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Das Herzstück des neuen Marktplatzes: Vor allem an Kuh und Kälbchen sowie dem Bücherschrank in der Telefonzelle (l.) sollen sich die Geister scheiden.

Antrag sorgt für Kontroverse im Stadtrat

Streit um den neuen Marktplatz

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Auch nach seiner Umgestaltung sorgt der Miesbacher Marktplatz für Diskussionen. Im Stadtrat wollte Erhard Pohl der AG Marktplatz per Antrag Kompetenzen entziehen lassen, jedoch ohne Erfolg. Mitte 2019 soll Bilanz gezogen werden – die schlechte Stimmung herrscht schon jetzt.

Mit seinem Antrag hat Erhard Pohl (CSU) den umgestalteten Miesbacher Marktplatz wieder zum Politikum gemacht. Hauptziel war es, Punkte, die wegen der Bedeutung für Stadt, Bevölkerung und Geschäftsleute nicht mehr nur im alleinigen Verantwortungsbereich der vier Arbeitskreismitglieder stehen sollten, näher an den Stadtrat heranzuführen.

18 Punkte hatte Pohl zusammengetragen, die am Marktplatz nicht gelungen oder gar gefährlich seien, und mit der Verwaltung besprochen. Einige, so berichtete Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU), seien bereits erledigt, einige seien in Arbeit, und bei anderen bestünden unterschiedliche Auffassungen. Sie plädiere dafür, dem Projekt ein Jahr Zeit zu geben und dann in eine Bewertung einzusteigen.

Für Pohl war es aber bereits jetzt schon Zeit, „in den Spiegel zu schauen und ein Fazit zu ziehen“. Und das fiel nicht gut aus. So sei sein größtes Sorgenkind der Grüne Markt, bei dem angeblich die Kundenfrequenz rückläufig sein soll. Auch mit dem Podest beim Marktcafé sei er nicht glücklich, weil der Besucherstrom durch die Gastronomie führe. „Laufstall“ laute die Bezeichnung der Leute dafür. Zudem sei vieles unsicherer geworden, stellte er fest und verwies unter anderem auf die Kurvenführung am Maibaum und den gelegentlich zugestellten Durchgang am Marktcafé..

Markus Seemüller (FW), der mit Astrid Güldner (Grüne), Zweitem Bürgermeister Paul Fertl (SPD) und dem entschuldigten Dirk Thelemann (CSU) die AG Marktplatz bildet, begrüßte Pohls „Blick in den Spiegel“ und stellte seinerseits eine maßgebliche Schwäche der AG fest: „Der Fehler ist, dass die Bürgermeisterin nicht dabei ist. Denn das, was wir vier gemacht haben, ist ihre Aufgabe.“ Dass die Bürgermeisterin die Umgestaltung kritisch bewerte, sei unglücklich.

Pongratz lehnte den „Schwarzen Peter“ ab: Sie habe von Anfang an das österreichische Planungsbüro Nonconform einsetzen wollen, um die Wünsche der Bürger herauszuarbeiten, „aber der Stadtrat hat das ja abgelehnt mit dem Hinweis, wir können das ja besser. Meine Begeisterung hierfür hat keine großen Wellen geschlagen.“ Die geschwungene Straßenführung, Kuh und Kälbchen („früher wurde der Maibaum fotografiert“), der Bücherschrank in der Telefonzelle, die Parkplätze – mit all dem sei sie nicht glücklich. „Aber“, gab sie zu, „ich hätte auch keinen anderen Vorschlag gehabt.“ Nun sei es so, dass die schweigende Mehrheit nicht mehr schweige. Ihr Vorschlag laute daher: so lassen und nach dem Winter schauen.

Dem widersprach Güldner: „Das mit der schweigenden Mehrheit ist eine Behauptung. Wer die Mehrheit ist, wissen wir nicht.“ Die AG habe viel geschafft. „Wir haben den Marktplatz verkehrsberuhigt und mit Leuten belebt. So viel, wie jetzt diskutiert wird, hat Miesbach seit 30 Jahren nicht mehr erlebt.“

Unterstützung bekam Pohl von Verena Assum (CSU): „Der Konstruktionsfehler ist, dass die AG hätte bunter besetzt werden müssen – mit Leuten, die in der Innenstadt unterwegs sind.“ Sie stützte Pongratz’ Einschätzung der schweigenden Mehrheit: „Die Mehrheit hatte zuvor kein Problem mit dem Marktplatz“. Nun würden Kinder blind über die Straße laufen, um zu Kuh und Kälbchen zu kommen. „Das ist kein Spielplatz“, stellte Assum klar, „sondern ein Marktplatz.“

Fertl indes nahm die Kritik gelassen Zweimal habe der Stadtrat zugestimmt, alles sei transparent. Den den Auftrag habe man erledigt: „Es sind mehr Leute da. Und ich habe nicht gehört, dass Umsätze eingebrochen sind.“

Auf Vorschlag von Alfred Mittermaier (CSU) wurde festgesetzt, das Thema erst im Juli 2019 wieder auf die Tagesordnung zu setzen. Bis dahin sollen Erfahrungen gesammelt werden. Seemüllers nach Disput mit Pongratz („Ich lasse mich nicht in die AG zwingen“) abgemilderter Vorschlag, sie lediglich zu bitten, fiel mit sechs Stimmen durch. Die formlose Bitte will sich Pongratz überlegen.

Die AG behält zudem ihre bisherigen Kompetenzen. Ebenfalls vom Tisch ist der Versuch, die Parkdauer am Marktplatz zu verkürzen. Die Geschäftsleute hatten sich dagegen ausgesprochen.

ddy

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