebatte mehr als bisher über die Indikationsqualität zu sprechen, also darüber, Qualitätsmaßstäbe schon bei der Wahl der richtigen Behandlungsmethode anzusetzen. „Dann könnte man sich hinterher“, sagte Beivers, „so manche Qualitätsdiskussion sparen.“

Einen Blick in die Zukunft warf Klinik-Geschäftsführer Michael Kelbel. Den allerdings hatte er als Rückblick aus dem Jahr 2038 konzipiert – gelegentliche Zeit- und Gedankensprünge eingeschlossen. Ein Buffet wie vor 20 Jahren könne man sich 2038 zwar nicht mehr leisten, berichtete er, man habe aber über die Jahre Meilensteine gesetzt: ein ambulantes Operationszentrum in Holzkirchen im Jahr 2018, ein Bauchzentrum Bayerisches Oberland und eine Geriatrische Rehabilitationsklinik etwa um 2020, ein Notfall- und Behandlungszentrum und ein teilstationäres Behandlungszentrum etwa um 2022 und letztlich auch ein Pflegehotel. Dort kommen Patienten mit ambulanten Operationen und zur Kurzzeitpflege unter. Kelbel ließ durchblicken, dass vieles davon von ihm angeschoben wurde. 2038 sei er ja offensichtlich immer noch Geschäftsführer. Künftig wie jetzt gelte: „Wir haben heute die gleichen Herausforderungen wie schon damals.“

sh

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