Asiatischer Laubholzbockkäfer: Die Fällungen beginnen Mitte März
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Die Zeit läuft: Auch im Waitzinger Park werden bald Bäume gefällt. Der Bescheid, der verrät ob es Ausnahmen geben wird, ist in der Post.

100 000 Euro Soforthilfe

Asiatischer Laubholzbockkäfer: Die Fällungen beginnen Mitte März

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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Das Miesbacher Stadtbild wird sich bald radikal verändern. Die Fällung zur Bekämpfung des ALB werden Mitte März beginnen. Frank Nüßer von der LfL erklärt den Zeitplan.

Miesbach – Das Miesbacher Stadtbild wird sich bald radikal verändern. Nachdem das Verwaltungsgericht München den Einspruch des Landratsamts gegen die Fällung zur Bekämpfung des Asiatischen Laubholzbockkäfers (ALB) abgelehnt hat, wird die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) schon in einigen Woche die ersten Bäume fällen lassen. In unserem Gespräch erklärt Frank Nüßer, Leiter der Arbeitsgruppe ALB an der LfL, den weiteren Zeitplan, die Auswirkungen des milden Winters und was Grundstückseigentümer jetzt wissen müssen.

Asiatischer Laubholzbockkäfer: Die Fällungen beginnen im März

Herr Nüßer, nächste Woche läuft die Widerspruchsfrist gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts ab. Fallen dann die Bäume in Miesbach?

So schnell wird es nicht gehen. Noch stecken wir in den Vorbereitungen. Wir vervollständigen die Fällbescheide und verschicken sie bis Ende der Woche per Post an die Grundstückseigentümer.

Wann werden die Fällungen beginnen?

Wir rechnen derzeit damit, in der Kalenderwoche 13 ab Montag, 23. März, mit den Fällungen zu beginnen. Ab dann haben wir für die Fällungen rund sechs Wochen eingeplant, sodass wir die Fällungen Ende April oder Anfang Mai abschließen können. Die genaue Dauer ist witterungsabhängig. Wenn es stark regnet, sollte zur Vermeidung von Schäden ein Maschineneinsatz auf Grundstücken vermieden werden. Außerdem sehen unsere Kontrolleure an nassen Stämmen die Befallsmerkmale schlechter. Vor dem Käferflug im Juni/Juli sollten die Fällungen aber in jedem Fall abgeschlossen sein.

Wird es für den Waitzinger Park Ausnahmen geben?

Das steht in dem Fällbescheid, den die Stadt Miesbach bald erhält. Mehr möchte ich nicht sagen, weil es die Stadt als Erster erfahren soll. Ich bitte um Verständnis.

Was müssen die übrigen betroffenen Grundstückseigentümer jetzt wissen?

Der Freistaat Bayern hat der Stadt Miesbach eine Soforthilfe in Höhe von 100 000 Euro bereitgestellt, damit die Grundstückseigentümer nicht auf den Kosten der Fällungen sitzen bleiben. Den Fällbescheiden liegen Einverständnisformulare bei, die es der Stadt erlauben, das von ihr beauftragte Unternehmen auf den Privatgrundstücken fällen zu lassen. Füllen die Eigentümer diese aus, ist die Fällung für sie kostenfrei.

Macht es für Eigentümer Sinn, Einspruch gegen die Bescheide einzulegen?

Es gab auch in der Vergangenheit Klagen von Privatbesitzern. Die Gerichte haben ihnen aber immer geraten, die Klage zurückziehen, um sich die Kosten eines aussichtslosen Verfahrens zu sparen.

Frank Nüßer (37), Landesanstalt für Landwirtschaft

Ist die Gesetzeslage so eindeutig?

Ja. In Miesbach war neu, dass mit dem Landratsamt zum ersten Mal eine Behörde gegen die erlassene Allgemeinverfügung geklagt hat. Aber auch hier hat das Verwaltungsgericht klar entschieden, dass die LfL die EU-Richtlinie als höherwertiges Recht umsetzen muss. Die Lage ist also eindeutig.

Ein Erfahrungsbericht aus einer anderen ALB-Zone: ALB: In Feldkirchen wurden ganz Wälder gefällt, das Ortsbild verändert

Haben Sie Zeitdruck? Der Winter war sehr mild. Schlüpft der Käfer heuer früher als Ende Juni, wie sonst üblich?

Nein. Die Eier des Käfers stellen die Entwicklung bei Temperaturen unter zwölf Grad ein. Auch die Larven brauchen längere Phasen über zehn Grad, um aktiv zu werden. Solche Wärmeperioden gab es auch in diesem Winter nicht. Es bringt nichts, wenn es Mittag mal warm wird.

Es reicht also nicht, wenn die Tageshöchsttemperatur bei zwölf Grad liegt?

Genau. Es muss mehrere Stunden pro Tag über zwölf Grad warm sein. Wenn es sich abends wieder abkühlt und in der Nacht friert, reicht dies für die Aktivitätsphase nicht aus. Dazu bräuchten wir eher Höchsttemperaturen über 16 oder 17 Grad, und das über einen längeren Zeitraum. Erst dann beginnen die Larven mit der Verpuppung. Die dauert dann drei, vier Wochen. Bleiben die Wetterverhältnisse wie bisher – wärmere und kältere Phasen im Wechsel – wird auch dieses Jahr vor Ende Juni, Anfang Juli nicht mit dem Schlüpfen des ALB zu rechnen sein. Das ist aber die Deadline, bis dahin müssen die Fällungen abgeschlossen sein.

Was ist mit Vögeln, die in den Bäumen nisten?

Wir haben eine Ausnahmegenehmigung und dürfen auch während der Brutzeit fällen. Die Vögel sind uns aber nicht egal. Schon im Vorfeld der Fällungen wollen wir die Brutkästen abnehmen lassen. Nester, die während der Fällungen entdeckt werden, sollen ebenfalls vor der Maßnahme entfernt werden. Finden wir in Bäumen Höhlen, in denen Höhlenbrüter leben könnten, überprüfen wir sie mit einer Endoskop-Kamera. Entdecken wir zum Beispiel Fledermäuse, schneiden wir das Stück aus dem Stamm heraus und warten, bis die Tiere nachts wegfliegen. Erst dann entsorgen wir es.

Hilfe für Grundbesitzer

bietet die LfL kostenlos unter 0 81 61 / 71 57 30 und alb@lfl.bayern.de.

Hier liegen bald die gefällten Miesbacher Bäume

Die Vorbereitungen beginnen: Am Donnerstag wurden die Gehölze auf der Waitzinger Wiese entsorgt, um Platz für die anstehenden Fällungen zu schaffen.

Die ersten Vorboten der Fällungen zeigen sich auf der Waitzinger Wiese. Dort häckselte gestern ein Lkw mit Anhänger, Greifarm und Häckselanlage die Bäume und Äste, die private Grundstückseigentümer sowie die Stadt Miesbach an den dafür vorgesehenen Sammelplatz gebracht hatten. Das geschah, um Platz für die Gehölze der bevorstehenden Fällungen zu schaffen, erklärte LfL-Pressesprecherin Elke Zahner-Meike auf Anfrage unserer Zeitung. Wie berichtet, dürfen Grundstückseigentümer innerhalb der Quarantänezone gefällte Laubbäume und Laubbaumgeäst nicht eigenständig entsorgen. Sie müssen sie zum Ablageplatz bringen, wo sie von der Stadt gehäckselt und zur Verbrennung gebracht werden. Diese Regel gilt ausnahmslos für alles innerhalb der Quarantänezone gefällte oder zugeschnittene Laubholz. So sollen alle Larven des ALB vernichtet werden.

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