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Ärzte im Kreistag appellieren an ihre Ratskollegen: „Ihr seid die besten Impf-Influencer“

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Von: Dieter Dorby

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Ein Jugendlicher wird in einem Impfzentrum geimpft.
„Impfen ist die einzige Chance: Die Kreisräte Ursula Janssen und Bernd Mayer-Hubner appellierten an ihre Kollegen, sich für Impfungen in allen Teilen der Gesellschaft stark zu machen. © Sebastian Willnow/dpa

CORONA-IMPFUNG Ärzte im Kreistag appellieren an Kollegen: „Ihr seid die Influencer“

Miesbach – Während bei Impfkritikern und -verweigerern der Ton in der Diskussion rauer wird, macht sich bei Medizinern eine gewisse Betroffenheit breit. Im Kreistag haben nun zwei Ärzte unter den Mitgliedern – Ursula Janssen aus Tegernsee und Bernd Mayer-Hubner aus Schliersee (beide Grüne) – sehr persönlich vor allem an ihre Kreistagskollegen appelliert, sich für das Impfen einzusetzen.

Ursula Janssen Ärztin und Grünen-Kreisrätin
Ursula Janssen, Ärztin und Grünen-Kreisrätin © tp

Janssen schilderte, dass sie die Impfdebatte mit Betroffenheit verfolge. Dabei betonte sie: „Der Anspruch aller Menschen auf Schutz von Gesundheit und Leben wiegt schwerer als das Recht des Einzelnen auf Entscheidungsfreiheit.“ Vielmehr ende das Recht des Einzelnen dort, wo die Gemeinschaft Schaden nehme. „Das Coronavirus optimiert sich permanent selbst“, stellte die Allgemeinärztin fest, „aber wir können uns verteidigen.“ Das bringe zwar nicht das normale Leben zurück, aber angesichts der „dramatischen Folgen“ sei die Impfung die einzige Chance. Mit dem Impfen verringere sich das Risiko einer Ansteckung, eines schweren Verlaufs und der Langzeitfolgen. Die meisten schweren Fälle aktuell seien nicht geimpft.

„Omikron liegt unterm Weihnachtsbaum“

Die verheerenden Folgen der Pandemie könne man derzeit im Krankenhaus sehen: Operationen müssten zeitlich, Patienten an andere Orte verlegt werden – „es ist eine dramatische Situation“. Auch die wirtschaftlichen Folgen seien beträchtlich. Und gleichzeitig baue sich die fünfte Welle auf. „Omikron liegt bei uns unterm Weihnachtsbaum.“

Janssen appellierte im absolut stillen Saal des Rottacher Seeforums eindringlich an alle Kreisräte: „Wir müssen unser Impftempo erhöhen und zögernde Menschen überzeugen.“ Und gerade mit Blick auf Kreisbauernobmann Johann Hacklinger (CSU), Kreisbäuerin Marlene Hupfauer (FWG) und Martin Beilhack (Bayernpartei) als Hauptmann der Gebirgsschützen Waakirchen rief sie auf: „Ihr alle seid die besten Influencer! Lasst es uns probieren und versuchen, alle zu überzeugen.“

Steigende Inzidenzen wieder für Januar erwartet

Das Schlimmste, was passieren könne, sei eine Spaltung. „Noch haben wir eine Chance.“ Allerdings müsse man jetzt schon vorbereitet sein, dass im Januar das nächste Problem warte, „mit Inzidenzen, die sich alle drei bis vier Tage verdoppeln“. Deshalb sei es unabdingbar, das Impftempo zu erhöhen und zögernde Menschen zu überzeugen.

Ungeimpfte bedeuten gewaltige Verluste fürs Krankenhaus Agatharied

Ihr Kollege Mayer-Hubner verwies dagegen auf die unmittelbaren Folgen für das Krankenhaus Agatharied. „Die Klinik erleidet durch die Ungeimpften gewaltige Verluste“, berichtete der Internist und Kardiologe. Beatmete Patienten müssten ausgeflogen werden – „einer hat es bis nach Kiel geschafft“. Und keiner sei geboostert. Die noch mal deutlich infektiösere Omikron-Variante werde dafür sorgen, dass „von den Ungeimpften keiner verschont bleibt“. Zudem sei das Risiko, an Long-Covid zu erkranken, für Ungeimpfte signifikant höher.

In Sachen Krankenhaus bestätigte Josef Lechner (CSU), dass Corona „extreme wirtschaftliche Spuren“ hinterlassen werde. „Da wird der aktuelle Verlust zum Wunschtraum werden.“ 50 Prozent sei auf die Pandemie zurückzuführen, die es verhindere, dass die Klinik jene Einnahmen generieren kann, für die man massiv investiert habe. „Wir spielen in der Ersten Liga und bekommen unsere PS nicht auf die Straße.“

ddy

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