5G, Funk, Mast
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Schnelles Internet: Vodafone will bis zu 51 Sender wie diesen in Tegernsee auf 5G aufrüsten, die Telekom plant 28 5G-Anlagen, davon zehn Neubauten.

Gegner fordern Ausbaustopp

5G: Dutzende neue Antennen im Landkreis Miesbach geplant

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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  • Christian Masengarb
    Christian Masengarb
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Der 5G-Ausbau im Landkreis Miesbach nimmt Fahrt auf. Telekom und Vodafone wollen Dutzende neue Antennen errichten. Die Gegner warnen vor Gesundheitsrisiken durch Strahlung.

Landkreis – Was die Telekom derzeit stolz vermeldet, dürfte 5G-Kritikern Angstschweiß auf die Stirn treiben: Zehn Sendemasten wird das Mobilfunkunternehmen bis Ende Juli im Landkreis auf 5G aufgerüstet haben. In Gmund, Hausham, Holzkirchen, Irschenberg, Kreuth, Miesbach, Schliersee und Tegernsee funken schon jetzt Mobilfunkstandorte im neusten Standard, schreibt das Unternehmen unserer Zeitung. Bis 2022 sollen 18 neue 5G-Masten hinzukommen – zur Verdichtung in der Stadt, Versorgung in der Fläche und entlang der Verkehrswege. „Sie können davon ausgehen, dass Sie überall, wo sie jetzt UMTS haben, bald auch 5G und LTE haben werden.“

Die Pläne der Telekom fallen in eine Debatte um 5G. Gegner fordern unter Verweis auf angebliche ungeklärte Gesundheitsrisiken einen Ausbau-Stopp (siehe unten), Gemeinden wie Bayrischzell warten ab, ob sie 5G haben wollen.

Befürworter betonen hingegen die Vorteile: Der Landkreis habe damit ein digitalen Standortplus, schreibt die Telekom. Corona habe „gezeigt, wie wichtig eine gute Kommunikationsinfrastruktur ist“, für neue Technologien und das Arbeiten außerhalb des Büros.

Auch Telekom-Konkurrent Vodafone will allen Menschen im Landkreis 5G bringen. Der Termin ist offen. Klar ist: Miesbach, Warngau, Kreuth und Tegernsee sollen als erste 5G-Antennen erhalten. Später sollen, wo möglich, alle 51 bestehenden Vodafone-Sender folgen. Auf den Landkreis kommen also Dutzende neue 5G-Sender zu.

Die Sorgen der Ausbau-Gegner teilen weder Telekom noch Vodafone. „Es werden bestehende Standorte genutzt und es wird eine bestehende Frequenz genutzt“, betonen die Deutschen. Die Technik sei daher nicht gefährlicher als jeder andere Mobilfunk. „Sendeleistung, Sendefrequenz und Antennen bleiben gleich.“

Lesen Sie auch: 5G-Mobilfunk: Kreisbäuerin warnt eindringlich vor Folgen

Die Wissenschaft unterstützt diesen Standpunkt. Rund 2500 Studien gebe es zur Sicherheit von 5G, schreibt das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Praktisch alle bestätigen: Kein höheres Krankheitsrisiko durch 5G.

Aber bedeuten neue Masten nicht automatisch mehr Wellen? Nein, meint das LGL. Deren Dosis hänge vor allem vom Handy oder Tablet ab. Ist dessen Entfernung zum Sendemast gering, senke es die Sendeleistung. Dadurch träfen die Nutzer weniger Wellen als mit einem weit entfernten Mast, bei dem sich das Endgerät mehr anstrengen muss. Deswegen sei oft „die Basisstation in der Ortsmitte die bessere Option.“

Gute Nachrichten für Ausbaugegner hat indes der dritte Netzanbieter in Deutschland, Telefonica. Der spanische Konzern, dem auch O2 gehört, will sich bei 5G zunächst auf große Städte konzentrieren. Pläne für den Landkreis: keine.

Zivilcourage fordert Ausbau-Stopp

Mit Verschwörungsmythen will die Zivilcourage Miesbach nichts am Hut haben. „Wir wollen nicht so weit gehen, wie einige Stimmen aus Wissenschaft und Medizin, die einen direkten Zusammenhang zwischen der raschen Ausbreitung des Coronavirus und 5G-Mobilfunk sehen“, schreiben Anneliese Blümel, Manfred Wagner und Andreas Kempf in ihrem offenen Brief an alle Bürgermeister sowie den Landrat des Landkreises Miesbach. Dennoch dürfe man die Einflüsse des neuen Sendestandards nicht unterschätzen: „Fest steht zumindest, dass durch dauerhafte Mobilfunkstrahlung das menschliche Immunsystem geschwächt wird“, sind die Vertreter des Aktionsbündnisses überzeugt. Deshalb fordern sie alle Gemeinden zum Verzicht auf den Netzausbau auf, solange dessen gesundheitliche Unbedenklichkeit nicht zweifelsfrei nachgewiesen sei.

Der Umgang mit der Corona-Krise habe eine größere Sensibilität von Staat und Gesellschaft für gesundheitliche Risiken gezeigt. Auch wenn viele Menschen selbst nicht akut betroffen seien, würden sie aus Solidarität die „Beschränkung von Rechten“ akzeptieren. Diese Sensibilität, findet die Zivilcourage, müsse auch für Gesundheitsrisiken gelten, die vernachlässigt worden seien. Wie eben die „zunehmende Belastung mit hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung“. Unter dem Schlagwort der Digitalisierung würde die Bundesregierung den 5G-Ausbau fördern, mögliche Risiken aber verschweigen. Dies widerspreche in „eklatanter Weise“ dem im Umweltrecht verankerten Vorsorgeprinzip.

Das Argument der Mobilfunkanbieter, dass ohne die neue Sendetechnik gerade auf dem Land keine flächendeckende Versorgung sichergestellt werden könne, stimme so nicht, betont die Zivilcourage. 5G sei lediglich für Anwendungen wie autonomes Fahren oder das Internet der Dinge nötig, nicht aber für private Online-Nutzung. Obendrein gebe es gesundheitlich unbedenkliche Alternativen, etwa mit Glasfaserkabeln oder Infrarot-Lichttechnik. Die Kosten dürften nicht den Ausschlag geben. Wie bei den Corona-Maßnahmen müsse gelten: „Gesundheitsschutz hat Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen.“

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