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ALB: In Feldkirchen wurden ganz Wälder gefällt, das Ortsbild verändert

„Die Maßnahmen sind schmerzhaft“

ALB: In Feldkirchen wurden ganz Wälder gefällt, das Ortsbild verändert

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In Feldkirchen wurde der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) im Jahr 2012 entdeckt. Die Konsequenzen waren ernst: Ein Wäldchen im Ort wurde komplett gefällt und der Boden gefräst. 

Miesbach/Feldkirchen - In Feldkirchen wurde der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) im Jahr 2012 entdeckt. Unter Quarantäne steht die Gemeinde im Landkreis München noch bis Ende 2020. Das liegt auch daran, dass immer wieder neue Befallsbäume gefunden wurden. Die einheitlichen Maßnahmen der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), die jetzt Miesbach bevorstehen, gab es damals noch nicht. Klaus Pitterle, Umweltreferent der Gemeinde Feldkirchen, beurteilt diese dennoch gemischt. Im Gespräch erklärt er, warum das so ist und was nun auf Miesbach zukommt.

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ALB: In Feldkirchen wurden ganz Wälder gefällt, das Ortsbild verändert

Wie lief der Befall mit dem ALB in Feldkirchen ab, Herr Pitterle?

Als der ALB 2012 in Feldkirchen entdeckt wurde, hatte er manche Bäume regelrecht durchsiebt. Damals hatte die LfL aber noch keine klare Vorgehensweise. Anfangs wurden nur die befallenen Bäume entfernt. Das Monitoring war erst im Aufbau. In den Folgejahren kam es noch öfters zu Funden und Fällungen. Die Richtlinien wurden daraufhin immer wieder angepasst und die vorsorglichen Entnahmen ausgeweitet. Seit dem letzten Fund 2016 wurden keine neuen ALB mehr entdeckt.

Rodung an der A94 bei Feldkirchen im Februar 2016 wegen des ALB.

Welche Maßnahmen haben den ALB besiegt?

Wir fällen alle bekannten Wirtsbaumarten in einem 100-Meter-Radius um die Fundorte. Das Holz wird vor Ort gehäckselt und in geschlossenen Containern zum Verbrennen gefahren. Teilweise haben wir Flächen neu angepflanzt. Die LfL hat eine Liste mit Bäumen herausgegeben, die der ALB nicht befällt. Nur diese können in der Quarantänezone angesiedelt werden.

Hat der ALB ihr Ortsbild verändert?

Ja. Ganz schlimm war ein kleines Wäldchen mit schönen alten Edelholzbäumen, das mitten im Ort stand. Das wurde komplett gefällt und der Boden gefräst. Direkt daneben war gerade eine Neubausiedlung fertiggestellt worden. Die Menschen dort waren wenig begeistert, als ihr Wald plötzlich weg und ein Acker da war. Inzwischen grünt die Stelle wieder. Aber einige Jahre sah sie gar nicht gut aus.

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Gab es gegen die Fällungen keinen Widerstand?

Doch. Die Maßnahmen sind rigoros. Sie greifen bei Privatleuten in den Gärten ein. Die haben vielleicht eine schöne große Linde, und die muss plötzlich weg – obwohl sie kerngesund ist, nur weil man nicht ausschließen kann, dass dort ein Ei abgelegt wurde. Diese Maßnahmen sind sehr schmerzhaft für die Bevölkerung und schaffen natürlich auch Widerstand.

Klaus Pitterle, Umweltreferent der Gemeinde Feldkirchen

Wie hat die Politik darauf reagiert?

Es gab viele Debatten im Gemeinderat. Einmal hat Feldkirchen wegen der Anordnung zur Fällung sogar den Freistaat Bayern verklagt. Wir haben einen sehr baumreichen Friedhof. Dort wurden 80 Großbäume gefällt. Das wollten wir verhindern. Aber die Klage wurde abgewiesen.

Wie beurteilen Sie die Maßnahmen persönlich?

In einem großen Wald spielt es kaum eine Rolle, wenn in einem Umkreis von 100 Metern alle Wirtsbäume gefällt werden. In einer dicht besiedelten Ortschaft aber schon. Wo ein Befallsherd ist, muss ich natürlich auch in der Ortschaft fällen. Bäume, die fünf Meter weit weg stehen, bei Bedarf auch. Wenn ich aber nur einen befallenen Baum oder eine Larve habe, sehe ich es kritisch, wenn im Umkreis von 100 Metern für das Ortsbild prägende Bäume entnommen werden. Eine Dorflinde in 70 Metern Entfernung könnte ich zum Beispiel auch überwachen und erst fällen, wenn der Käfer gefunden wird. Die Fäll-Methode ist aber sicher die effektivste und einfachste Lösung.

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