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Ungleiche Bürokollegen: Christina Herbst (l.), Reinigungsdienst-Chefin, und Siggi Hacker, Versicherungsmakler, arbeiten zusammen in einem Zwei-Mann-Büro, das keinem von beiden gehört. Ein System mit Z ukunft, finden beide.

Moderne Arbeitsformen im Aufwind

Arbeiten wir bald alle so? In Miesbach hat die Zukunft schon begonnen

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Die Miesbacher Co-Working-Area Stadtplatz 10.0 boomt. Menschen völlig verschiedener Berufe arbeiten unter einem Dach - und können sich nichts Schöneres vorstellen. Ist das klassische Büro schon bald Geschichte?

Miesbach – Christina Herbst (43) und Siggi Hacker (50) arbeiten im gleichen Büro, aber in verschiedenen Unternehmen. Herbst ist Inhaberin eines Reinigungsdienstes, Hacker Versicherungsmakler, doch in der Co-Working-Area Stadtplatz 10.0 im Moserhaus in Miesbach sitzen die beiden Miesbacher in einem Zwei-Mann-Büro direkt nebeneinander. Das funktioniere erstaunlich gut und sei ein Konzept mit Zukunft, sagen beide.

Co-Working versteht sich als moderne Form des Arbeitens. Statt zuhause alleine vor sich hin zu werkeln oder ein teures Büro zu mieten, können Selbstständige, Kreative und Freiberufler in Co-Working-Areas einfach einen Schreibtisch mieten. Um den Rest kümmert sich der Vermieter, vom Internetanschluss bis zum Druckerpapier. Im Moserhaus nutzen unter anderem ein Regisseur, eine Grafik- und Webdesignerin und ein Unternehmensberater dieses Angebot. „Der Start im November 2016 lief etwas schleppend, aber inzwischen sind alle Plätze ausgebucht“, berichtet Herbst. Das Co-Working ist im Trend, wie auch der Erfolg der Tegernseer Coworkerei zeigt (wir berichteten). Auch dort sind alle Plätze ausgebucht.

Das liegt auch an der Flexibilität, die das Co-Working bietet. Manche Bürokollegen kommen jeden Tag, manche seltener; einige haben einen festen Arbeitsplatz, andere nehmen ihre Unterlagen jeden Abend mit nach Hause – das mehrstufige Tarifsystem macht es möglich. Ab 200 Euro pro Monat gibt es einen flexiblen Arbeitsplatz. Ein eigenes Büro und ein Briefkasten kosten extra. „Einer von uns arbeitet für eine chinesische Firma. Der ist zwischendurch wochenlang weg“, sagt Herbst. Durch die lockeren Bindungen und weil jeder an anderen Projekten arbeite, sei die Atmosphäre entspannt. Dafür fahren Co-Worker aus Holzkirchen, Weyarn und Bruckmühl ins Moserhaus.

Herbst ist von Anfang an dabei – und will gar nicht mehr weg. Für ihren festen Arbeitsplatz mit eigener Rufnummer zahlt sie 349 Euro pro Monat. Früher empfing sie Mitarbeiter und Kunden im Wohnzimmer. Jetzt genießt sie es, unter Leuten zu sein, sich nicht um den Kaffee-Nachschub und den Toner für den Drucker kümmern zu müssen. „Außerdem ist bei mir am Giglberg das Internet eine Schnecke.“ Im Büro sei das besser.

Lesen Sie mehr: So läuft das Co-Working in der ältesten Area im Landkreis in Tegernsee

Auch finanziell lohne sich das Co-Working, findet Herbst. Durch die neuen Kontakte habe sie genügend Aufträge erhalten, um die Kosten mehr als aufzuwiegen. Ihre Firma putzt das Co-Working-Büro und die Zahnarztpraxis im ersten Stock. Auch der Immobilienmakler im Erdgeschoss vermittelt Kunden, die Reinigungskräfte brauchen. Pläne, aus dem Moserhaus auszuziehen, hat Herbst nicht. „Nur, wenn irgendwann der Platz nicht mehr ausreicht, weil ich zehn Angestellte brauche.“

Das sieht Hacker ähnlich. Früher arbeitete er im Versicherungsbüro, doch pünktlich zur Eröffnung der Co-Working-Area wechselte er den Arbeitgeber. Für viel Geld eine eigene Geschäftsstelle zu mieten, war ihm zu aufwändig, also geht auch er jeden Tag ins Moserhaus. Dort hat er „alles, was er braucht“ – seine Firmenadresse, eine eigene Telefonnummer und eine zentrale Lage am Habererplatz mit Parkplätzen, damit die Kunden schnell vorbei kommen können. Für Beratungsgespräche nutzt er den Konferenzraum, für vertrauliche Telefonate die abgeschottete Telefonecke. „Das ist ideal“, findet er.

Dennoch: Hacker glaubt nicht, dass sich das Co-Working für alle eignet. Ab einer gewissen Betriebsgröße sei ein eigenes Büro sinnvoller. Zwar ziehe demnächst eine Münchner Firma mit vier Angestellten in das Büro nebenan, aber das sei wohl die obere Grenze. Für Betriebe mit wenigen Bürokräften und Freiberufler aber, findet auch er, habe das Co-Working viel zu bieten.

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