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Vorerst die einzigen Fällungen: Mitarbeiter der LfL und des Bauhofs bei den Entnahmen vor dem Miesbacher Finanzamt. Weitere werden erst nach dem Abschluss der Überprüfungen und einer Infoveranstaltung folgen.

Keine neuen Funde bekannt

Asiatischer Laubholzbockkäfer (ALB) in Miesbach: Die Ruhe vor dem Sturm

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Die Suche nach dem Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) in Miesbach geht weiter – zuletzt aber langsamer als geplant. Fällungen wird es ohnehin erst in einigen Wochen geben.

Miesbach – Das schlechte Wetter macht den Suchtrupps der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) zu schaffen. Die zwei oder drei Zwei-Mann-Teams, die je nach Urlaubssituation und Lage in den anderen Quarantänegebieten die Miesbacher Bäume nach dem Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) durchkämmen, können an nassen Stämmen Ei-Ablagen und Bohrlöcher des ALB nur schwer erkennen, berichtet Frank Nüßer, Leiter der Arbeitsgruppe ALB an der LfL. Bei Regen kommen sie deswegen nur langsam voran – oder müssen die Arbeit ganz einstellen.

Alle wichtigen Fragen und Antworten zum ALB in Miesbach gibt es hier: Gefährlicher Schädling bedroht Bäume - Das passiert jetzt

ALB in Miesbach: Bis zu den Fällungen werden noch Wochen vergehen

Dass die Suche keine schnellen Ergebnisse bringen werde, war Nüßer indes klar. „Um den Befall stehen viele sehr große, alte Bäume“, erklärt er. In den hohen Kronen seien gerade die dünneren Äste nur schwer einsehbar. „Es braucht Zeit, bis die kontrolliert sind.“ Immerhin: Bis jetzt hätten seine Leute noch keine weiteren Käfer gefunden. Eine Entwarnung ist das nicht – die Suche steht noch am Anfang.

Auf die Miesbacher kommt eine Zeit des Wartens zu. Frühestens in drei oder vier Wochen werde die Bestandsaufnahme abgeschlossen sein, sagt Nüßer. Erst danach werde die LfL eine Allgemeinverfügung erlassen (siehe Kasten).

Anschließend wird es eine Infoveranstaltung für die Miesbacher geben. Auf dieser will das LfL alle Fragen beantworten – von den Zonengrenzen bis zur Rechtslage. Erst danach verschickt die Landesanstalt die Fäll-Bescheide. Nüßer: „Es muss sich also niemand Sorgen machen, dass plötzlich jemand bei ihm im Garten Gehölze fällen will.“

Ist es einmal so weit, soll es aber schnell gehen: Nüßer will die zu entnehmenden Bäume und Sträucher alle in einer Aktion fällen, abtransportieren und verbrennen. Er sagt: „Wir wollen den Bürgern so wenig wie möglich auf den Keks gehen.“

Fällungen vor einer Woche: Neun weitere Bäume am Finanzamt gefällt - Der aktuelle Stand zum ALB

Asiatischer Laubholzbockkäfer: Trotz Kontrollen wird Miesbach ein gewisses Restrisiko bleiben

Die Einzel-Entnahmen vor dem Miesbacher Finanzamt und dem Vitanas Seniorenzentrum werden also eine Ausnahme bleiben. An den Bäumen waren lebende ALB gefunden worden, also „war Gefahr in Verzug“, erklärt Nüßer. Außerdem kann die LfL befallene Stammteile so im Labor in Freising untersuchen. Dort wurden diese zwei Tage lang erhitzt, um alle Larven abzutöten. Derzeit läuft die Untersuchung. „Es wurden weitere Larven gefunden“, meldet Nüßer. Mehr will er erst nach Abschluss der Analysen sagen.

Ohnehin gilt: Auch die gründlichsten Kontrollen entdecken nicht alle befallenen Bäume. Obwohl die Such-Teams intensiv geschult werden, schreibt die LfL in einer ALB-Broschüre, könnten sie wegen der schlechten Einsehbarkeit der Baumwipfel nie sicher Entwarnung geben. Statt „der Baum ist befallsfrei“ könnten sie nur sagen „Ich habe nichts gefunden“. Deswegen gebe es die vierjährige Quarantäne, die Fällungen in der 100-Meter-Zone und das Monitoring zwei Kilometer um den Befall, erklärt Nüßer.

Bisher hat dieses System in Deutschland immer gut funktioniert – wie berichtet, fand die LfL in keiner der anderen Quarantänezonen neue Befälle. Eine Garantie gibt es dennoch nicht. Trotz Kontrollen und Fällungen könnten in Miesbach neue ALB gefunden werden – und den Prozess erneut starten.

Mehr zum ALB in Miesbach: 30 Bäume befallen, zehn gefällt - Diese Zone ist jetzt gefährdet

Miesbach: Klagen gegen die Fällungen wegen des ALB sind aussichtslos

Wie einschneidend bereits die anstehenden Fällungen für das Ortsbild sein werden, weiß Nüßer. Hoffnungen, diese zumindest teilweise zu vermeiden, macht er den Miesbachern nicht: Klagen seien aussichtslos. Der Grund: Insektizide erreichen die tief im Baum sitzenden ALB-Larven nicht. Natürliche Feinde hat der Käfer keine. Also bleibe nur die Fällung.

Immerhin: Einige Laubbäume in der 100-Meter-Zone um den Befall werden den Angriff des ALB überleben. Obstbäume stehen zum Beispiel nicht auf der Liste der 16 zu fällenden Gehölze der LfL. Gleiches gilt für Eichen, Koniferen und Walnüsse.

Derweil gibt es auch im Miesbacher Rathaus eine Veränderung: Nach dem Ende ihres Urlaubs leitet seit Montag wieder Bürgermeisterin Ingrid Pongratz die Geschäfte. Für eine Stellungnahme zum ALB war sie noch nicht zu erreichen.

Deshalb gibt es die Allgemeinverfügung

Wie die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) den Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) bekämpfen muss, regelt eine EU-Richtlinie. Diese richtet sich aber an Behörden – für Bürger geltendes Recht schafft sie nicht. Das macht das LfL mit einer Allgemeinverfügung. Das ist ein Verwaltungsakt, der sich an einen nach allgemeinen Merkmalen bestimmten Personenkreis richtet – also zum Beispiel an Menschen in einem Gebiet, auf deren Grundstücken bestimmte Gehölz-Typen wachsen. In der Verfügung bestimmt das LfL die Abmessung der Quarantänezone und die Maßnahmen, die in ihr ergriffen werden müssen, wie Fällungen und Anpflanzungsverbote.

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