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Zu niedrig: Anders als im Hochgebirge können sich im kleinen Mangfallgebirge Mensch und Tier in der Gipfelregion kaum aus dem Weg gehen.

Am Samstag, 17. Februar

Aktionstag klärt auf: So verhalte ich mich richtig in der Natur

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Der Naturgenuss lockt Erholungssuchende und Freizeitsportler in die heimische Bergregion. Einige Individualisten zieht es in die abseitigen Bereiche – in die Lebensräume von Birk- und Auerhuhn.

Landkreis – Es ist eng in der winterlichen Bergwelt im Landkreis. Die Täler sind dicht besiedelt, und so bleiben störempfindlichen Tierarten zum Rückzug nur die Höhenlagen. Doch auch hier finden geschützte Arten kaum noch Ruhe. Immer mehr Wintersportler entdecken die entlegenen Winkel der Bergwelt für sich. Hier finden Sie zehn Regeln zum rücksichtsvollen Naturgenuss. 

„Unser Auftrag ist es, die bedrohten Wildtiere zu schützen“

Marco Müller ist Gebietsbetreuer für das Mangfallgebirge.

Für Marco Müller, der als Gebietsbetreuer für das Mangfallgebirge zuständig ist, ist dies ein schwieriger Konflikt. „Unser Auftrag ist es, die bedrohten Wildtiere zu schützen“, erklärt der Ökologe. „Aber das geht nicht ohne die Unterstützung der Wintersportler.“ Deshalb setzt der Gebietsbetreuer auf Dialog und Aufklärung. „Viele sind für das Thema offen“, hat er festgestellt. 

Es fehlt teilweise am Bewusstsein

Aber beim Umsetzen in die Praxis werde es schwierig. Da wird Ski- und Fußspuren gefolgt, die Verbotsschilder ignorieren. Da wird in unberührte Winkel vorgestoßen. Teils weil man schon wieder vergessen hat, dass man sich rücksichtsvoll in der Natur bewegen wollte. Teils weil man einfach das Bewusstsein fehlt. 

„Das Schöne am Skitourengehen ist halt auch die Talfahrt durch den unberührten Schnee“

Die Lust der Natursportler ist der Fluch für den Schutz bedrohter Arten. „Das Schöne am Skitourengehen ist halt auch die Talfahrt durch den unberührten Schnee“, weiß Müller. Doch je mehr Leute unterwegs sind, desto breiter wird die Ski-Schneise. Gleichzeitig kann eine einzelne Spur eine unglaublich verführerische Wirkung haben, wenn sie an einem Stopp-Schild vorbeiführt in unberührtes Gelände. „Das ist für viele eine Aufforderung zu folgen“, sagt Müller. Und schon sei der Weg ins Schongebiet eröffnet. 

Internet und Social Media regen zum Nachmachen an

Hinzu kommt die Macht durch Internet und Social Media wie Facebook und Instagram. Packende Videos bei voller Fahrt, staubender Schnee, Fahrten mit Stirnlampe durch die Nacht – das reißt mit und regt zum Nachmachen an. „Es gibt online eine große Zahl von Videos und Routenbeschreibungen“, erklärt Müller. Die allermeisten orientieren sich am Fun-Faktor und lassen Naturschutzbelange außer Acht. 

„Das Dilemma ist, dass unsere Berge so niedrig sind. Und vergleichsweise einfach zu begehen“

Wechselhaftes Birkhuhn: Den Tag verbringt es auf der sonnigen Südseite, die Nacht auf der Nordseite oder in Pulverschneeansammlungen. Kommen Menschen, flüchtet es.

„Das Dilemma ist“, sagt Müller, „dass unsere Berge so niedrig sind. Und vergleichsweise einfach zu begehen.“ Damit bieten die Rückzugsbereiche kaum wirklichen Schutz vor dem Menschen. Das zeigen die Raufußhühner, die in Bayern und auch im Oberland ganz oben auf der Liste der bedrohten Arten stehen. Dazu gehören das Auerhuhn, das sich in Höhenlagen zwischen 1000 und 1400 Metern aufhält, sowie das Birkhuhn, bei 1400 bis 1800 Metern – der Almstufe – seinen Lebensraum hat. Also just da, wo sich auch Skitourengeher und Schneeschuhwanderer bewegen. 

Vor allem betroffen ist das Birkhuhn

Zu niedrig: Anders als im Hochgebirge können sich im kleinen Mangfallgebirge Mensch und Tier in der Gipfelregion kaum aus dem Weg gehen.

Vor allem betroffen von den sportiven Invasoren ist das Birkhuhn. Denn im Waldbereich, in dem das Auerhuhn lebt, nutzen die Wintersportler meist definierte Aufstiegs- und Abfahrtsrouten. Anders als die offene Almstufe mit ihren vereinzelten Büschen. Dort, auf sonniger Südseite, sucht der scheue Vogel Schutz und Nahrung, um in der Dämmerung auf die verschneite Nordseite der Gipfel zu wechseln, wo es sich jede Nacht eine neue Schlafhöhle in den Pulverschnee gräbt. Schneeschuhgeher, die am Bergrücken entlang gehen, durchkreuzen damit die Wege des Birkhuhns. Skitourengeher, die eng an Büschen vorbeigehen, schrecken es auf. Anders als das gut getarnte Schneehuhn setzt es nicht auf Tarnung, sondern auf Flucht und vergeudet so wertvolle Energie. Im harten Winter eine immense Schwächung. 

„Jedes Tier wird gebraucht“

Natürlich, das weiß auch Müller, ist die Begegnung mit Natursportlern für die Wildtiere nicht unmittelbar tödlich. „Aber Störungen können sich drastisch auswirken. Sie sind ein zusätzlicher Eingriff, der dafür sorgt, dass auch in guten Jahren mit guter Reproduktion mehr vernichtet wird, als verloren gehen müsste.“ Die Bestandszahlen beim Birkhuhn seien immer noch so dünn, „dass jedes Tier gebraucht wird“. 

Doch nicht nur die Ruheplätze werden rar, sondern auch die Ruhezeiten. Mittlerweile hat sich ein wahrer Boom entwickelt: Sonnenaufgangstouren, Feierabendtouren, Mondscheintouren. Den Wildtieren fehlt damit die Zeit, sich auszuruhen.

Wichtige Ruhezeiten: Generell sollte man Gipfel, Rücken und Grate vor 10 Uhr und nach 16 Uhr meiden.

Gemütliche Gaudi oben auf der Hütte. Gerade Münchner seien davon begeistert, heißt es, doch Müller korrigiert: „Es sind auch viele Einheimische in ,ihren‘ Bergen unterwegs.“ Und die haben dank kurzer Wege, Gleitzeit im Job oder Fitness im Ruhestand auch unter der Woche Zeit, die Bergwelt zu erkunden. 

„Es geht nur über Kompromisse und persönliche Einschränkungen“

Doch wie soll ein Ausgleich gelingen? Wie lassen sich ein wachsendes Bedürfnis nach Naturleben und der Schutz von Wald und Wild in Einklang bringen? „Es geht nur über Kompromisse und persönliche Einschränkungen“, sagt Müller. „Die meisten Leute, die in die Berge kommen, bewegen sich im offiziell ausgewiesenen Bereich.“ Problematisch sei die Gruppe, die das exklusive Erlebnis suchen. Diese Gruppe werde größer und stoße in immer entlegenere Winkel vor. Müller empfiehlt, die lokalen Sperrungen und Schongebiete zu akzeptieren und auch sensible Bereiche wie Wildfütterungen zu meiden. „Man sollte nicht in die hintersten Ecken eindringen“, sagt er. Denn die Störkraft des Menschen reicht weit – 50 bis 100 Meter rechts und links vom weg erstreckt sich der Störkorridor. 

Ziel sei es, die Klassiker-Routen offen zu halten, und dennoch Lebensräume zu schützen. Dies versuche er auch in Gesprächen vor Ort Wintersportlern zu vermitteln. Oft erntet er Verständnis, aber einmal unterwegs vergessen viele die gut gemeinten Ratschläge.

Aktionstag 

Marco Müller wird unterstützt von zahlreichen Ehrenamtlichen aus Alpenverein, Bergwacht, Bund Naturschutz und Naturfreunden. Zusammen wollen sie am Samstag, 17. Februar, wieder für den Schutz der heimischen Wildtiere werben beim Aktionstag „Natürlich auf Tour“. Zwei bis drei Dutzend Info-Teams werden am Hirschberg, dem Rotwandgebiet oder am Sudelfeld unterwegs sein, um mit Wintersportlern das Gespräch zu suchen. Auch der Tourismus (ATS) ist über die Modellregion Naturtourismus eingebunden und unterstützt in der Öffentlichkeitsarbeit.

ddy

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