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Die Fällarbeiten in Miesbach gehen weiter: Auch in der Riviera wurden bereits Bäume umgelegt. Sie werden auf weitere ALB-Larven untersucht.

ALB-Fällungen in Miesbach

Angst vor der Ausweitung der Fällzone

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Tag drei der Fällarbeiten in Miesbach. Im Kampf gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) wurden bis gestern Nachmittag sieben größere Gehölze sowie viel „Strauchwerk aus Heckenstrukturen“ entnommen.

Ziel war es, die Entnahme der Einzelbäume, die noch mit hoher Wahrscheinlichkeit vom ALB befallen sind, abzuschließen. Dies berichtet Elke Zahner-Meike, Sprecherin der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Freising, die die Fällaktion in Miesbach leitet. Nach aktuellem Stand soll die Maßnahme heute und morgen im Siedlungsbereich weitergehen, voraussichtlich im Bereich Harztal- und Bayrischzeller Straße. Die Fällungen im Hallenwald am Harzberg, die für Ende dieser Woche angedacht waren, verschieben sich zeitlich. Das genaue Vorgehen wird dort noch vor Ort abgestimmt.

Gerücht beunruhigt Miesbacher

Doch schon die ersten Tage haben gereicht, um besorgte Miesbacher zu alarmieren. Zumal Gerüchte die Runde machen, dass sich die Fällzone, die sich jeweils 100 Meter um Fundorte erstreckt, bald Teile des Stadlbergs erreichen könnte.

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Das selbst nicht betroffene Ehepaar Kristina und Hubert Heinhold aus der Brecherspitzstraße hat deshalb einen offenen Brief verfasst und verschickt. Darin fordern sie die Kandidaten der kommenden Stichwahl auf, sich gegen die laufende, umfassende Abholzung zu stemmen sowie im Falle einer Ausweitung der Fällzone den Baumbestand am Harzberg und Stadelberg zu schonen und nur befallene Bäume zu fällen. Das Bayerische Umweltministerium und die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt sollen „die Belange des Natur- und Umweltschutzes energisch gegen die LfL in Stellung bringen und durchsetzen“. Die LfL und das Bayerische Landwirtschaftsministerium fordern beide auf, „zur Besinnung zu kommen und die Kahlschlagaktion zu stoppen“.

Offener Brief fordert Stopp

Die „radikale Prophylaxe“ ist für Kristina Heinhold zu viel. Zum einen seien die Maßnahmen wissenschaftlich umstritten. Außerdem vermehre sich der ALB – anders als der Borkenkäfer – deutlich langsamer. Miesbach werde bald völlig anders aussehen, wenn man die Fällarbeiten nicht stoppe. Und viel schlimmer: Die Luftfilter, Wasserspeicher- und Lärmschutzfunktion der Bäume werde vernichtet. Ob ihr Brief etwas nützen wird? „Was kann man als Bürger schon anderes tun als Briefe schreiben?“, antwortet sie. „Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“

Kein Fälltrupp ohne Verwaktungsverfahren

Seitens der LfL kann Zahner-Meike eine Ausweitung der Fällzone nicht bestätigen. Nur so viel: „In den Bereichen, wo es aufgrund neuer ALB-Funde zu einer Erweiterung der Befallszone kommt, werden die Anwohner informiert, die Daten des Baumkatasters erhoben und – ebenso wie bei den bisher Betroffenen – eine Anhörung durchgeführt und Bescheide erstellt.“ Es werde auf Privatgrundstücken jedenfalls nicht gefällt, ohne dass dieses Prozedere vorab gelaufen ist.

Wegen der ungewissen Corona-Lage will die LfL – wie berichtet – so zügig wie möglich die bekannten ALB-Verdachtsbäume entnehmen. Doch das ist nicht das einzige Argument für die Reihenfolge der Einsätze und damit kein Indiz für eine Ausweitung der Fällzone. Die Wiese an der Bayrischzeller Straße habe man auf Bitten des Landwirts mit Blick auf die Viehnutzung vorgezogen, und beim Hallenwald wolle man die kalten Temperaturen noch nutzen, damit der Hang möglichst fest ist.

ddy

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