Gerhard Kraus, Gebietsbetreuer der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Miesbach Asiatischen Laubholzbockkäfers (ALB).
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Kontrolleur und Helfer: In rund 80 Metern Abstand hat die LfL Fangbäume gepflanzt. Gerhard Kraus überprüft sie – und hilft bei allen Fragen zum ALB. 

„Der Käfer könnte seit 20 Jahren hier sein“

ALB wohl schon seit 20 Jahren in Miesbach – LfL erklärt Fangbäume

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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Der ALB wurde wohl um die Jahrtausendwende nach Miesbach eingeschleppt. Das vermutet Gerhard Kraus von der Landesanstalt für Landwirtschaft, der neue Gebietsbetreuer.

Miesbach – Gerhard Kraus ist der neue Gebietsbetreuer der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Miesbach. Der Gartenbauingenieur kontrolliert und koordiniert mit Suchhund Louis die Maßnahmen zur Bekämpfung des Asiatischen Laubholzbockkäfers (ALB). In unserem Gespräch verrät er unter anderem, wie der ALB nach Miesbach gekommen sein könnte und wieso die LfL Fangbäume gepflanzt hat.

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ALB wohl schon seit 20 Jahren in Miesbach – LfL erklärt Fangbäume

Herr Kraus, was sind Ihre Aufgaben in Miesbach?

Ich kontrolliere ALB-Verdachtsfälle. Alleine über das Wochenende habe ich acht Mails mit Fotos von Käfern und Schäden an Pflanzen erhalten. Außerdem helfe ich bei Schnittgutkontrollen und der Planung von Baumarbeiten und organisiere das Monitoring und dessen Ausschreibung an die Firmen. Betriebe, die Erfahrung im Klettern und der ALB-Erkennung haben, können sich an mich wenden. Schließlich überwache ich die Fangbäume.

Stichwort Fangbäume: Die LfL hat hier tausende Gehölze gefällt. Nun hat sie in der Fällzone 30 neue Ahorne gepflanzt. Macht das ihrer Meinung nach Sinn?

Die Fangbäume sind sie ein Monitoringinstrument. Finden wir darin einen ALB, wissen wir, es gibt ihn noch in Miesbach. Außerdem sollen sie verhindern, dass der Käfer andere Gattungen befällt.

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Erklären Sie.

In der Fällzone müssen wir die in der EU-Verordnung festgelegten Gehölze entnehmen. Dazu gehören keine Obstbäume, Roteichen und Robinien. Die hat der Käfer in Europa noch nicht befallen, außerhalb aber schon. Gibt es noch ALB in Miesbach – das kann man nie ausschließen – könnte sich ein Käfer denken: „Es gibt keinen Ahorn, also gehe ich in einen Obstbaum.“ Dann müssten wir unsere gesamte Strategie überdenken.

Und mehr fällen?

Wir müssten uns fragen, ob wir auch Obstbäume fällen müssen. Die Fangbäume sollen das verhindern. Dazu müssen sie jetzt sicher befallsfrei sein. Bei alten Bäumen können wir das nicht garantieren. Also mussten wir neue pflanzen.

Wissen Sie, wie der ALB nach Miesbach kam?

Der Schwerpunkt des Befalls war das Finanzamt. Das legt nahe, dass er dort eingeschleppt wurde. In alten Luftbilder haben wir gesucht, wann und wie das passiert sein könnte. Dabei haben wir festgestellt: Vor zehn Jahren wurden einige Bäume am Finanzamt gefällt. Heute weiß keiner mehr, warum. Unter Umständen war damals schon der ALB schuld.

Also lebt der ALB schon zehn Jahre in Miesbach?

Vielleicht sogar schon 20. Der Parkplatz am Finanzamt ist um die Jahrtausendwende angelegt worden – auch mit Granit. In den Paletten für die Steine kamen die Larven gelegentlich nach Europa. Seit 2006 werden diese begast oder erhitzt. Es hat ein wenig gedauert, bis das System eingespielt war. Seit zehn Jahren kommen aber praktisch keine ALB mehr nach. Es spricht also viel dafür, dass er schon länger in Miesbach ist.

Wie sicher sind Sie, dass dort der Ursprung ist?

Wir müssen noch weiter suchen. Gerade sind wir dabei, die Materialien und ihre Herkunft zu prüfen. Die Aufbewahrungspflicht für Akten endet aber nach zehn Jahren. Teilweise gibt es wohl keine Unterlagen mehr. Auch die Mitarbeiter sind teils in Rente. Es könnte also sein, dass wir nie sicher wissen, wie der ALB nach Miesbach kam.

Wissen Sie schon, ob er weiterverbreitet wurde?

Als der ALB im August in Miesbach gefunden wurde, habe ich ein Foto von einem ALB-Käfer auf einem Auto in Hausham bekommen. Der Finder hat ihn zertreten. Wir haben danach die Umgebung abgesucht, auch mit Spürhunden. Aber wir haben nichts gefunden. Wir nehmen daher an, dass der ALB aus Miesbach als blinder Passagier auf einem Auto nach Hausham gefahren ist, sich dort aber nicht verbreitet hat.

Also Entwarnung für Hausham, aber Grund zur Wachsamkeit?

Ja. In Neubiberg, wo ich vorher als Gebietsbetreuer gearbeitet habe, haben wir den Käfer nach den ersten Fällungen an einem Waldrand gefunden – 800 Meter von der Befallszone entfernt. So weit fliegt der Käfer normalerweise nicht. An der Stelle wurde Schnittholz abgelagert. Vermutlich ist er so dorthin gelangt. Das sollten wir in Miesbach vermeiden.

Meinen Sie, das klappt?

Ich bin optimistisch. Die Leute haben mich freundlich aufgenommen und sind bemüht. Wenn wir weiter so vertrauensvoll zusammenarbeiten, schaffen wir das.

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