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Gefahr vorübergehend gebannt: (v.l.) Hannes Sommer und Siegfried Splisteser vom Miesbacher Bauhof beseitigen Schlaglöcher in der Schlierseer Straße auf Höhe des Waitzinger Kellers.

Wie sie entstehen, wie sie bekämpft werden

Achtung Schlagloch: Das müssen Autofahrer wissen

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Sie sind das Autofahrer-Ärgernis schlechthin: die Schlaglöcher. Wie sie entstehen und wie die Straßenmeister den Rüttelpisten zu Leibe rücken, erklären wir in unserem großen Überblick.

Landkreis – Wenn das große Tauen beginnt, brechen nicht nur die Schneedecken auf, sondern auch die Straßen. Und während die Fußgänger über die Wasserpfützen hüpfen, beginnt für die Autofahrer das große Zick-Zack-Fahren. Schuld sind die unzähligen Schlaglöcher, die den im Winter scheinbar makellosen Asphalt in eine gefährliche Kraterlandschaft verwandeln. Auch in diesen Wochen fluchen die Pkw-Lenker wieder über die unangenehmen Rüttelpisten. Und wie jedes Jahr denken die meisten: „So schlimm wie heuer war’s noch nie.“ Doch stimmt das wirklich? Und wie entstehen Schlaglöcher eigentlich? Lassen sie sich wirklich dauerhaft bekämpfen? Wir haben uns beim Bauhof Miesbach und der Straßenmeisterei Hausham umgehört.

Die aktuelle Lage

Seit die große Kälte vorbei ist, hat die Schlagloch-Jagd bei der Straßenmeisterei Hausham begonnen. Bis zu vier Kleintrupps fahren täglich die insgesamt 210 Kilometer Staats- und Bundesstraßen im Landkreis ab. Sie kontrollieren und bessern aus. Die besonders kritischen Stellen – etwa der Tölzer Berg in Gmund oder die Staatsstraße von Parsberg Richtung Leitzach – werden sogar zwei Mal pro Woche in Augenschein genommen. „Wir kennen unsere wunden Punkte“, sagt Straßenmeister Horst Müller. Durch die lang anhaltende Kältewelle sei die Situation heuer „besonders markant“. Der Frost sei bis tief in den Boden eingedrungen, der nachfolgende Regen habe sein übriges dazu getan.

Das bereitet auch dem Miesbacher Bauhof eine Menge Arbeit. Die Männer von Josef Harraßer sind meist zu zweit im Unimog mit Anhänger unterwegs, um die Löcher im insgesamt 80 Kilometer langen Straßennetz der Kreisstadt zu flicken. Wo sie zuerst gefragt sind, entscheiden sie meist nach Augenmaß. „Wir sind ja selbst laufend in der Stadt unterwegs“, meint Harraßer schmunzelnd. Teilweise würden aber auch die Bürger einen Schlagloch-Notruf absetzen. Die Brennpunkte – etwa die Von-Vollmar-Straße und der Bereich Auf der Grün neben dem Friedhof – sind den Bauhofmitarbeitern aber ohnehin bestens bekannt. „Da ist es schon besonders schlimm“, sagt Harraßer.

Die Ursache

Alles beginnt mit einem kleinen Riss im Asphalt. Der kann zum Beispiel durch viel Schwerverkehr oder einen schlechten Untergrund entstehen. „Da dringt dann Wasser ein“, erklärt Straßenmeister Müller. Im Sommer ist das noch relativ harmlos. Nicht aber, wenn der Boden tiefgefroren ist. Dann nämlich entwickelt das eindringende Wasser eine regelrechte Sprengwirkung – die Straße platzt auf. Beim einsetzenden Tauwetter lösen sich die Teerbrocken dann aus der Asphaltdecke.

Die Schlaglöcher tauchen quasi wie aus dem Nichts auf. Nicht peu à peu, sondern meist alle auf einmal. Von heute auf morgen gleicht die im Winter scheinbar makellose Straße einem Schweizer Käse. Anders als manche Autofahrer vermuten, seien die Räumfahrzeuge dafür nicht verantwortlich, sagt Harraßer. „Die reißen es nur raus.“

Die Reparatur

Hier ist echte Handarbeit gefragt. Zuerst hacken die Mitarbeiter die losen Teerstücke aus den Schlaglöchern, dann sprühen sie eine Art „Haftkleber“ auf. „Den braucht es, damit sich das Füllmaterial mit dem Untergrund verbindet“, erklärt Müller. Weil für die Flickarbeiten im gefrorenen Untergrund kein heißer Asphalt in Frage kommt, müssen die Straßenmeister auf sogenanntes Kaltmischgut zurückgreifen. Eine teerartige Substanz, die in 20- bis 30-Kilo-Kübeln erhältlich ist. Das Prinzip gleicht dem eines Zwei-Komponenten-Klebers. „Die Masse reagiert mit Feuchtigkeit und Kälte und löst damit einen Erhärtungsprozess aus“, sagt Müller. Mit einem Stampfer oder einer Rüttelplatte wird die Füllung dann so gut es geht verdichtet.

Die Haltbarkeit

So effektiv das Flicken im ersten Moment auch erscheinen mag: Auf Dauer ist den Schlaglöchern nur durch eine Sanierung des entsprechenden Straßenabschnitts beizukommen. Je nach Schaden muss dabei nicht nur die Decke, sondern auch der Untergrund erneuert werden. „Aber dafür muss das Geld da sein“, sagt Bauhofleiter Harraßer. Die Straßenmeisterei greift seit 2008 auf eine Art Kompromisslösung zurück. Bei der sogenannten Kleinflächensanierung tragen beauftragte Spezialfirmen die beschädigte Straßenschicht mit einer Fräse ab und füllen anschließend mit heißem Asphalt wieder auf. Langfristig in den Griff bekommen lässt sich die Schlaglochgefahr hingegen nur mit einem Ausbau der Straße. „Da führen wir natürlich eine Prioritätenliste“, sagt Müller. Für 2017 seien mit dem Tölzer Berg in Gmund und der Strecke zwischen Parsberg und Leitzach zwei Brennpunkte eingeplant.

Die Rechtslage

Jeder Autofahrer, der seinen Reifen schon einmal bei Dunkelheit in einem Schlagloch versenkt hat, stellt sich diese Frage: Wer ist eigentlich schuld, wenn dadurch ein Schaden oder gar ein Unfall passiert? Straßenmeister Müller verweist dabei auf den Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung. „Jeder muss sein Fahrverhalten den Straßenverhältnissen anpassen“, sagt er. Um mögliche Haftungsansprüche zusätzlich auszuschließen, mache der Straßenbaulastträger „alles Menschenmögliche“, um die Verkehrswege in sicherem Zustand zu erhalten. Da gehöre eben auch das Ausbessern von Schlaglöchern dazu. Sollte sich dies einmal nicht zeitnah durchführen lassen, würde man mit einer entsprechenden Beschilderung auf die Schäden hinweisen, sagt Müller. „Damit sichern wir uns rechtlich ab.“

Leser-Aufruf

Jeder Autofahrer hat sein „Lieblingsschlagloch“. Wir wollen die schlimmsten Kandidaten im Landkreis sammeln und in einer Karte veröffentlichen. Dabei sind wir auf Ihre Mithilfe angewiesen. Wenn auch Sie uns ein Schlagloch melden möchten, schicken Sie uns eine genaue Angabe des Standorts und im Idealfall ein Foto an folgende Mail-Adresse: redaktion@miesbacher-merkur.de.

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