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Miesbach unter Beobachtung: Während im Kernbereich (rot umrissen, Ausmaß nicht amtlich) gefällt wird, gelten in der Quarantänezone 2000 Meter rund um den Fundort, letztlich das ganze bebaute Stadtgebiet, verschärfte Regeln.

Allgemeinverfügung liegt vor

ALB in Miesbach: 5000 Gehölze werden fallen

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Jetzt wird es ernst: Am Freitag ist die Allgemeinverfügung in Kraft getreten. Damit will die Landesanstalt für Landwirtschaft dem Asiatischen Laubholzbockkäfer Herr werden. Rund 5000 Gehölze aus 16 Laubgehölzgattungen sollen gefällt werden. Gestartet wird aber wohl erst 2020.

Das Monitoring ist abgeschlossen, das Baumkataster erstellt – nun geht es los: Die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) hat am Freitag ihre Allgemeinverfügung zum Asiatischen Laubholzkäfer (ALB) in Kraft gesetzt. Dieser Verwaltungsakt, der sich an eine unbestimmte Adressatengruppe richtet, sieht Fällungen in der 100-Meter-Befallszone rund um die bisherigen Fundstellen vor sowie verschärfte Verhaltensregeln in der Quarantänezone, die von den Fundstellen am Finanzamt aus mit einem Radius von 2000 Metern das Stadtgebiet umschließt.

16 Laubgehölzgattungen im Visier

Wie die LfL mitteilt, werden die Fällungen nach den Vorgaben der Europäischen Union vorbereitet: Im 100-Meter-Umkreis um die nachweislich vom ALB befallenen Laubgehölze werden die vorgeschriebenen 16 Laubgehölzgattungen – sogenannte spezifizierte Pflanzen – entnommen. Das sind rund 5000 Gehölze, von denen fast die Hälfte einen Brusthöhenstammdurchmesser von maximal fünf Zentimeter aufweisen. Auch dieses Gesträuch ist laut LfL-Pressereferentin Elke Zahner-Meike geeignet, den ALB zu beherbergen. Wie bisher wird die Maßnahme in enger Zusammenarbeit von LfL, dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Holzkirchen (AELF) sowie der Stadt Miesbach durchgeführt. Dabei ist die LfL für die Siedlungsfläche und das Offenland zuständig, während die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) beziehungsweise das AELF sich um die Waldflächen kümmern.

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Der Versuch der Stadt, die Zahl der spezifizierten Pflanzen auf die Big Five zu reduzieren – also Ahorn, Kastanie, Birke, Pappel und Weide –, hat für das gesamte Stadtgebiet nicht gefruchtet. Die LfL hält an ihren 16 festgeschriebenen Gattungen fest. Dazu gehören Ahorn, Rosskastanie, Erle, Birke, Hainbuche, Kuchen- oder Katsurabaum, Hasel(nuss), Buche, Esche, Blasenesche, Eberesche/Vogelbeere, Platane, Pappel, Weide, Linde und Ulme.

Noch keine Entscheidung zum Waitzinger Park

Dabei darf die Stadt mit Blick auf den Waitzinger Park, den der Stadtrat für besonders schützenswert hält und weitgehend retten will, noch hoffen: Die Entscheidung ist trotz der Allgemeinverfügung noch nicht gefallen. Der Grund: „Die EU muss über etwaige Ausnahmen entscheiden“, erklärt Dritter Bürgermeister Michael Lechner, der als Anlagenreferent der Stadt und Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Holzkirchen in Stadt und Wald Einblick hat.

Doch bis gefällt wird, vergeht Zeit. Laut Zahner-Meike wird erst mal ausgeschrieben. Gesucht wird eine Firma, die die Fällungen auf den Privatgrundstücken vornimmt, die Stadt und LfL koordinieren. Eigentümer werden im Vorfeld schriftlich informiert. Wegen der Witterung geht die LfL-Referentin davon aus, dass erst 2020 begonnen wird. Dagegen ist die Stadt bereits dabei, den Häckselplatz auf der Waitzinger Wiese einzurichten. Ein zertifiziertes Häckselgerät sei bereits geordert, erklärt Geschäftsleiter Gerhard Führer. Anfang der Woche werde das Areal, auf dem das entnommene Holz in verschließbaren Containern gelagert und zerkleinert werden soll, um verbrannt zu werden, eingefriedet.

Im 2000-Meter-Radius der Quarantänezone gelten für die nächsten vier Jahre verschärfte Regeln im Umgang mit Holz und Bäumen. So sind laut Zahner-Meike Grundeigentümer verpflichtet, ihre Gehölze auf Spuren des Käfers zu untersuchen. Zudem ist das Verbringen von Holz von einer Flurnummer zu einer anderen untersagt, um ein Verbreiten des ALB zu verhindern. „Im Zweifel können unsere Experten hinzugezogen werden“, sagt sie. Im Dialog könnten Einzelfälle beleuchtet und abgewogen werden. Einzelheiten werden bei der Infoveranstaltung am Mittwoch, 27. November, der Bevölkerung erläutert.

Lechner: „Miesbachs Erscheinungsbild wird sich drastisch ändern“

Lechner geht davon aus, dass sich Miesbachs Erscheinungsbild drastisch ändern wird: „Die Riviera wird kaum zu halten sein, und auch nicht der Fritz-Freund-Park“, stellt er nüchtern fest. Die Eingriffe seien aber unvermeidbar. „Wir wollen den Käfer ja loswerden, und diese radikale Methode wird am ehesten zum Erfolg führen.“

Wie verbreitet der ALB ist, zeigt der LfL-Bericht: Nach dem Fällen der ersten befallenen Bäume Mitte August wurden im Freisinger Quarantänelabor die Gehölze untersucht. In 32 Bäumen steckten knapp 50 ALB-Larven sowie eine Puppe des Käfers. Insgesamt wurden rund 230 frische sowie etwa 160 ältere Eiablagen gefunden. Allein ein Ahorn wies 46 offene und 27 überwallte ALB-Ausbohrlöcher auf. Bei ihren Einsätzen haben die LfL-Experten vor Ort 38 Käfer eingesammelt.

Ob die Privateigentümer nach dem Fällen sofort mit nicht einheimischen Pflanzen aufforsten oder sie die vier Jahre Quarantäne abwarten, um heimische Bäumen zu setzen, ist offen. So oder so: Miesbachs Bild wird sich verändern.

Die Infoveranstaltung

zum ALB führen LfL und Stadt am Mittwoch, 27. November, im Waitzinger Keller durch. Beginn ist um 19 Uhr. Für Fragen ist die LfL unter Telefon 08161/715730 und per Mail an alb@lfl.bay ern.de zu erreichen.

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