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Infos aus erster Hand: Vertreter der Landesanstalt für Landwirtschaft, des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, des Landratsamts, der Stadt und der VIVO standen am Mittwochvormittag während des Miesbacher Wochenmarkts Rede und Antwort zum Asiatischen Laubholzbockkäfer.
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Annemarie Brinz (71) aus Ratzenlehen: „Wir haben ein ländliches Anwesen mit vielen schönen alten Bäumen wie Linden, Nussbaum und Rotbuchen – einen ganzen Hag. Wir liegen zwar etwa vier Kilometer außerhalb von Miesbach, aber ich bin hier, um mich zu informieren, wie der Asiatische Laubholzbockkäfer aussieht und woran man einen Befall erkennen kann. Aber natürlich in der großen Hoffnung, dass wir davon nicht betroffen sein werden. Was das alles für Miesbach bedeutet, ist mir aber durchaus klar.“
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Stefan Koch (59) aus Miesbach: „Ich wollte mich über den Käferbefall informieren. Ich bin Mitglied im Trachtenverein, und wir spielen im Waitzinger Park unter dem wunderbaren Baumbestand Theater. Die Kastanien, Linden und Birken sind eine wunderbare Kulisse für unser Freilichttheater. Die und sogar die Neupflanzungen durch die Freiwillige Feuerwehr wären betroffen. Wenn die Bäume gefällt werden müssten, würde sich das gesamte Stadtbild verändern. Das wäre ewig schad und prekär auf Jahrzehnte.“
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Inge Riedl (82) aus Valley: „Ich komme gerade von einer Wanderung vom Harzberg runter, vorbei an der Riviera und dem Landratsamt, und ich habe Angst um meine schönen Bäume. Ich habe jeden am Wegrand angeschaut, ob er verdächtige Löcher hat oder Späne rundherum am Boden liegen, habe aber nichts bemerkt. Es wäre eine Katastrophe für ganz Miesbach, nicht nur für die Gartenbesitzer: Die Bäume sind unersetzbar. Aber wenn es sein muss, muss es sein. Das muss man den Experten überlassen.“
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Heini Brandmaier (81) aus Straß: „Wir haben eine kleine Landwirtschaft innerhalb des 100-Meter-Radius und sind betroffen. Wir haben Ahorn, Birken und Linden, insgesamt zirka neun ganz große und über 100 Jahre alte Bäume. Darum bin ich heute sofort los und habe mich informiert. So leid es einem tut und ich mir das auch gar nicht vorstellen mag, aber es ist wohl notwendig, dass die Bäume gefällt werden. Es hilft nix. Gleiches Recht für alle – egal ob Stadt, Landwirt oder Grundstücksbesitzer.“

Rund 300 Bürger fragen bei Behördenvertretern nach

Infostand zum Asiatischen Laubholzbockkäfer: Keine Panik – aber ernste Sorge

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Rund 300 Bürger kamen am Mittwochvormittag zum Infostand über den Asiatischen Laubholzbockkäfer am Grünen Markt in Miesbach. Viele mit Käfer-Fotos aus dem eigenen Garten, Fragen zum Käfer an sich und zu möglichen Präventionsmaßnahmen. Die Sorge ist groß, in Panik verfiel keiner.

Miesbach – Schon als die Vertreter der Stadt Miesbach, des Landratsamts, der VIVO, des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) morgens um 7.30 Uhr ihren Gemeinschaftsstand am Fuß des Lebzelterbergs aufbauten, kamen die ersten Interessierten. Der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB), wegen dem mittlerweile 19 von mehr als 30 befallenen Bäumen im Stadtbereich gefällt wurden, bewegt die Miesbacher – und nicht nur sie. Insgesamt nutzten 300 Bürger aus dem gesamten Landkreis die Möglichkeit, sich über einen der gefährlichsten Laubbaum-Schädlinge zu informieren.

Fünf Käfer und vier Larven hat die Miesbacher Sondereingreiftruppe nach der Fällaktion am Dienstag auf Anhieb gefunden. Die Bäume sind in Freising im Labor und werden noch eingehender untersucht.

Lesen Sie auch: Asiatischer Laubholzbockkäfer in Miesbach - Das passiert jetzt

Ausgerechnet unter der imposantesten Linde zwischen Stadtplatz und Marktplatz hatten die Behörden am Mittwoch den Infostand aufgebaut. Auch sie könnte fallen, denn auch sie zählt zu den vom ALB bevorzugten Wirtsbaumarten. Am Mittwoch aber diente sie als Anschauungsmaterial, wie die Pheromonfalle, die Querschnitte von durchlöcherten und durchbohrten Holzstämmen sowie in Plexiglas eingegossene Asiatische Laubholzbockkäfer und deren Larven. Einen Befall frühzeitig nachzuweisen, ist schwierig: „Absterbende Baumkronen sind ein Hinweis, den Baum näher zu untersuchen“, erklärte Frank Nüßer, Leiter der insgesamt 16-köpfigen ALB Arbeitsgruppe beim LfL. „ALB-Spürhunde sind im Einsatz, aber deren Reichweite ist nicht so groß. Denn die Löcher und Larven können auch weiter oben sein, und da braucht es Baumkletterer.“

Viele Besucher hielten dem Experten Handy-Fotos von Käfern aus ihrem Garten hin und fragten besorgt, ob es sich um den ALB handelt. Vielfach schüttelte Nüßer den Kopf: „Es gibt einige Käfer, die dem ALB ähnlich sehen.“ Aber die Miesbacher sollen ihren Baumbestand im Auge behalten, riet er. Und falls sie abgestorbene Kronen, Ein-Euro-Münzen-große Löcher oder Holzspäne am Boden um Bäume herum entdecken, mögen sie Kontakt zur LfL aufnehmen. Es werde wohl drei bis vier Wochen dauern, bis das Monitoring abgeschlossen sei und feststehe, welche Bäume gefällt werden müssen.

Einige Besucher mutmaßten, wie der ALB seinen Weg nach Miesbach gefunden hat, zählten mehrere große Baustellen der vergangenen Jahre auf, wo sich der Käfer in den Paletten für Baumaterial vielleicht versteckt haben könnte. Andere wollten wissen, ob sie die Bäume in ihrem Garten präventiv schützen könnten, etwa mit dem Einsatz von ätherischen, antiseptisch wirkenden Ölen.

Vize-Bürgermeister Paul Fertl schaute betroffen: Es gebe wohl wirklich nur die Möglichkeit, die befallenen Bäume und die in einem Umkreis von 100 Metern zu fällen. „Wir haben es mit einer ernsten Bedrohung der Baumlandschaft Miesbachs und damit des gesamten Stadtbilds zu tun. Viele haben den Ernst der Lage noch nicht begriffen“, sagte er.

„Menschen und auch die gesunden Bäume dürfen durch den ALB nicht zu Schaden kommen“, meinte eine junge Frau beim Besuch am Infostand. „Es hilft alles nichts. Wenn die Bäume weg müssen, müssen sie halt weg“, sagte die mit Blick auf die erhabene Linde – und hatte ein paar Tränen in den Augen.

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