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Ein Vierteljahrhundert bei den Liberalen: Ulrich Lechte (l.), Ursula Lex und Daniel Föst (r.) gratulieren Bernhard Ströbel zu 25 Jahren im FDP-Kreisverband.  

70 Jahre FDP im Landkreis

Ein „Epizentrum der Liberalität“

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Die Liberalen hatten geladen, und prominente Gäste waren gekommen: 70 Jahre FDP im Landkreis. Ein Grund zum Feiern - und sich gegenseitig zu loben.

Miesbach – Die Gratulantenschar war prominent: Bayernchef Daniel Föst war da, der Bundestagsabgeordnete Ulrich Lechte, Urgestein und Ex-Staatsminister Martin Zeil, Stadtrat Claus Fahrer und viele Kollegen aus benachbarten Kreisverbänden. Sie waren in den Bayerischen Hof nach Miesbach gekommen, um mit der hiesigen Kreis-FDP deren 70-jähriges Bestehen zu feiern.

In Versform huldigte Kreisvorsitzende Ursula Lex ihre Partei als eine „coole Oma“, die sich an ihrem 70. Geburtstag mit klarem Verstand, unbequem und frei im Denken, mit Beißkraft, Ecken und Kanten und großem Durchhaltevermögen, aber wenigen Flecken auf der Weste zeige – eine äußerst fitte Optimistin. Lex versprach, dieses Erbe nicht nur zu schützen, sondern auch etwas daraus zu machen.

Damit leitete die Kreisvorsitzende an Laudator Föst über, der die Kreis-FDP auch als eine Kaderschmiede beschrieb, in der FDP-Persönlichkeiten wie der „Jahrhundert-Landwirtschaftsminister“ Josef Ertl und der Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Jäger wirkten. Der Landeschef gratulierte dem Kreisverband zum Jubiläum und zum Wahlergebnis von 12,4 Prozent bei der Bundestagswahl. „Ihr habt damit das siebtbeste Ergebnis in Bayern“, betonte Föst. Bundestagsabgeordneter Lechte sprach im Lichte dessen vom „Epizentrum der Liberalität“.

Föst lobte die Miesbacher für ihre Begeisterung, sich für Freiheit und Demokratie einzusetzen und Verantwortung zu übernehmen, damit der Mensch „Architekt seines Lebens“ sein könne. Auch innerhalb Bayerns sei die demokratische Welt nicht heil, fand der Landesvorsitzende und monierte das neue bayerische Polizeiaufgabengesetz und die „Unendlichkeitshaft“ für Menschen, von denen eine „drohende Gefahr“ ausgehe: „Es braucht die FDP, um auf die Bürger- und die Menschenrechte zu schauen.“ Freiheit, Verantwortung, Bildung und der Glaube an diese Überzeugungen würden einen FDPler ausmachen, so Föst – wie auch Rückgrat, Kampfgeist und die Akzeptanz, dass man mit der Haltung auch mal in der Minderheit ist. An dieser Stelle ehrte die FDP unter Applaus Bernhard Ströbel, der im Kreisverband seit 25 Jahren diese Haltung aktiv vertreten habe.

„Bayern geht es mit seiner Rekordbeschäftigung und den Rekordsteuereinnahmen oberflächlich betrachtet gut“, sagte Föst weiter, „aber wenn man hinter die Zahlen blickt, erkennt man, dass wir unzureichend vorbereitet sind auf die Zukunft.“ Es fehlten beispielsweise 34 Milliarden Euro im Bildungssystem. Die digitale Infrastruktur sei ein Problem, ebenso die medizinische Versorgung auf dem Land. „Das Nein zu Jamaika war ein Nein zu ‚Weiter so!‘, denn wenn wir so weitermachen, verlieren wir alle“, betonte Föst. „Es gibt viel zu tun in Bayern und in Deutschland. Die FDP ist bereit.“ Deshalb hoffe er, dass die FDP mit ihrer Modernisierungsagenda in den Bayerischen Landtag einzieht.

Bevor Ursula Lex den Stellenwert der politischen Glaubwürdigkeit durch politische Transparenz unterstrich, warnte Lechte, der im Bundestag direkt neben den Vertretern der AfD sitzt, sich von deren Gebaren provozieren zu lassen oder sie zum Maßstab der eigenen Politik zu machen.  ak

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