+
Beim Spaziergang begegnen freilaufende Hunde schon auch mal den Kühen auf der Weide. Wenn sie dort dann aber ihr Geschäft verrichten, kann das den Rindern gefährlich werden.

Maßnahmen fruchten nicht

Ärger über Hundekot im Landkreis Miesbach - vor allem bei Landwirten

  • schließen
  • Bastian Huber
    Bastian Huber
    schließen

Hundekot findet sich beinahe überall. Im schlimmsten Fall kann das bei Kühen zu Fehlgeburten führen. Das Problem ist bekannt – in den Griff bekommen lässt es sich scheinbar nicht.

Landkreis– Es stinkt, sieht eklig aus und macht zudem die Rinder krank – Hundekot findet sich auf Wiesen und Waldwegen. Grundbesitzer, die ihre Wege für Spaziergänger zur Verfügung stellen, sind zunehmend wütend über das Verhalten der Nutzer. Zwar haben viele Gemeinden mit Tütenbehältern, Mülleimern und Schildern versucht, die Situation zu verbessern. Doch die Maßnahmen scheinen nur bedingt zu fruchten. Die Erfahrung machte zuletzt auch die Gemeinde Fischbachau. Aber eben nicht nur dort ist der Ärger groß. 

Das sieht auch Maria Bauer, Ortsbäuerin der Gemeinde Kreuth, so. Zwar halte sich der Großteil der Hundebesitzer an die Tafeln, schwarze Schafe gebe es aber immer. Sogar Beschimpfungen habe sie wegen der Schilder über sich ergehen lassen müssen. Es muss etwas passieren – das zeigte sich im Frühjahr, nachdem der Schnee geschmolzen war. „An unseren Hof grenzt ein großes Weidegebiet“, sagt Bauer. „Da hat sich die ersten 50 Meter Tüte an Tüte gereiht.“

Die Kotbeutel stellen war keine Gefahr für die Kühe dar. Für diejenigen, die sie am Ende einsammeln müssen, ist es aber ärgerlich. Verbote hält sie dennoch nicht für zielführend. „Wir suchen den Dialog, das ist immer noch das Beste.“ Ein Zwischenfall, bei dem eine Kuh durch Hundekot Schaden genommen hat, sei ihr zwar nicht bekannt. „Gegeben hat es so was aber mit Sicherheit schon.“

Tierarzt: Hundekot im Futter führt zu Entwicklungsstörungen

Einen Fall, bei dem eine Kuh aufgrund des Parasiten eine Fehlgeburt hatte, hat Marcel Berndt (44), ein Tierarzt aus Weyarn, auch noch nicht gehabt. Lediglich bei Laboruntersuchungen wurden bei Betrieben infizierte Rinder festgestellt. „Die Angst ist aber bei meinen Kunden schon da“, sagt Berndt. Kommt ein missgebildetes Kalb auf die Welt, ist der Parasit im Hundekot die erste Vermutung. „Ich beschwichtige dann und empfehle eine Laboruntersuchung.“

Gastwirte für den Parasiten seien Hunde vom Land, die Zugang zu Misthaufen haben. „Stadthunde sind mit solchen Parasiten meist gar nicht infiziert“, sagt Berndt. Sterben würden Rinder an einer Infizierung zwar nicht, da keine lebenswichtigen Organe betroffen seien. Gelangt der Parasit aber ins Futter, beeinträchtigt das die Qualität. „Bei Jungtieren kann das zu Entwicklungsstörungen führen.“

Dass Hundebesitzer mit Landwirten aneinander geraten, bekommt Berndt häufig mit. Dabei geht es aber weniger um den Parasiten als um das Prinzip, dass die Spaziergänger sich mit ihren Hunden auf Privat- oder Pachtgrund befinden. „Da herrscht oft völliges Unverständnis.“

Hundebesitzerin: Es habe sich schon viel geändert

Auf Unverständnis seitens der Hundebesitzer stößt auch Andrea Straßer, Vorsitzende der Hundefreunde Oberland. „Die Leute sagen dann, die Hunde würden damit die Wiesen düngen.“ Totaler Quatsch sei das natürlich. Auch die Aussage, als Hundebesitzer würde man Hundesteuer zahlen, ruft bei Straßer Kopfschütteln hervor. „Weil man Steuer zahlt, berechtigt das doch nicht, irgendwo einen Haufen hinzusetzen.“

Straßer hat mit Ortsbauern und der Gemeinde Gmund schon darüber gesprochen, wie man Hundebseitzer besser für das Thema sensibilisieren kann. In ihren Kursen verteilt Straßer beispielsweise Merkblätter. Aber die Personen, die mit ihrem Hund auf den Parkplatz fahren, den Kofferraum öffnen und weiterfahren, sobald der Hund sein Geschäft gemacht hat, werde sie damit nicht erreichen. Von Verboten hält Straßer nichts.

Dass Hundebesitzer sich für die Hinterlassenschaften ihrer Tiere nicht verantwortlich fühlen, sei aber nicht die Regel. „Da hat sich schon sehr viel geändert“, sagt Straßer. Viele Leute hätten mittlerweile Tüten dabei. Diese samt Inhalt an Bäume zu hängen oder in die Wiese zu werfen „ist aber ein Unding“, schimpft Straßer. Vielleicht würde mancherorts der ein oder andere Mülleimer mehr nicht schaden. Straßer selbst geht mit ihren beiden Belgischen Schäferhunden Serro und Gustl oft am Gmunder Seeweg entlang. „Da stehen jede Menge Mülleimer, und da siehst du kaum noch Hundehaufen.

Der Ärger über den Hundekot ist größer geworden

Die Beschwerden über Hinterlassenschaften auf ihren Wiesen seitens der Grundbesitzer haben sich verschärft. Thorsten Schär, Geschäftsführer der Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS), sagt: „Das scheint sich seit diesem Frühjahr zu häufen.“ Woran das genau liegt, kann er nicht festmachen. Zwar seien vor allem viele Tagegäste da, aber die Zahl sei nicht rasant gestiegen. „Und es sind ja auch die Einheimischen, die dort spazieren gehen.“ Was Schär durchaus bemerkt: Die Grundbesitzer sind sensibler geworden. Er könne das gut verstehen.

Die ATS will mit den Gemeinden, die in dieser Hinsicht mit kostenlosen Tüten und Mülleimern schon viel getan haben, Gespräche führen. Auch mit den Landwirten und dem Deutschen Alpenverein (DAV). „Das muss uns gemeinsam gelingen, und wir müssen eine Lösung finden, die großflächig angelegt ist.“ Dass es in Verboten bis zu Wegsperrungen endet, will Schär vermeiden. Die Lösung muss auf die Einstellung der Menschen abzielen.

hb/nip


Der Parasit im Hundekot: Fehlgeburten bei Kühen mögliche Folge

Der Parasit, der durch den Hundekot übertragen wird, heißt in der Fachsprache Neospora caninum. Der Erreger wurde erst vor 20 Jahren entdeckt, weshalb der genaue Verlauf der Erkrankung noch nicht geklärt ist, so das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Der Hund ist derzeit die einzig bekannte Tierart, die den Erreger beherbergt und ausscheidet. 

Tiere, die durch die Aufnahme erkranken können, sind neben Rindern auch Büffel, Schafe, Ziegen, Pferde, Füchse und der Hund selbst. Die häufigste Auswirkung dabei ist die Fehlgeburt. Auch Missbildungen bei Kälbern oder anderen Jungtieren sind möglich. Und vor allem gilt: Ist ein Tier infiziert, bleibt es das ein Leben lang. Übertragen wird der Parasit meist durch Hofhunde, die Zugang zu Ställen und Misthaufen haben. Dort nehmen sie den Erreger auf und können ihn bis zu drei Wochen später wieder ausscheiden. Mit dem Futter, besonders wenn der Kot ins Heu eingearbeitet wird, infizieren sich die Rinder. Eine Übertragung auf den Menschen ist bislang nicht bekannt. 

Um den Parasit nachweisen zu können, eignet sich am besten ein Bluttest. Das LGL empfiehlt Landwirten, diesen bei einem Verdacht auf Infizierung durchführen zu lassen. Das gilt auch beim Zukauf von Rindern. Hunde sollten nicht in die Nähe von Ställen und Misthaufen gelassen werden und ihr Geschäft nicht auf Weidewiesen verrichten. Forschungen haben jedoch ergeben, dass regelmäßig – mindestens wöchentlich – 67 Hunde auf der Weide ihr Geschäft machen müssten, damit ein geringes Infektionsrisiko bestünde. In der Regel wird eine solche Intensität nicht erreicht.

nip

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Wahnsinnig erfolgreich - und doch ohne Mandat: Das Pech des Herrn Bär
Als einziger Grünen-Direktkandidat in Bayern schafft es Karl Bär auf Platz zwei hinter die CSU - ein toller Sieg - und genauso tragisch. Wegen eines Münzwurfs geht er …
Wahnsinnig erfolgreich - und doch ohne Mandat: Das Pech des Herrn Bär
Live-Ticker: Landrat Wolfgang Rzehak spricht von Grünen-Hochburg
Wann gibt‘s die ersten Ergebnisse in den Gemeinden Miesbach, Tegernsee und Holzkirchen? Wie haben unsere Wähler abgestimmt? Was sagen die Kandidaten und Parteien? Alle …
Live-Ticker: Landrat Wolfgang Rzehak spricht von Grünen-Hochburg
Unmut als Nährboden: Warum die AfD bei uns so leichtes Spiel hat
Warum der AfD-Sieg bei uns wenig überraschend ist: Den Ausgang der Bundestagswahl im Landkreis Miesbach kommentiert Redaktionsleiter Stephen Hank.
Unmut als Nährboden: Warum die AfD bei uns so leichtes Spiel hat
Rotes Fahrzeug verursacht an Toyota 2000 Euro Schaden
Ein Unbekannter hat mit seinem Fahrzeug das Auto einer 28-Jährigen aus Miesbach beschädigt. Die Polizei sucht nach Zeugen.
Rotes Fahrzeug verursacht an Toyota 2000 Euro Schaden

Kommentare