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Schmucke Ansicht über den Dächern von Miesbach: An der Hangkante des Kreuzbergs steht die Villa Hartmann (r.).

Abschied von einem Miesbach prägenden Haus

Stadtrat stimmt Abriss der Villa Hartmann zu

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Die Villa Hartmann darf doch abgerissen werden – mit Zustimmung der Stadt Miesbach. Eine wichtige Bedingung gibt es aber...

Der Stadtrat hat den Neubauplänen der Eigentümer den Weg freigemacht – unter einer Bedingung: Das neue Haus soll gestalterisch der alten Villa entsprechen und in enger Absprache mit der Stadt im Rahmen eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans errichtet werden. Lediglich die SPD-Fraktion stimmte geschlossen dagegen.

Es ist eine Kompromisslösung, erörterte Bauamtsleiter Lutz Breitwieser. Wie berichtet, hatten die Eigentümer vor zwei Jahren einen Vorbescheid zum Abriss der alten Stadtvilla und Neubau zweier Einfamilienhäuser beantragt. Der Stadtrat hatte damals auf Anraten des Bauausschusses die Aufstellung eines Bebauungsplans „Kreuzberg-Nord“ beschlossen und das Areal mit einer Veränderungssperre gesichert. Letztere läuft Ende April aus.

Die Stadt zeigt sich verhandlungsbereit, weil die Möglichkeiten, die ortsbildprägende Silhouette auf der Hangkante des Kreuzbergs zu schützen, recht beschränkt ist. Zusammen mit den Villen Zenz und Glöggler bildet die Villa Hartmann zwar ein markantes Ensemble, doch dies rechtlich zu sichern, ist laut Breitwieser schwer. Für den Denkmalschutz seien die Flächen dort oben zu verbaut, und auch ein Ensembleschutz sei kaum durchzusetzen. Zudem sticht der Trumpf eines namhaften Architekten nicht. Das Gebäude wurde von Heinrich Kronenberger errichtet – ein Assisistent Gabriel von Seidls, aber eben nicht der Meister selbst.

So gesehen sei die Kooperationsbereitschaft der Bauwerber eine gute Basis. „Die Eigentümer wollen ein neues Haus, aber sie wollen es so ausbilden, dass es ins bestehende Ensemble reinpasst“, so der Bauamtsleiter. Der Bauausschuss habe den in Absprache mit Architekt Hans Meier gemachten Plänen bezüglich Silhouette, Höchstabstand zum Nachbarhaus, Proportionen, Dachform und -neigung sowie Fenstern und Kleingliedrigkeit Ende Januar 2017 grünes Licht gegeben. Damit diese Pläne tatsächlich so umgesetzt werden, soll das Projekt über einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan gesichert werden. Die Kosten tragen die Bauwerber.

Während Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FW) das „Verschwinden solcher Architektur“ bedauerte, die Kooperationsbereitschaft aber begrüßte, machte Paul Fertl (SPD) kein Geheimnis aus seinem Unmut. „Ich bin gegen diese Planung“, stellte der Zweite Bürgermeister klar. „Wir sollten alles tun, um die Villa zu erhalten.“ Sie sei Teil einer „tollen Gebäudegruppe“ und habe Fernwirkung.

Vor allem machte sich Fertl dafür stark, auf Zeit zu setzen und die Entscheidung zu vertagen. Wie er vom Referenten Burkhard Körner am Landesamt für Denkmalpflege erfahren habe, arbeite der Bayerische Landtag derzeit an einer Novelle des Denkmalschutzgesetzes. Fertls Hoffnung: „Es besteht die Möglichkeit, dass eine neue Rechtsgrundlage kommt, mit der man die Villa Hartmann erhalten könnte.“

Doch Breitwieser zweifelte: „Aktuell gibt es keine Festlegung, wie viele Einzeldenkmäler es für ein Ensemble braucht. Und wir wissen nicht, ob wir nach der Novelle wirklich ein Ensemble bekommen.“ Denn der bereits erfolgte Neubau des vierten Hauses in der Reihe breche – ebenfalls laut Körner – die Ansicht. Zudem sei zweifelhaft, ob man trotz Ensemble die Villa Hartmann erhalten kann. Denn, so Breitwieser: „Der Bauwerber bekommt den Abbruch, wenn sich dieser nicht nachteilig auf die Ansicht auswirkt.“ Genau dies sei mit dem vorhabenbezogenen Bebauungsplan gewährleistet. Franz Mayer (CSU) verwies auf die „bestehende Vertrauenssituation“. Dem folgte die Mehrheit. Gegen die fünf Stimmen der SPD-Fraktion wurde auch die Veränderungssperre aufgehoben – als Voraussetzung für den Bebauungsplan.

ddy

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