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Die aktuellen Zahlen: Der Landkreis Miesbach ist seit fast einem Monat frei von Neuinfektionen.

„Anfang Mai hatte ich richtig Bedenken“

93 Tage Corona im Landkreis Miesbach: Krisenstab zieht Zwischenbilanz

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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Laut Landratsamt herrschte bei der vorerst letzten Sitzung des Corona-Krisenstabes fast ausgelassene Stimmung. Die Teilnehmer zogen ein positives Fazit des Corona-Managements.

Landkreis - Laut Landratsamt herrschte bei der vorerst letzten Sitzung des Corona-Krisenstabes fast ausgelassene Stimmung. Der Katastrophenfall ist aufgehoben. Seit Wochen gibt es keine Neuinfektionen und keine besonders betroffenen Einrichtungen mehr. In 93 turbulenten Corona-Tagen hat sich der Landkreis von einem der ersten Hotspots Deutschlands zur seit fast einem Monat neuinfektionsfreien Zone gewandelt. 

„Vor meiner ersten Lagebesprechung Anfang Mai hatte ich richtig Bedenken“, gibt Landrat Olaf von Löwis bei der Lagebesprechung zu. Es sei der denkbar schwierigste Zeitpunkt für seinen Arbeitsbeginn gewesen. „Ich war froh und dankbar, gleich zu Beginn von so viel Fachkompetenz umgeben zu sein.“

93 Tage Corona im Landkreis Miesbach: Krisenstab zieht Zwischenbilanz

Mehr als 80 Mal hat sich der Krisenstab seit Beginn der Pandemie am Landratsamt gezogen. Die „Koordinierungsgruppe Corona“ aus Vertretern der niedergelassenen Ärzte, des Krankenhauses Agatharied, des Gesundheitsamtes und des Katastrophenschutzes, diskutierte die ersten positiven Fälle, Urlaubsrückkehrer aus Ischgl, noch einzeln.

„Wir sind ins kalte Wasser geworfen worden“, gibt Christian Pölt zu. Der Einsatzleiter Katastrophenschutz und sein Team haben 116 Tage Katastrophenschutz-Bereitschaft geleistet und 121 Mal bei der Regierung von Oberbayern Rapport abgeliefert. „Die Anspannung bei jedem Einzelnen war enorm“, gibt Pölt zu.

Die Zahlen pro Tag

Insgesamt haben während des Katastrophenfalls 3.619 Einsatzkräfte im und in direkter Zusammenarbeit mit dem Krisenstab geholfen. Jede Person wird bei jedem Dienstantritt neu gezählt. Hinzu kommen die Helfer unabhängig vom Krisenstab, die beispielsweise im Landratsamt oder in den Gemeindeverwaltungen zusätzliche Aufgaben übernommen haben, um die besonders betroffenen Kollegen zu entlasten. „Jeder war an der Grenze der Leistungsfähigkeit“, sagt Löwis.

69 Mitarbeiter aus dem Landratsamt und anderen Behörden meldeten sich freiwillig zur Unterstützung des Katastrophenschutzes, des Gesundheitsamtes und des Contact Tracing Teams. Zu Spitzenzeiten arbeiteten etwa 120 Personen in den Bereichen Katastrophenschutz und Gesundheitsamt. 

Eine der wichtigsten Aufgaben war das Bürgertelefon. Tausende Bürger aus dem Landkreis nahmen das Angebot der Verwaltung an. 24 Mitarbeiter betreuten die Hotline bisher über 2.000 Stunden lang an sieben Tagen pro Woche. 3.466 Überstunden häuften alleine die Mitarbeiter des Landratsamtes an. 

Die Zahlen je Gemeinde

Mit zu den schwierigsten Herausforderungen zählte laut Landratsamt Beschaffung und Verteilung der Schutzausrüstung. 2.051.641,59 Euro investierte der Landkreis für den Einkauf von Masken, Visieren, Handschuhen und Kitteln für besonders schutzbedürftige Einrichtungen. Kurzfristig musste ein eigenes Team einberufen werden, das sich ausschließlich darum bemühte, auf der ganzen Welt Schutzausrüstung zu vertretbaren Preisen aufzutreiben. 

Martin Pemler, Leiter des Krisenstabs, leitete auch das „Team Schutzausrüstung“. Er betont: „Durch die guten Kontakte unserer Landkreis-Unternehmer, unter anderem nach Asien und in die Hygiene-Branche, und das hervorragende Netzwerk in unserem Landkreis, konnten wir die Versorgung mit Schutzausrüstung zu jeder Zeit gewährleisten. Es ist dieser Unterstützung zu verdanken, dass die besonders schutzbedürftigen Einrichtungen wie Seniorenheime, Pflegedienste oder Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, aber auch Ärzte, Pfleger und Arzthelfer stets ausreichend von uns mit dem überlebenswichtigen Schutzmaterial versorgt werden konnten.“ 

Die „Unterstützungsgruppe Örtlicher Einsatzleiter“ organisierte mit 25 freiwilligen Feuerwehrlern in 1.600 Arbeitsstunden im 24-Stunden-Schichtbetrieb die Verteilung der Schutzausrüstung. Passenderweise wurde das neue Einsatzauto der Unterstützungsgruppe genau eine Woche vor Feststellung des K-Falls geliefert. Durch den größten Einsatz in der Geschichte der UG wurde das Fahrzeug inzwischen auf Herz und Nieren geprüft. 

Der THW Ortsverband Miesbach übernahm den Transport und die Lagerung der Schutzausrüstung. 48 Einsatzkräfte legten 17.000 Kilometer zurück, um 43 Tonnen Waren einzulagern und 33 Tonnen Waren zu verteilen. 1.700 Lieferungen organisierte das THW in 5.200 ehrenamtlichen Arbeitsstunden. Mitten in der Krise mussten sie am ersten April-Wochenende ihr Lager komplett neu aufbauen: Der Platz wurde zu klein, die Mengen zu groß. 

Der BRK Kreisverband Miesbach und das Krankenhaus Agatharied installierten eigene Krisenstäbe und organisierten die Patientenströme völlig neu. Die Integrierte Leitstelle Rosenheim disponierte von Mitte März bis Mitte Juni 291 Corona-Verdachtstransporte im Landkreis Miesbach. 

Auch wenn der Katastrophenfall inzwischen aufgehoben ist und die Akut-Phase des Infektionsgeschehens überstanden ist, ist die Krise für den Krisenstab noch nicht beendet. Beispielsweise läuft das Kontaktpersonenmanagement weiter, wenn beispielsweise ein Landkreisbürger Kontakt mit einer positiv getesteten Person in einem anderen Landkreis hatte. 

Außerdem arbeiten die Kräfte die vergangenen Monate nach und Verbesserungen für eine mögliche zweite Welle aus. „Die Zahlen suggerieren eine scheinbare Entspannung, aber die Entwicklung in anderen Bundesländern zeigt, wie schnell sich wieder Brennpunkte entwickeln können“, sagt Löwis. „Der Spagat zwischen der Verantwortung für die Gesundheit, vor allem die der besonders gefährdeten Mitbürger, und der verständliche Wunsch nach Lockerungen und Normalität, ist sehr schwer zu finden.“ 

Der Krisenstab wolle einen erneuten Lockdown verhindern und bereite sich deshalb auf frühzeitige, schnelle Eingriffe vor, sollten sich auch im Landkreis Miesbach wieder Hotspots abzeichnen. Der Krisenstab werde sich deshalb in kleinerer Runde weiterhin eng abstimmen.

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