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„Warum wieder unsere Branche?“ - Bistro öffnet nach 3G-Regel nur Außenbereich: Nutzer reagieren eindeutig

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Von: Christine Merk

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Drinnen geht nichts mehr: Gäste des Bistros im Regionalladen MachtSinn in Holzkirchen können nur noch draußen essen. Die geforderte Kontrolle ist im Tagesgeschäft nicht zu stemmen, sagt Andrea Brenner.
Drinnen geht nichts mehr: Gäste des Bistros im Regionalladen MachtSinn in Holzkirchen können nur noch draußen essen. Die geforderte Kontrolle ist im Tagesgeschäft nicht zu stemmen, sagt Andrea Brenner. © Thomas Pletenberg

Liegt die Inzidenz bei 35 oder darüber, dürfen nur noch Geimpfte, Genesene und Getestete ins Lokal. Die 3G-Regel sorgt bei Gastronomen für Unverständnis.

Landkreis – Die Gastronomen fühlen sich ungerecht behandelt und haben dabei viele Unterstützer: Ihre Statements auf Facebook bekommen Hunderte Likes. „Bei uns müsst Ihr Euch in Zukunft warm anziehen!“, schreiben die Betreiber des Holzkirchner Regionalladens MachtSinn auf Facebook. Sie ziehen ihre eigenen Konsequenzen aus der 3G-Regel: Im bio-zertifizierten Bistro stehen vorerst nur noch die Außenplätze zur Verfügung.

3-G-Regel in der Gastronomie: Schon wieder Coronabeschränkungen - Wirte sauer

„Die Vorstellung, dass die 3Gs im Trockenen sitzen und die übrigen Gäste ,nur’ im Garten Platz nehmen dürfen, ist für uns nicht tragbar“, erklären sie weiter. Und: „Als Gastgeber mit Herzblut können wir diesem Weg nicht folgen.“ Mitinhaberin Andrea Brenner erklärt, warum sie und ihr Partner Bernhard Wolf sich zu diesem Schritt entschlossen haben. „Wir lehnen die 3G-Regel nicht grundsätzlich ab“, sagt Brenner.

„Aber für uns ist die Kontrolle einfach nicht machbar. Wir müssten dafür extra jemanden anstellen.“ Da sei es wirtschaftlicher, auf die Innenplätze zu verzichten. „Die meisten Gäste sitzen jetzt eh lieber draußen.“ Brenner räumt ein, dass die geforderte Gästekontrolle vielleicht im Abendgeschäft der Gastronomie möglich sei, aber nicht im Mittagsgeschäft. Dafür nämlich ist das Bistro in der Raiffeisenstraße ausgelegt. Mittags kommen viele Berufstätige. „Diese Leute wollen schnell essen und dann wieder in die Arbeit“, sagt Brenner.

Corona-Beschränkungen: Gastronomie sei kein „Pandemietreiber“ - „Warum dann wieder unsere Branche?“

Warum die Corona-Beschränkungen jetzt wieder so massiv die Gastronomie treffen, kann sie nicht nachvollziehen. „Wir haben alle Hygienekonzepte. Wir halten die Abstände ein und bestuhlen nicht voll.“ Es sei ja immer wieder betont worden, dass die Gastronomie kein „Pandemietreiber“ sei, schreiben sie und Wolf auf Facebook. „Warum dann wieder unsere Branche?“

Das Team des MachtSinn ist keineswegs allein mit dieser Meinung. Noch drastischer formulieren Christian Maß und Margreth Nirschl vom Bistro Culinaria am Miesbacher Waitzinger Keller ihren Unmut – ebenfalls auf Facebook. „Es fällt uns schwer, die passenden Worte zu finden“, schreiben sie dort. Als Gastronomen und „vor allem als Mensch“ müssten sie sich fragen, ob die neuen Regeln sinnhaftig seien. „Haben wir in der Vergangenheit nicht bewiesen, dass wir funktionierende Hygienekonzepte haben?“ Maß und Nirschl nehmen sehr direkt die Politiker in die Verantwortung und fragen, ob diese sich mal die Zeit genommen hätten, am öffentlichen Leben teilzunehmen, ob sie öffentliche Verkehrsmittel benutzt hätten oder einkaufen waren.

„Danke für die Gleichbehandlung“: Nutzer haben Verständnis für Bistro-Entscheidung zur 3-G-Regel

Sie finden es „absolut unfair“, dass die Gastronomie so stark reguliert wird und an anderen Orten eine Maske reichen soll. Das Culinaria hat zwar seine Innenplätze geöffnet, Maß weiß aber nicht, wie lange der zusätzliche Aufwand, der mit den Kontrollen der Gäste einhergeht, wirtschaftlich machbar ist oder ob weniger Gäste kommen werden. „Wir werden sehen, was passiert. Im schlimmsten Fall müssen wir zusperren“, sagt er. Aber wie solle er seinen Mitarbeitern erklären, wenn sie wieder in Kurzarbeit gehen müssen?

Auf Facebook nennen Maß und seine Partnerin Nirschl konkrete Zahlen. Die Branche habe im letzten Lockdown 400 000 Mitarbeiter verloren, die sich neue Jobs suchen mussten. Man brauche nun „Perspektive und Zukunft und nicht weitere Regularien und Einschränkungen“, fordern sie. „Nur so können wir wieder auf die Füße kommen und vor allem weiter bestehen.“

Corona-Regeln in Bayern: „Schwarzer Peter“ für die Gastronomie - Kontrolle nicht dauerhaft leistbar

Die vermeintliche Ungerechtigkeit zwischen Gastronomie und beispielsweise dem Einzelhandel stößt auch Kurt Geiß, Inhaber des Hotel-Gasthofs Zur Post in Bad Wiessee, sauer auf. „Der Schwarze Peter wird der Gastronomie zugeschoben“, sagt er. „Dabei haben wir viel investiert. Wir haben innen und außen Trennwände, haben die Sitzplätze und die Tische reduziert.“ Er könne mit seinem Team die Kontrollen zwar stemmen, aber das koste Zeit, denn nicht jeder habe gleich den Nachweis über eines der 3Gs parat. Zwei Mitarbeiter stelle er für die Kontrollen ab. „Auf Dauer geht das nicht.“

Bei vielen Menschen stoßen die Haltungen der Gastronomen auf Verständnis. Brenner vom MachtSinn ist selbst überrascht von den vielen positiven Kommentaren auf ihr Facebook-Statement. „Respekt... finde ich Top von Euch“, „Danke für die Gleichbehandlung“, „Sollten mehr so machen“, ist da unter anderem zu lesen. Weit mehr als 800 Likes hat der Beitrag und wurde bereits über 700 Mal geteilt. Manche kündigen ihren Besuch im Bistro an, um die Initiative zu unterstützen. Sie werden natürlich im Trockenen sitzen. Die Terrasse ist zum Teil überdacht und beheizt, und alle Speisen gibt’s auch zum Mitnehmen.

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