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Als Alternative zu Gas und Öl: Miesbach will Nahwärmenetz für weite Teile der Stadt unterstützen

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Von: Dieter Dorby

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Regenerativ und unabhängig: Das Blockheizkraftwerk an der Waitzinger Wiese ist eine von zwei Anlagen, die Miesbach mit Nahwärme versorgen. Eine weitere soll im Westen der Stadt entstehen.
Regenerativ und unabhängig: Das Blockheizkraftwerk an der Waitzinger Wiese ist eine von zwei Anlagen, die Miesbach mit Nahwärme versorgen. Eine weitere soll im Westen der Stadt entstehen. © Thomas Plettenberg

Es ist ein großer Schritt hin zu einer nachhaltigen Wärmeversorgung im großen Stil: Der Miesbacher Stadtrat will das Nahwärme-Projekt des Ingenieurbüros EST und der MW Biomasse AG mit geeigneten Rahmenbedingungen unterstützen.

Auch bei der Standortsuche für die Biomasse-Heizzentrale will die Stadt helfen. Den Beschluss dazu fasste das Gremium am Donnerstagabend.

Drei nicht öffentliche Präsentations- und Erörterungsrunden hat es in den vergangenen Wochen gebraucht, um das Thema aus mehreren Blickwinkeln reif für die öffentliche Diskussion zu machen. Im Rathaus wird das Vorhaben bereits seit November 2021 erörtert.

Lesen Sie auch den Kommentar: Nahwärme-Projekt hat Potenzial - über die Stadtgrenzen hinaus

Wie berichtet, beabsichtigen das Ingenieurbüro EST aus Miesbach und die MW Biomasse AG aus Irschenberg, im Westen der Kreisstadt – idealerweise am Rand des Miesbacher Stadtwalds, was aber noch offen ist – eine Heizzentrale zu errichten. Von dort könnten mit einer großen Lösung weite Teile der Innenstadt versorgt werden. Sogar das umstrittene Nahwärmeprojekt im Karree Rathaus, Beamtenhaus, Stadtbücherei und Feuerwehrhaus, das mit rund 800.000 Euro Kosten als zu teuer kritisiert wird (wir berichteten), könnte darin integriert werden. Die kleine Lösung würde zumindest die Bereiche westlich der Schlierach mit den Wohnhäusern an der Von-Vollmar-Straße, dem geplanten Baugebiet Am Gschwendt, dem AWO-Seniorenheim sowie dem Beruflichen Schulzentrum an der Frauenschulstraße umfassen.

Im Stadtrat hat sich Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) positiv geäußert: „Die Stadt möchte das Projekt unterstützen.“ Bereits 2023 könnte mit dem Bau begonnen werden. Deshalb ist es laut Braunmiller wichtig, jetzt in die Öffentlichkeit zu gehen – „mit einem richtungsweisenden Grundsatzbeschluss als Planungssicherheit für die Investoren“.

Zentrale Anlage könnte viele Einzellösungen ersetzen

Auch die Fraktionen äußerten sich zustimmend. „Eine zentrale Anlage könnte viele Einzellösungen ersetzen“, stellte Paul Fertl (SPD) fest. Markus Seemüller (FWG) wünschte sich sogar mehr Zug und Unterstützung: „Mir geht das viel zu langsam. Und es wäre nicht der erste Investor, der der Stadt abhandenkommt.“ Daher regte er an, den Beschluss deutlicher zu fassen und vor allem die Anfrage nach einem konkreten Standort seitens der Stadt möglichst schnell zu beantworten.

Zweite Bürgermeisterin Astrid Güldner (Grüne) begrüßte nicht nur, dass die städtischen Immobilien angeschlossen werden könnten. Auch für die Bürger sei dies eine gute Aussicht, „denn es gibt viele Heizungen, die erneuert werden müssen“.

Erhard Pohl (CSU) trat indes etwas auf die Euphoriebremse. Man gebe gerne ein deutliches Zeichen, „aber die Stadt steht auch in der Pflicht, eine so große Maßnahme ordentlich abzuarbeiten“ – man dürfe nichts übers Knie brechen.

Standortfrage könnte Gegenwind erzeugen

Problematisch ist jedoch der Standort. „Bislang habe ich nur positive Rückmeldungen bekommen, aber es wird auch andere Meinungen geben, wenn feststeht, wo die Heizzentrale stehen soll“, gab Fertl zu bedenken. Daher sei es nötig, ein objektives Verfahren bei der Standortprüfung zugrunde zu legen. „Sonst gibt es Gegenwind aus der Bevölkerung.“ Dem stimmte Manfred Burger (Grüne) zu: „Man sollte keinen potenziellen Standort außen vor lassen.“ Auch Braunmiller betonte: „Die Einbindung der Bürger ist wichtig.“

Stadtrat unterstützt einstimmig

Der Stadtrat beschloss in der Folge einstimmig, dass man die Überlegungen zur Installation eines Nahwärmenetzes „ausdrücklich“ begrüße. „Der Stadtrat wird das Projekt durch die Schaffung entsprechender Rahmenbedingungen unterstützen“, heißt es weiter. Die Anfrage nach einem konkreten Standort soll „schnellstmöglich“ beantwortet werden.

Wie berichtet, benötigt die Heizzentrale ein 600 Quadratmeter großes Areal für Hackschnitzelbunker, Verbrennungs- und Filteranlage. Die Investoren haben der Stadt bereits mehrere Standorte vorgeschlagen; die Nahwärmeleitungen würden unter den Straßen verlegt. Der Umfang des Netzes könnte zwischen drei und zwölf Kilometer betragen, die Leistung des Kraftwerks zwischen fünf und zehn Megawatt liegen.

ddy

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