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So könnte der Marktplatz bereits 2018 aussehen: Die Kernidee besteht darin, die Fläche zwischen Maibaum, Märchenbrunnen und Eisdiele autofrei zu gestalten. Dazu wird die Zufahrt auf die Westseite verlegt. Neu ist auch, die Fläche vor dem Wäschegeschäft Grabmaier für Autos zu sperren und als Freifläche zu definieren. Auch soll die Freischankfläche vor dem Marktcafé größer werden.

Mehr Aufenthaltsqualität und nur fünf Parkplätze weniger

Arbeitsgruppe zeigt Plan: So könnte der neue Marktplatz aussehen

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Die Arbeitsgruppe Marktplatz hat einen Vorschlag entwickelt, wie Miesbachs Platz mehr Aufenthaltsqualität bieten kann, ohne auf viele Parkplätze zu verzichten. So sieht er aus.

Miesbach – Im Volksmund hatte die Arbeitsgruppe (AG) Marktplatz schnell einen Spitznamen bekommen: Immer wieder wurden deren Mitglieder aus dem Stadtrat – Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD), Astrid Güldner (Grüne), Markus Seemüller (FW) und Dirk Thelemann (CSU) – als „die vier Weisen“ bezeichnet. Viele Vorschuss-Lorbeeren, die verpflichteten. Nach vier Monaten liegt nun ein Ergebnis vor, das bei diesem umstrittenen Thema ein guter Kompromiss sein dürfte. Fazit: Mission erfüllt.

Gemeinsames Werk: Bewusst ergebnisorientiert gingen (v.l.) die Stadtratsmitglieder Dirk Thelemann (CSU), Paul Fertl (SPD), Markus Seemüller (FW) und Astrid Güldner (Grüne) an die Aufgabe heran. Parteipolitik wurde konsequent ausgeklammert.

Der Plan sieht vor, den Bereich zwischen Maibaum, Märchenbrunnen und Eisdiele autofrei zu gestalten – „zur Sicherheit der Kinder“, wie Fertl erklärt. Die freie Fläche könne für Kunst und Spiel genutzt werden. „Da werden schon noch Ideen kommen“, ist er sich sicher.

Für den autofreien Raum wird die Zufahrt von der Ost- an die Westseite neben die Ausfahrt verlegt. Im Norden müssen Autofahrer um das mittig gelegene Haus von Wäsche Grabmaier herumfahren. Die aktuelle Durchfahrt vor dem Laden soll nämlich für Autos gesperrt und zur Freifläche werden. „Ein Platz für Aktionen oder auch für Gastronomie“, sagt Thelemann, der sich gut italienisches Flair vorstellen kann. Unterstützt wird dies durch eine Vergrößerung der Freischankfläche des Marktcafés.

Rad- und Motorradfahrer wurden ebenfalls berücksichtigt. Neben Ständern zum Abstellen soll am Märchenbrunnen eine Ladestation für E-Bikes entstehen, und Motorradfahrer dürfen sich auf eigene Parkplätze – vier an der Zahl – freuen.

Der Einschnitt in die Zahl der bisherigen Stellplätze hält sich dabei in Grenzen, wie Fertl betont: „Wir verlieren nur fünf Parkplätze.“ Dafür bietet der Plan viele neue Optionen. „Er ist entwicklungsfähig“, stellen die vier unisono fest. „Es wird sich zeigen, wie die Flächen genutzt werden und welche Wünsche entstehen“, sagt Seemüller. Und Güldner ergänzt: „Es wird nichts festgelegt. Man kann auf die Wünsche der Miesbacher reagieren.“ Sollte der allgemeine Wunsch später mal dahin gehen, die Parkflächen zu verringern, sei das hiermit ohne Probleme möglich. Der Spielraum sei groß.

Das war eine Grundvoraussetzung an die lange gesuchte Kompromisslösung. Wie berichtet, gab es in der Vergangenheit viel Unmut angesichts erster Pläne, die die SPD vorgestellt hatte. Ladeninhaber fühlten sich übergangen – in der Folge war nach viel Hin und Her das Gesprächsklima belastet, und das Thema blieb inhaltlich auf der Strecke.

Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) versuchte, dem Prozess mit dem Planungsbüro Nonconform Wien neue Impulse zu geben – was letztlich auch gelang, wenn auch anders als geplant: Seemüller schlug eine kleine, konstruktiv denkende Arbeitsgruppe mit Mitgliedern aus dem Stadtrat vor. Die AG Marktplatz war geboren.

„Es ist ein Gemeinschaftsentwurf“, betont Fertl deshalb umso mehr. „Kein Vorschlag von CSU, SPD, Freien Wählern oder Grünen. Dieser Entwurf wurde im Konsens erarbeitet.“ Wichtig ist der AG auch, dass damit noch nichts zementiert ist. „Es ist lediglich eine Diskussionsgrundlage“, sagt Seemüller. „Aber eine gute.“ Den beteiligten Stammtischen, Vereinen und Verbänden habe man den Vorschlag bereits ebenso vorgestellt wie den Fraktionen und Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU). Das Feedback sei gut gewesen.

Die weitere Vorgehensweise sieht vor, dass der Stadtrat den Auftrag erteilt, in die konkrete Planung einzusteigen. Da der Aufwand der Umsetzung nicht sehr groß ist, könnte im Frühjahr 2018 damit gestartet werden – gerade rechtzeitig zum Jubiläumsjahr 100 Jahre Stadterhebung.

Bemerkenswert ist auch die Entstehungsweise des Lösungsansatzes. Es wurde fraktionsübergreifend gearbeitet und ohne Nebengeräusche ein tragfähiges Ergebnis vorgelegt. „Wir wollten einen Kompromiss“, sagt Seemüller. Dass Fertl als Zweiter Bürgermeister eine Sprecherrolle innehatte, sei von allen Beteiligten befürwortet worden. Ein gemeinsames Ergebnis, das auch von allen getragen wird. „Es hat sich positiv entwickelt in ruhiger Atmosphäre.“

Wie harmonisch sie war, belegt die Anekdote, die Thelemann erzählt: „Ich hab in der zweiten Sitzung Markus Seemüller bereits das Du angeboten.“ Trotz vorheriger Distanz im Stadtrat. Was Seemüller humorvoll-trocken kontert: „Deshalb stelle ich aber keinen Antrag weniger.“

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