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2G plus in Restaurants? Bayerns Wirte außer sich - „Todesstoß“

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Von: Alexandra Korimorth

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Coronavirus - 2G plus in der Gastronomie
Ein Hinweisschild mit Aufschrift „Achtung! 2G+ Regel“ steht vor einem Restaurant. Ob 2G plus auch in Bayern kommt, ist noch fraglich. © Julian Stratenschulte / dpa

Was würde die Umsetzung von 2G plus für Gastronomen im Kreis Miesbach bedeuten, und wie lief es mit 2G? Das haben wir einige von ihnen am Wochenende gefragt.

Landkreis - Bund und Länder haben am Freitag Ergänzungen der geltenden Corona-Regeln vereinbart – darunter die Einführung von 2G plus in der Gastronomie. Damit gäbe es Zutritt nur noch für Geimpfte und Genesene mit negativem Test. Die Testpflicht entfiele nur für Geboosterte. Bayerns Regierungskoalition aus CSU und Freien Wählern will einen Sonderweg gehen. Was halten die Gastronomen im Landkreis von 2G plus? Was würde die Umsetzung für ihren Betrieb bedeuten, und wie lief es mit 2G? Das haben wir einige von ihnen am Wochenende gefragt.

2G plus in der Gastronomie: „Besser einen Lockdown für alle beschließen“

Florian Guggenbichler vom Café Mesner in Schliersee: „Mit 2G hat es bisher sehr gut funktioniert, weil wir ganz konsequent die Vorgaben erfüllt haben und uns auch sehr genau an alles gehalten haben. Auch wenn das bedeutet hat, dass wir täglich Leute abgewiesen haben, die immer noch ohne Ausweis oder Impfnachweis unterwegs waren. Ohne Frage: Der Umsatz war unter 2G rückläufig. 2G plus betrachte ich aus mehreren Gründen mit großer Sorge. Einmal finanziell, denn die Umsätze werden unter 2G plus noch einmal zurückgehen, wenn die Restaurants und Cafés nicht ohnehin einfach geschlossen bleiben.“

Guggenbichler: „Zum anderen fürchte ich, dass es sich die breite Masse der Bürger nicht mehr gefallen lassen wird, dass mit zweierlei Maß gemessen wird. In der Gastronomie sitzt jeder Tisch für sich. Außerdem haben wir Lüftungskonzepte. Aber beim Einkaufen im Supermarkt spielen Abstände keine Rolle. An Weihnachten und vor Silvester ging es da zu wie Hölle. Ich kann nicht nachvollziehen, warum 2G plus nur für einen Branche gelten soll. Der wirtschaftliche Schaden ist immens. Dann sollte die Regierung doch besser einen Lockdown für alle beschließen und diesen dann bezahlen, als so eine halbzähe Geschichte durchziehen.“

Hans Vogl.
Hans Vogl, Wirtesprecher und Altwirt in Großhartpenning. © Thomas Plettenberg

Hans Vogl vom Altwirt in Großhartpenning: „Ich verstehe nicht, warum alles auf dem Rücken der Gastronomen ausgetragen wird. Erst hatten wir 3G. Das lief noch ganz ok. Dann kam 2G. Damit ist uns der gesamte Geschäftskundenbereich weggebrochen. Sämtliche Tagungen wurden abgesagt, denn es war den Unternehmen generell zu heikel, diese durchzuführen, oder es war zu aufwendig, wenn unter den Teilnehmern Geimpfte und Ungeimpfte waren. Auch die Weihnachtsfeiern wurden abgesagt. 2021 hatten wir nur eine einzige, im Vergleich sind es bei uns sonst um die 60. Falls jetzt 2G plus kommen sollte, macht es das nicht einfacher.“

2G plus in der Gastronomie: „Wegen einem Schnitzel wird keiner einen Schnelltest machen“

Vogl: „Auch wenn Ministerpräsident Söder sich ablehnend geäußert hat, die erste Absage haben wir schon erhalten. Die Letzten, die noch kommen wollten, bleiben mit 2G plus aus. Wegen einem Schnitzel wird keiner einen Schnelltest machen lassen. Es steht zu erwarten, dass die Leute dann einfach ganz zu Hause bleiben. Wir brauchen Unterstützung vom Staat. 2G plus halte ich für sehr unverständlich, denn die Gastronomie mit allen Vorsichtsmaßnahmen, wie wir sie treffen, ist definitiv nicht der Pandemietreiber.“

Sophia Mairhofer.
Sophia Mairhofer, Café Winklstüberl in Fischbachau. © Archiv

Sophia Mairhofer vom Café Winklstüberl in Fischbachau: „Die 2G plus-Regelung macht die ohnehin schon schwierige 2G-Situation für die Gastronomen nur noch schwieriger. Und einige Leute haben jetzt schon wenig Verständnis für die Regelungen, die ja auch in der Außengastronomie gelten. Da haben wir uns etliches anhören dürfen, und das macht den Mitarbeitern auch nicht nur Freude. Ich denke, dass sich das nicht verbessert, wenn jetzt zusätzlich noch ein weiterer Nachweis zu erbringen ist. Mal abgesehen davon, dass es einen weiteren hohen Kostenaufwand bedeuten würde.“

Wirte besorgt wegen 2G plus - „2G hat trotz Extra-Aufwand ganz gut funktioniert“

Mairhofer: „Falls 2G plus kommen sollte, bräuchten wir dann allein zwei bis drei Leute im Personal, die nur für die Kontrolle zuständig wären. Und die müsste man erst schulen, weil ja keiner von uns ein Experte im Auslesen von Corona-Test-Nachweisen ist. Wir haben keine Befürchtungen, dass Gäste ausbleiben könnten. Denn wir haben eine Teststation direkt auf unserem Parkplatz stehen. Wir hatten seit Ende November für einen Monat zugemacht, um uns zu reorganisieren. Jetzt haben wir wieder offen, und 2G hat trotz Extra-Aufwand ganz gut funktioniert. Wir schauen uns jetzt für ein paar Wochen an, wie es weiterläuft, und entscheiden dann auf Sicht.“

Marcus Votteler.
Marcus Votteler, Firstalmen und Jagahüttn am Spitzingsee. © Christian Scholle

Marcus Votteler von den Firstalmen am Spitzingsee: „Wir können schon die 2G-Regel ohne externe Hilfe selber gar nicht stemmen. Für unsere insgesamt drei Betriebe – Untere Firstalm, Obere Firstalm und Jagahüttn – haben wir seit Einführung der 2G-Regel vier Leute von der Oberland Security mit der Überprüfung der erforderlichen Nachweise beauftragt. Mit unserem Personal wäre das nicht zu schaffen. Wie das nach den Ferien läuft, also ob wir weiter Unterstützung brauchen oder vielleicht sogar reduzieren können, werden wir sehen. Die 2G-Regel bedeutet für uns auf jeden Fall einen finanziellen Mehraufwand. Aber nicht nur das.“

Corona in Bayern: 2G plus in Restaurants? „Wäre Todesstoß für gesamte Gastronomie“

Votteler: „Wir haben auch von Leuten, die keinen Ausweis oder Impfnachweis dabei hatten und die wir abweisen mussten, negatives Feedback bekommen. Obwohl wir ja nur das umsetzen, was uns der Staat vorschreibt. Wenn jetzt 2G plus käme, wäre das verheerend, weil es technisch gar nicht umsetzbar wäre. Die Hürden für einen Besuch wären so hoch, dass die Gäste wahrscheinlich gar nicht mehr kommen und sie sich zu privaten Feiern zu Hause animiert fühlen werden. 2G plus wäre der Todesstoß für die gesamte Gastronomie.“

Petra Spiegler.
Petra Spiegler, Gasthof Zur Post in Warngau. © Christian Scholle

Petra Spiegler vom Gasthof Zur Post in Warngau: „2G plus halte ich für einen totalen Schwachsinn. Diese Regelung bedeutet wahrscheinlich den Untergang vieler weiterer Kollegen. Viele Gastronomen werden sich zumindest sehr schwer tun, weil die Leute übervorsichtig sind und einfach wegbleiben. Die Organisation wäre sicher irgendwie machbar, aber ich fürchte, die Gäste werden erst gar nicht kommen. Wir haben schon lange überlegt, wie wir das mit 2G machen, und hatten von Ende November bis jetzt nur an Sonn- und Feiertagen offen. Wenn Herr Söder entscheidet, dass 2G bleibt, ist das machbar.“

Corona-Regeln in Bayern: „2G plus halte ich für totalen Schwachsinn“

Spiegler: „Aber wie man es macht, ist es verkehrt: Aufsperren fühlt sich nicht richtig an und ist mit Extra-Aufwand verbunden, geschlossen bleiben ist aber auch keine Lösung. Wir brauchen nämlich jeden Gast. Deshalb werde ich am Donnerstag wieder aufsperren – allerdings mit zwei statt einem Ruhetag – und sehen, was kommt und mit wie viel Personal es klappt. Man kann ja schließlich nicht verlangen, dass die Mitarbeiter rumstehen und auf Gäste warten. Sie leben schließlich zum Teil vom Trinkgeld. Ich hoffe sehr, dass Söder bei seinem 2G bleibt. Die normale Ausnahmesituation ist schon schwer genug. 2G plus wäre Wahnsinn.“

Schorsch Ertl.
Schorsch Ertl, Aibl-Alm in Kreuth. © Archiv

Schorsch Ertl von der Aibl-Alm in Kreuth: „Bei uns auf der Aibl Alm lief 2G in den letzten Wochen sehr gut. Alle unsere Gäste haben die Regelungen akzeptiert und waren verständnisvoll. Drei Leute mussten wir wegschicken, weil sie ihren Impfnachweis oder den Personalausweis nicht dabei hatten. Die haben ihn zu Hause geholt und kamen wieder. Dass vor allem die großen Weihnachtsfeiern abgesagt wurden, lag nicht an 2G, sondern daran, dass um 22 Uhr Schluss sein musste. Unter 2G lief es bei uns dennoch ganz ordentlich. Wir halten die Abstandsflächen ein, belegen nicht voll, und unsere Bedienungen tragen Masken.“

Ertl: „Wir hatten auch keinen großen Extra-Aufwand an Personal oder finanziellen Mitteln. Mit 2G konnten wir alles in allem supergut leben. Wenn 2G plus kommen täte, wäre das Plus aber kein Plus. Dann müssten wir noch genauer hinschauen, und der Zeitaufwand wäre größer. Wenn viel Betrieb ist, müssten wir vermutlich eine Bedienung mehr mitlaufen lassen, die ausschließlich kontrolliert. Abgesehen davon würde das Plus bei uns keinen Unterschied machen. Wegen dem Plus werden wir der Pandemie bestimmt nicht Herr.“

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