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Bedrohte Idylle: Weil der ALB auf der abgelegenen Seite des Waitzinger Kellers nachgewiesen wurde, droht dem Waitzinger Park die Rodung großer Teile des Baumbestands. Die Stadt will nun Ausnahmen beantragen.

Stadtrat Miesbach will Ausnahmen durchdrücken

ALB-Rodung: Der halbe Baumbestand im Waitzinger Park soll gerettet werden

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In Miesbach droht dem Waitzinger Park die Rodung, doch die Stadt will fachlich gegen die Richtlinien vorgehen.

Die Stadt Miesbach will per Ausnahmeantrag über die Hälfte des Baumbestands im Waitzinger Park retten. Grundlage ist die These, dass die Zahl der Gattungen, die als potenzielle Wirtspflanzen infrage kommen, deutlich enger zu fassen ist.

Bislang sah alles nach dem Szenario aus, das Frank Nüsser vom Landesamt für Landwirtschaft (LfL) Mitte September im Miesbacher Stadtrat geschildert hatte. Weil beim Kulturzentrum Waitzinger Keller der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) nachgewiesen wurde, müssen seine potenziellen Wirtspflanzen – insgesamt 29 Baumgattungen –im Umkreis von 100 Metern abgeholzt werden. Der Grund liegt auf der Hand: Man will damit die Verbreitung des Käfers verhindern. Lässt man die Bäume stehen, ist die Gefahr zu groß, dass trotz Monitoring der Käfer oder dessen Larven übersehen werden.

ALB-Rodung in Miesbach: Der halbe Baumbestand im Waitzinger Park soll gerettet werden

Für viele Stadträte ist das keine Option. Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FWG) ist als Waldexperte und Anlagenreferent der Stadt sogar überzeugt: „Diese Radikalmaßnahmen sind nicht nötig.“ Als Verbündete hat er Martina Lewald-Brudi gewonnen, die am Landratsamt zuständig ist für Baumschutz und -naturdenkmäler. Im Stadtrat stellte sie die Strategie vor.

Lewald-Brudis Ansatz basiert darauf, dass die Gefährdungsliste zwar 29 Wirtspflanzengattungen umfasst, doch der ALB diese nicht gleichermaßen bevorzugt. So seien es lediglich 16 Gattungen, bei denen sich der ALB vermehrt habe. Diese hat Lewald-Brudi im Zusammenhang mit dem ALB-Befall in Bayern verglichen und hat dabei festgestellt, dass es in den sieben Befallsgebieten lediglich eine Handvoll Gattungen vom Käfer gesucht werden.

Mit den Big Five gegen die Kahlschlag-Vorschriften

„Der Ahorn ist die zentrale Wirtspflanze“, stellt Lewald-Brudi fest. Dabei merkt sie kritisch an, dass das Gattungsportfolio zu groß angelegt sei: „Bei einigen Gattungen ist der Käfer nur einmal aufgetaucht – dann wurde die Art sofort gefällt.“ Auch sei es ein sehr grob, Gattungen komplett einzubeziehen. Belastbar kämen aus ihrer Sicht nur fünf infrage – die sogenannten Big Five: Ahorn, Kastanie, Birke, Pappel und Weide.

Bezogen auf den Waitzinger Park bedeutet dies, dass über die Hälfte der Bäume dort stehen bleiben könnte. „Von den rund 50 Bäumen dort sind 27 Linden sowie drei Eschen fachlich erhaltenswert“, sagt Lewald-Brudi. Beide Gattungen gehörten nicht zu den Big Five. Für Lechner ist dies eine gute Quote: „Die 20 Ahorn- und Kastanienbäume sind gut verteilt. die Grundstruktur des Bestands würde stehen bleiben.“

Um eine Ausnahme erreichen zu können, muss die Stadt einen Antrag stellen. Dies gehe nicht nur bei Naturdenkmälern oder historischen Alleen, sondern auch bei Bäumen in einem Park mit besonderem gesellschaftlichen Wert. Für private Eigentümer gibt es dagegen keine Ausnahmen.

Vize-Bürgermeister Fertl will alle Bäume retten

Lewald-Brudi riet der Stadt, schnell zu handeln, bevor die Allgemeinverfügung ausgesprochen werde. Denn dann, so die Expertin vom Landratsamt, habe man verloren: Keine Klage dagegen sei in der Vergangenheit erfolgreich gewesen. „Aber fachlich wurde das noch nie angegangen.“ Zudem bestärkte sie den Stadtrat, für die frei stehende Linde im Waitzinger Park den Status eines Naturdenkmals zu beantragen.

Der Stadtrat sprach sich bei drei Gegenstimmen dafür aus, zusammen mit Lewald-Brudi die Ausnahmen zu beantragen. Zweitem Bürgermeister Paul Fertl (SPD) war das jedoch nicht genug. „Das ist taktisch falsch, die Hälfte aufzugeben“, mahnte er. „Wenn wir jetzt klein beigeben, rasieren uns die vom LfL alles ab.“ Lechner widersprach klar: „Das ist doch Träumerei, dass wir da was ändern können, nur weil wir die gschaftign Miaschbecker san.“ Der einzig realistische Weg sei es, mit der fachlichen Argumentation zumindest Teile zu erhalten.

ddy

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