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Symbolischer Akt der Zerstörung: Mit zwei Mitgliedern des Motorradclubs Edelweißpiraten zerlegen SPD-Landtagskandidatin Verena Schmidt-Völlmecke (rote Mütze) und SPD-Kreisrätin Christine Negele (r.) die nachgebaute Atomrakete.

Ostermarsch 2018 

„Atomsprengkopf“ zertrümmert: Ostermarsch zieht durch Miesbach

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Gut 200 Atomwaffen-Gegner nahmen am traditionellen Ostermarsch durch Miesbach teil. Der  Protestzug unterstrich dabei eine Forderung: eine Zukunft ohne todbringende Raketen.

Miesbach – Sie schlummern tief unter dem Fliegerhorst Büchel: Atomraketen. Bis zu 20 dieser Waffen lagern die USA schätzungsweise auf dem Bundeswehr-Stützpunkt in Rheinland-Pfalz. Die Raketen vom Typ B61 haben, je nach Ausstattung, das Zigfache an Sprengkraft der Atombombe, die in Hiroshima 140 000 auf einen Schlag in den Tod gerissen hat. Auf der Waitzinger Wiese in Miesbach wurde ein solcher Sprengkopf nun zerstört.

Freilich kein echter, sondern ein maßstabsgetreuer Nachbau aus Holz wurde im Rahmen des Ostermarsches, der am Karsamstag durch die Kreisstadt zog, zertrümmert. Ein symbolischer Akt der Zerstörung als klare Forderung für eine Zukunft ohne todbringende Atomwaffen.

200 Teilnehmer schlossen sich dem traditionellen Protestzug an, der heuer unter dem Schwerpunkt des weltweiten nuklearen Wettrüstens stand. „Damit haben wir fast die Stärke des Vorjahrs erreicht“, sagt Initiator Hermann Kraus. Gerechnet habe man mit weniger, räumt er ein. Allerdings nicht aus Mangel an politischer Überzeugung. Ganz im Gegenteil. Der Leitgedanke der Ostermärsche, einer deutschlandweiten pazifistischen Friedensbewegung, stoße auch im Landkreis auf viele Unterstützer. Bloß wegen des Wetters, sagt Kraus, habe er ein bisschen Bedenken gehabt.

Pünktlich zum Start des Ostermarschs setzte der Regen allerdings aus. Und so marschierten die Teilnehmer trockenen Fußes fahnenschwenkend und schilderhaltend („Kein Rassismus“, „Fairer Handel mit Afrika“) von der Rudolf-Pikola-Schulanlage in Richtung Volksfestwiese. Dort angekommen verlasen SPD-Kreisrätin Christine Negele und Hannes Gräbner, Vorsitzender der Sozialdemokraten im Kreis, eine Stellungnahme der ICAN. Das internationale Bündnis wurde 2017 für sein Engagement für ein Atomwaffenverbot mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Nachdem die Raketen-Attrappe zerstört worden war, zogen die Teilnehmer weiter zum Rathaus, wo sie abschließend Luftballons mit Friedensbotschaften stiegen ließen.

Initiator Kraus zieht ein durchweg positives Fazit – und hegt die Hoffnung, dass der Miesbacher Ostermarsch bloß ein Anfang ist. „Es braucht sie in weiteren Orten“, sagt Kraus. Und das nicht einmal an einem bestimmten Termin: „Es muss nicht Ostern sein für einen solchen Marsch.“ Schließlich zählt die Botschaft.

fp

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