Alles vorbereitet: Das Impftempo im Landkreis Miesbach nimmt weiter Fahrt auf.
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Alles vorbereitet: Das Impftempo im Landkreis Miesbach nimmt weiter Fahrt auf.

Wahlfreiheit im Impfzentrum

Astrazeneca für alle: Ansturm auf Hausarzt-Praxen im Landkreis Miesbach

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Astrazeneca für alle: Die Nachricht von Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek hat den Hausarzt-Praxen im Landkreis Miesbach einen regelrechten Ansturm beschert.

Landkreis – Die Nachricht, die Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek am Mittwochabend verkündete, hat auch den Hausarztpraxen im Landkreis Miesbach ein hohes Telefonaufkommen beschert. Dass diese ab sofort den Impfstoff von Astrazeneca an alle Bürger ab 18 Jahren ohne Priorisierung ausgeben dürfen, hat dem bis vor Kurzem oft verschmähten Vakzin einen regelrechten Nachfrageschub beschert.

Doch ausgerechnet jetzt müssen viele Hausärzte aus anderen Gründen ein Stoppschild aufstellen: „So gut wie alle werden in der kommenden Woche nur Biontech erhalten“, berichtet der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands (ÄKV), Dr. Thomas Straßmüller, auf Nachfrage unserer Zeitung. „Irgendwie ist das schon alles ein bisschen verrückt zurzeit.“

Hausärzte haben vorerst nur Biontech bekommen

Sein Miesbacher Kollege Dr. Dirk Leutheuser kann das bestätigen. Für diese Woche habe er das für seine Gemeinschaftspraxis maximale Kontingent von 84 Impfdosen bestellt (jedem Arzt stehen 42 zu), davon aber nur 38 bekommen. Da seien immerhin 22 Astrazeneca-Präparate dabei gewesen. Für die kommende Woche sei eine größere Lieferung angekündigt – allerdings ausschließlich von Biontech. Bis dato sei dies zumindest bei seinen Patienten der gefragtere Impfstoff gewesen, berichtet Leutheuser. Hier jedoch müssten auch die Hausärzte weiterhin priorisieren, wer sich als Erstes die Spritze setzen lassen darf. Auf www.praxis-leutheuser .de können sich Interessenten in die Warteliste eintragen. Im Einzelfall gebe es aber schon einen gewissen Ermessensspielraum, fügt Leutheuser hinzu.

Wahlfreiheit bei Zweitimpfung im Impfzentrum

Gar eine Wahlfreiheit haben die Impflinge im Impfzentrum des Landkreises. Zumindest die, die dort bereits eine Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten haben und nun zu ihrem Zweittermin kommen. Sie können laut Straßmüller, der bekanntlich auch Ärztlicher Leiter des Haushamer Impfzentrums ist, vor Ort entscheiden, ob sie erneut Astrazeneca oder lieber einen der beiden mRNA-Impfstoffe (Biontech oder Moderna) haben möchten. „Wir halten jeweils genug Dosen vor“, betont Straßmüller. Erstimpfungen mit Astrazeneca werden im Impfzentrum aber bekanntlich nicht mehr durchgeführt. „Das geht nur noch beim Hausarzt.“ Oder eben bei der vorerst einmaligen Sonderaktion am Wochenende in der Mittelschule Holzkirchen.

Straßmüller jedenfalls hat in den vergangenen Tagen beobachtet, dass keineswegs alle einmal mit Astrazeneca Geimpften automatisch auf die mRNA-Vakzine wechseln. „Viele wollen ganz bewusst bei Astra bleiben.“ Eine medizinische Empfehlung, welche Variante nun die bessere oder sicherere ist, will der Ärztliche Leiter nicht ausgeben. Für zwei Astrazeneca-Impfungen seien zumindest Studien über die Schutzwirkung vorhanden, für eine Mischung von zwei Impfstoffen bislang nicht.

sg

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